Konzert

Das Ende einer Ära im Heiligenhauser Club

Gab noch mal alles: Singer/Songwriter Julian Dawson, hier mit Fontain Burnett (Bass), im Heiligenhauser Club.

Gab noch mal alles: Singer/Songwriter Julian Dawson, hier mit Fontain Burnett (Bass), im Heiligenhauser Club.

Foto: WAZ FotoPool

Heiligenhaus.   Julian Dawson spielte in großer Besetzung an der Hülsbecker Straße auf. Es war das letzte Konzert in der Amtszeit von Club-Leiter Ubald Stark. Er wird morgen pensioniert. Seine kommissarische Nachfolgerin wird Edelgard Eichberg, dem Publikum seit Jahren als Club-Mitarbeiterin bekannt.

Deutlicher als am Sonntagabend konnte es nicht werden: Wenn der eher schüchterne Club-Leiter Ubald Stark (stilecht im John-Lennon-Shirt) sich freiwillig auf die Bühne stellt und zu einer langen zurückblickenden Ansprache ausholt, dem gerührten Publikum für die Treue dankt, seinem Arbeitgeber für die Freiheit, den Club als Konzertbühne zu etablieren, den Künstlern, die er in fast 40 Jahren Kulturarbeit auf diese Bretter geholt hat, dann wird spürbar, dass da eine Ära zu Ende geht. Und dann spielt auch noch der alte Clubveteran Julian Dawson auf, mit ausgedehntem Bandset.

Ein Urgestein spielt für ein anderes

Die beiden kennen sich seit 1981, „bevor es Elektrizität gab“, scherzt Dawson. ’81, beim Open Air auf der Wiese an der Hülsbecker Straße, trafen der Leiter und der Sänger einander zum ersten Mal. Eine legendäre Veranstaltung, wie Stark sich erinnert, die in einer Woche voller Spontankonzerte und einem abschließenden Froschschenkelgelage mit den Partner-Städtern aus Meaux geendet habe.

Nach einer langen Nacht der Jugendkultur, mehr einem Wochenende, mit Konzerten und Aktionen, war es ein würdiger Abschluss, das letzte Konzert unter Starks Ägide. Auch wenn er sagt, dass er der Heiligenhauser Kultur erhalten bleiben wird: Heute hat der Mann seinen letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand.

Um das gebührend zu feiern, kam Julian Dawson zwischen Gigs auf dem Lahnstein Blues Festival (mit Wolfgang Niedecken) und im Hamburger Downtown Blues Club mit Band vorbei, d.h. mit Uli Kringler (Gitarre), Fontain Burnett (Bass) und Heinz Lichius (Schlagzeug). Neben seinen Klassikern wie „How can I sleep without you?“ und „We’ve been through fire“ spielte er u.a. einen neuen alten Song: ein Cover von Peter Greens „Man of the World“, das er einst im Kölner Can-Studio eingespielt hat. Das Quartett holte zeitlich und stilistisch weit aus, von stickigem Western mit viel Bottleneck und Tremolo über Gute-Laune-Funk bis zu kalifornisch-luftigem Rocksound, und mit den von Dawson typischen ironischen Umschreibungen: „Was ich zuletzt erinnere,/ist wie ich dabei war, dich zu vergessen“ oder „Ich fühlte mich schlecht, weil ich mich gut fühlte“. Als „definitiv the last song of the night“ sang Dawson dann, was er ursprünglich für seine erwachsene Tochter schrieb: „Es war eine solche Freude,/dir all die Jahre/beim Wachsen zuzusehen./Ich werde dich vermissen,/wenn du gehst.“

Ob auch seine Ära für Heiligenhaus jetzt endet, wollte Dawson nach dem Konzert weder verneinen noch bestätigen. Mal sehen, sagt er. Kommenden März kommt er zumindest nach Köln. Tourdaten auf juliandawson.com.

Der scheidende Clubleiter Ubald Stark schloss am Sonntag jedenfalls auf einer optimistischen Note: Auch wenn er gehe, hoffe er natürlich, dass das vielfältige Kulturangebot damit nicht zu Ende sei. Seine kommissarische Nachfolgerin im Amt wird die langjährige Club-Mitarbeiterin Edelgard Eichberg.

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