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„Der Brief stirbt nicht“

Der Weg zum nächsten Postkasten ist in der Stadt nah, egal von wo.

Der Weg zum nächsten Postkasten ist in der Stadt nah, egal von wo.

Foto: WAZ FotoPool

Heiligenhaus.   In Heiligenhaus stehen deutlich mehr Briefkästen als im Bundesdurchschnitt.Die Bürger freut’s. Nur häufigere Abholzeiten wünschen sie sich.

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Wie kommunizieren Sie eigentlich mit Ihren Freunden und Bekannten? Für die meisten führt wohl der erste Griff in die Hosentasche zum Handy. Schnell mal eine SMS versenden, um die Liebsten nach ihrem Befinden zu fragen. Eine andere Möglichkeit sind die allseits beliebten E-Mails.

Dass es auch den herkömmlichen, altmodischen Brief gibt, daran erinnern sich immer weniger Menschen. Doch wenn man mal einen Briefkasten braucht, um etwas einzuwerfen, dann steht er zu weit weg. Oder? Die WAZ kam vor der gelben Box mit dem schwarzen Posthorn mit einigen Heiligenhausern ins Gespräch.

Kein Meckerbedarf

„Solange es den Brief gibt, beschweren sich die Menschen darüber, dass es zu wenig Kästen gibt“, erklärt Postsprecher Achim Gahr. Immer wieder landen Bürgerbeschwerden über mangelnde Briefkästen auf einem der Postschreibtische. Die Heiligenhauser allerdings haben in dieser Hinsicht keinen Meckerbedarf. „Ich finde nicht, dass es in der Stadt zu wenig Briefkästen gibt“, sagt zum Beispiel Detlef Gerull und lässt den grauen Umschlag aus seiner Hand in den dunklen Schlitz gleiten.

Ein Eindruck, den Achim Gahr bestätigen kann. „Heiligenhaus ist mit überdurchschnittlich vielen Briefkästen ausgestattet. Hier müssen die Bürger durchschnittlich 340 Meter laufen, um einen Brief einwerfen zu können“, so Gahr. Ein Katzensprung. Der durchschnittliche Fußmarsch zur nächsten leuchtend gelben Box in der Bundesrepublik ist nämlich 500 Meter lang. Allerdings liegt diese Entfernung immer noch im Rahmen des gesetzlich Vorgegebenen.

Die Post-Universaldienstverordnung schreibt vor, dass in dicht bebauten Wohngegenden durchschnittlich alle 1000 Meter ein Briefkasten stehen muss, damit die Bürger für ihre Post keine halbe Weltreise machen müssen.

Die Menge pro Einwohner zählt nicht

Es gehe nicht darum, die Menge pro Einwohner zu errechnen. „Dann könnten wir zum Beispiel 20 Kästen auf den Marktplatz stellen und fertig. Zufrieden wäre damit allerdings niemand“, so der Postsprecher. Ab und an könne es mal vorkommen, dass so ein Kasten sich über Nacht in Luft auflöst. „Manche sind an Hauswänden angebracht. Wenn der Besitzer das nicht mehr möchte, müssen wir ihn abnehmen und woanders anbringen“, sagt Achim Gahr.

Wenn die Menschen sich nicht über die Anzahl der Briefkästen beschweren, dann über die Zeiten, zu denen sie geleert werden. Auch so mancher Heiligenhauser ärgert sich über den Uhrzeitendschungel auf dem Kasten. „Früher wurden die Briefe noch öfter abgeholt. Sogar mehrmals am Tag“, erinnert sich die Heiligenhauserin Amelie Kaiser. Und es stimmt, die Postautos fahren die Kästen (oftmals) nur einmal am Tag an. Entscheidend, damit der Brief in 24 Stunden beim Empfänger ankommt, sei die letzte Uhrzeit, zu der geleert wird. „Dann kommt der Brief zu 95 Prozent am nächsten Tag an“, weiß Gahr. Nachvollziehen, ob beim Leeren nichts schiefgegangen ist, kann Gahr bequem am Computer. Denn jeder Briefkasten hat innen einen Barcode, der beim Öffnen vom Mitarbeiter gescannt wird.

Angst davor, dass sich zukünftig alles nur noch in der elektronischen Welt der Nullen und Einsen abspielt, hat Achim Gahr nicht: „Immer wenn eine neue Technik zur Kommunikation erfunden wurde, glaubten die Menschen, der Brief würde aussterben. Doch der Brief stirbt nicht. Liebesbriefe werden oft noch per Hand geschrieben.“ Das sehen die Heiligenhauser in der kleinen Schlange vor dem Briefkasten im Rathauscenter auch so. „Es ist viel persönlicher ,einen Brief zu schreiben, und deshalb machen wir es auch immer noch“, so Detlef Gerull. Eine Liebes-SMS an den Partner lässt sich auch nicht so schön mit dem Lieblingsduft einparfümieren wie ein Umschlag aus Papier.

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