Verkehr

Die A 44 zwischen Velbert und Heiligenhaus ist freigegeben

Mit dem Durchschneiden des Bands ist es offiziell: Das erste A44-Teilstück ist eröffnet.

Mit dem Durchschneiden des Bands ist es offiziell: Das erste A44-Teilstück ist eröffnet.

Foto: Ulrich Bangert

Heiligenhaus.   Ein neues Teilstück der Autobahn 44 zwischen Velbert und Heiligenhaus ist feierlich eröffnet worden. 110 Millionen Euro sind investiert worden.

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Nach Jahrzehnten der Planung und viel Widerstand hätten manche es kaum noch für möglich gehalten: Am Freitag ist das erste Teilstück der Autobahn 44 zwischen Hetterscheidt und der Hofermühle eingeweiht worden. Zur feierlichen Eröffnung ließen sich Politik und sonstige Würdenträger nicht lange bitten.

Neben zahlreichen lokalen und regionalen Volksvertreten war auch der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) vor Ort. Neben der Bedeutung des Verkehrsprojekts für Ruhrgebiet und Rheinland betonte er die Vorteile der Ortsumgehung für die Menschen der Region. „Sie werden nach dem Lückenschluss spürbar vom Verkehr entlastet und für die städtebauliche Entwicklung bietet die A 44 neue Chancen.“

Teilstück kostete rund 110 Millionen Euro

Die sieht auch Jan Heinisch (CDU), Staatssekretär im NRW-Heimatministerium und ehemaliger Heiligenhauser Bürgermeister: „Seit 50 Jahren ist eine Umgehungsstraße geplant, die Eröffnung ist nun eine Initialzündung für die Stadtentwicklung, vor allem im Bereich Wohnen und Gewerbe.“ Besonders für das neue Gewerbegebiet an der Ratinger Straße erhofft sich die Stadt einen Standortvorteil durch die neue Autobahn.

Der Bau des ersten Teilstücks hat rund 110 Millionen Euro gekostet. Rund zehn Prozent mehr als geplant. Auf dem 4,6 Kilometer langen Ostabschnitt hat Straßen NRW sechs Brücken gebaut – nicht die einzigen Hindernisse auf dem Weg zur Fertigstellung. Seit dem Spatenstich im Jahr 2010 gab es starken Widerstand von Anwohnern und viele Klagen gegen das Autobahnprojekt. „Ursprünglich sollte das erste Teilstück 2014 eröffnet werden“, sagt Projektleiter Olaf Wüllner von Straßen NRW mit Blick auf die Verzögerungen.

Weiterer Widerstand möglich

Doch auch in Zukunft könnte es Widerstand geben: Viele Anwohner in der Hofermühle und in Homberg befürchten nun mehr Verkehr, wenn die Autofahrer an der Ratinger Straße von der und auf die A 44 abbiegen. Dieses Problem sieht auch der Heiligenhauser Bürgermeister: „Mit Blick auf die Hofermühle habe ich schon ein lachendes und ein weinendes Auge. Aber den Autobahnbau deshalb ganz sein zu lassen, war auch keine Alternative“, so Beck, der auf eine schnelle Fertigstellung des zweiten A 44-Abschnitts durch die Deges (siehe Infokasten) hofft. Positiv sei für ihn, dass die Anwohner der Innenstadt künftig deutlich vom Verkehr entlastet werden würden.

Während die Innenstadt von einer Verkehrsentlastung profitieren soll, fürchten viele Anwohner der Autobahn die Emissionen durch die neue Trasse. So könnte der Lärmschutz entlang der Autobahn nach Ansicht von Kritikern noch Thema werden. Sie befürchten, dass für Anwohner im Nonnenbruch, am Gießerweg, in der Heide, in Hetterscheidt und in Velbert nachgebessert werden muss.

Ab Samstagmorgen kann der Verkehr rollen

Das wird sich aber erst zeigen, wenn der Verkehr auf der A 44 fließt. Am heutigen Samstag ab circa 10.30 Uhr wird die Strecke für den Verkehr freigegeben, sagt Olaf Wüllner. Wer künftig dort mit dem Auto unterwegs ist, sollte aber auf die Geschwindigkeit achten: Erstmal geht es auf der neuen Trasse nur mit Tempo 80 voran – bis feststehe, ob der Asphalt griffig genug ist, so Wüllner.

Müsse nicht mehr nachgebessert werden, dürfte die endgültige Geschwindigkeit dann in vier bis sechs Wochen gelten: Von Hetterscheidt zur Hofermühle ab dem Tunnel zunächst 120 Stundenkilometer. Vor der Ausfahrt Ratinger Straße werde schrittweise auf Tempo 60 heruntergeregelt. In Gegenrichtung soll dann auch 120 gelten, kurz vor Möbel Rehmann 100 und im Tunnel Birth 80. Werte, die die Autofahrer im Sinne einer guten und sicheren Fahrt hoffentlich berücksichtigen werden.

Kerstin Griese erfreut über die Eröffnung

Die niederbergische SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese freut sich über die Eröffnung der A44 zwischen Hetterscheidt und der Hofermühle, der sie wegen dringender Termine in Berlin nicht beiwohnen konnte. „Gleichzeitig ist es aber problematisch, dass die Anbindung der A 44 an die A 3 immer noch nicht fertig ist“, so Griese. Vor 15 Jahren habe die örtliche Bundestagsabgeordnete erreicht, dass der Bundestag den Bau des Lückenschlusses beschließt und ihn in den vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplans aufnimmt. Damals sei Velbert eine Insel im Autobahnnetz gewesen, nun gebe es mehrere Verbindungen.

Zu lange habe NRW im Schatten der von bayerischen Verkehrsministern dominierten Verkehrspolitik gestanden, bemängelt Griese. „Erst in den letzten Jahren ist es den NRW-Abgeordneten mit der damaligen SPD-geführten Landesregierung gelungen, das zu ändern.“

Nachholbedarf sieht Griese beim ÖPNV. Niederberg brauche mehr Investitionen in einen attraktiven Bahnverkehr.

>>> DEGES SOLL DIE LÜCKE BIS ENDE 2022 SCHLIESSEN

  • Weiter westlich baut die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) derzeit auf 4,5 Kilometern Länge den zweiten Teilabschnitt bis zum Kreuz Ratingen-Ost, der an den Bestand der A 44 und an die A 3 anschließen soll.
  • Die Baukosten beziffert die Deges auf rund 109 Euro. Mit einer Eröffnung wird derzeit für Ende 2022 geplant.
  • Nach dem Lückenschluss rechnet das Bundesverkehrsministerium mit rund 38 000 Fahrzeugen pro Tag auf der Trasse.
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