Serie: Stadtteilstimmen

Der Bürgerverein steckt viel Herzblut in die Unterilp

Die Unterilp, so sagen die Bewohner, hat aus der Vogelperspektive die Form eines Herzens.

Die Unterilp, so sagen die Bewohner, hat aus der Vogelperspektive die Form eines Herzens.

Foto: Hans Blossey

Heiligenhaus.   Kaum einer engagiert sich so für die Unterilp wie der Bürgervereinsvorsitzende Alfred Salmon. Es werde aber dringend Nachwuchs benötigt.

Die Unterilp ist vielen bekannt als „Stadtteil mit Herz“. Und das liege nicht nur daran, dass die Siedlung aus der Luft betrachtet einer Herzform ähnelt, sagt Alfred Salmon, Vorsitzender des Bürgerverein Unterilp. „Hier kennt sich jeder und man schätzt den herzlichen Umgang miteinander.“

Für Begegnungen im rund 3000 Einwohner zählenden Stadtteil sorgt vor allem der Bürgerverein seit seiner Gründung im Jahr 2001. Ursprünglich wurde er gegründet, weil immer mehr Geschäfte den Stadtteil verließen. „Ich habe damals auf einer Wiese ein Grab geschaufelt mit der Aufschrift ,Hier liegt der Hund begraben’“, blickt Salmon zurück. Geschäfte gibt es im Stadtteil zwar bald keine mehr – der Friseur Scanu wird Ende Dezember die Unterilp verlassen.

Es gibt viel zu tun im Stadtteil

Solche Entwicklungen ließen sich aber nirgends aufhalten, sagt Salmon. Dafür hat der Bürgerverein selbst wenige Jahre nach seiner Gründung mit dem Bürgerraum am Ilpweg eine eigene, feste Anlaufstelle für die Anwohner schaffen können. Heute finden dort mehrmals im Monat Veranstaltungen statt – wie etwa der Kaffeeklatsch oder Stricken. „Gerade von älteren Leuten wird das gut besucht“, freut sich Salmon. Für die sei es wichtig, Kontakte zu pflegen und „mal raus zu kommen“.

Für Senioren sei der Bürgerverein, und Alfred Salmon im Speziellen, auch im Alltag Ansprechpartner. So werde der BV-Vorsitzende, den viele auch den „Bürgermeister der Unterilp“ nennen, oft angerufen. „Ich helfe dann bei Behördengängen oder komme zum Blutdruckmessen vorbei.“ Auch aus solchen Gründen sei ein Bürgerverein wichtig für den Stadtteil, ist Salmon überzeugt.

Vereinen werde es nicht leicht gemacht

Aber Leute für Vereins- oder gar Vorstandsarbeit zu begeistern, sei heutzutage nicht leicht, berichtet Vorstandsmitlied Udo Wolf: „Es herrscht ein gewisser Hang zum Individualismus. Sportvereine haben ja oft das gleiche Problem.“ Salmon: „Wir haben ein paar Jüngere dazu gewonnen, aber Berufstätige haben eben auch wenig Zeit.“ Dem neuen Bürgerverein Wassermangel und dessen Vorsitzenden Bastian Böhner wünscht Salmon daher auch viel Erfolg für die Zukunft.

Und in einem Verein gebe es viel zu tun, beispielsweise bei der Planung von Veranstaltungen. Durch Vorschriften sei das komplizierter und teurer geworden. „Wenn wir bei einem Fest Kuchen verkaufen, müssen wir alle Inhaltsstoffe dazu schreiben!“, schildert Salmon, warum ehrenamtliches Engagement aus seiner Sicht oft mit Füßen getreten werde. Der Stadt Heiligenhaus selbst macht er aber keine Vorwürfe, da sie nur Gesetze befolge.

Das Stadtteilfest im September musste der BV aber aus anderen Gründen ins Frühjahr verschieben: An der Grundschule Regenbogen werden noch immer Dach und Fassaden saniert. „Dieses Jahr wird das nichts mehr“, fürchtet Salmon. Auch das Aufstellen des Tannenbaums (30. November, ab 16 Uhr) habe man deshalb vom Schulhof zum Bürgerraum verlegt.

Es kommen wieder mehr junge Familien

Grundsätzlich freut sich der BV, dass die Schule in den Stadtteil gekommen ist. Salmon: „Es ziehen jetzt auch wieder jüngere Familien her.“ Die Zusammenarbeit zwischen Kita, Schule, Ogata und TuS Unterilp laufe auch toll. Es sei rund um die Schule aber auch etwas unruhiger und dreckiger geworden. Und viele Eltern würden rücksichtlos fahren, beispielsweise Anliegerstraßen als Abkürzung nutzen und die Anwohner noch anmeckern.

Seitens der Verwaltung sei für die Moselstraße eine digitale Anzeige „Sie fahren zu schnell“ versprochen worden. „Davon haben wir aber nichts mehr gehört“, klagt Salmon. Gefährlich sei weiterhin die Situation mit Busfahrern, die Fahrgäste einfach an der Pausenhaltestelle rauslassen würden statt an der normalen Haltestelle. Das Problem der glatten und sanierungsbedürftigen Ilpbrücke wurde gelöst, freut sich Salmon.

Doch das nächste Projekt für die Unterilp dürfte nicht lange auf sich warten lassen, zu tun gebe es immer etwas. Der BV-Vorsitzende hofft daher, beizeiten jemanden für seine Nachfolge zu finden. Für Salmon, der seit 45 Jahren im Stadtteil wohnt, ist die Unterilp nämlich nicht nur Heimat, sondern eine echte Herzensangelegenheit.

>>> NEUE MITGLIEDER SIND GERN GESEHEN

  • Der BV Unterilp zählt rund 260 Mitglieder. Wer beitreten oder an den Veranstaltungen teilnehmen möchte, kann sich bei Alfred Salmon melden: 02056/ 22034.
  • Der Jahresbeitrag beträgt 12,50 Euro. „Wir freuen uns über jeden, der kommt“, sagt Alfred Salmon. Dringend benötigt wird beispielsweise jemand, der sich als Kassierer im Bürgerverein engagieren kann.
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