Digitalisierung

Bundesbildungsministerin besucht Heiligenhauser Gymnasium

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (mit Mikrofon in der Hand) sprach im Immanuel-Kant-Gymnasium zum Thema Digitalisierung. Dabei stellte sie sich auch Fragen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (mit Mikrofon in der Hand) sprach im Immanuel-Kant-Gymnasium zum Thema Digitalisierung. Dabei stellte sie sich auch Fragen.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Heiligenhaus.  Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat im IKG über die Digitalisierung an Schulen diskutiert. Dabei gab es einige Fragen zu klären.

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Wenn schon mal hoher politischer Besuch wie eine Bundesministerin nach Heiligenhaus kommt, dann werden selbstverständlich gewisse Rituale und Abläufe eingehalten: Die offizielle Begrüßung erfolgt durch den Bürgermeister, nach einem kleinen Rundgang trägt sich der Gast in das Goldene Buch der Stadt ein. Aber natürlich hat der kurze Zwischenstopp der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (CDU), im Immanuel-Kant-Gymnasium (IKG) einen besonderen Anlass.

Jugendrat hatte sich einige Fragen überlegt

Ein klein wenig nervös ist Christoph Köller schon: Der 14-jährige ist Sprecher des Jugendrates Heiligenhaus und wird als einer von fünf Schülern, gemeinsam mit der Bildungsministerin und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Beyer, über das Thema „Digitalpakt – Was braucht Schule heute? Wie sieht Schule morgen aus?“ diskutieren. Die roten Stühle stehen in einem kleine Halbkreis zusammen, dahinter eine zweite, kreisförmig angelegte Stuhlreihe für weitere wichtige Gesprächspartner – darunter der Heiligenhauser Schuldezernent Björn Kerkmann, IKG-Schulleiterin Britta Berschick sowie Martin Teuber von der Bezirksregierung. „Wir haben uns im Jugendrat überlegt, welche Fragen wir stellen wollen“, erzählt Christoph Köller, während sich in den aufgebauten Zuschauerreihen in der Schulaula alle Plätze füllen,. „Unter anderem möchten wir wissen, ob denn alle Schulen gleichermaßen von dem Digitalpakt profitieren werden.

Fortschreitende Digitalisierung sei „unverzichtbar“

Wenige Minuten später erscheint der Besuch aus Berlin, es werden Hände geschüttelt, Fotos gemacht, der WDR positioniert seine Fernsehkamera. Anja Karliczek wirkt locker, sie lacht offen in die Runde, das Thema Digitalpakt ist eins ihrer „Babys“. Denn: „Bildung ist mehr als Lernen, Bildung bedeutet einen ganzen Menschen zu bilden“, eröffnet die CDU-Politikerin den Talk und schaut offen und gesprächsbereit in die Runde. „Und was die schulische Digitalisierung angeht, so sehe ich sie im Dreiklang: Es geht um die Infrastruktur, um deren sinnvolle Nutzung und diese nach pädagogischen Gesichtspunkten.“

Es ist eine Aussage, die die Ministerin noch näher erläutert: Eine fortschreitende Digitalisierung sei unverzichtbar, jedoch müsse der Mehrwert genau definiert werden. „Es geht um Medienkompetenzen, die erworben werden müssen. Dazu zählt die Komplexität zu verstehen, man denke mal an die Facebook-Algorithmen. Und es geht bei Medienkompetenz auch darum zu erkennen, wann es genug ist. Das wahre Leben findet immer noch analog statt.“ Man könne sich per Computer mit Menschen vernetzten, deren Sprache lernen, über Kultur etwas erfahren, „kennenlernen aber wird man das Land nur, wenn man dort hinreist.“

Rund 1,2 Millionen Euro stehen Heiligenhaus aus dem Digitalpakt zu

Friederike Silberger nickt zustimmend. „Man weiß ja auch, dass analoge Bildungsmöglichkeiten in bestimmten Bereichen bestehen bleiben sollten, gerade an den Grundschulen. Das Schreibenlernen mit der Hand ist wichtig, um die Dinge zu verinnerlichen, die Gehirnhälften miteinander zu verbinden“, lässt die 17-Jährige in die Runde einfließen. Ihr Gymnasium, das IKG, ist, was die Digitalisierung betrifft, bereits heute gut ausgestattet – und das, bevor überhaupt Gelder aus dem erst vor kurzem verabschiedeten fünf Milliarden Euro schweren Digitalpaket Schule fließen.

Schuldezernent Björn Kerkmann weiß: Rund 1,2 Millionen Euro der insgesamt bundesweit zur Verfügung stehenden fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt stehen Heiligenhaus zu. Das hört sich ersteinmal nach viel Geld an, ein Kämmerer, der Kerkmann als erster Beigeordneter der Stadt auch ist, muss aber auch Folgekosten im Auge behalten. „Was passiert, wenn teure Reparaturen anstehen? Wenn später veraltete Geräte ausgetauscht werden müssen? Und: Woher kommt das Geld für Lehrerfortbildungen, die zwingend notwendig sind, damit die Pädagogen erstmal selbst die Digitalisierung und deren Handhabung verstehen?“, will er wissen.

Auch bedürftige Familien sollen bei der Digitalisierung unterstützt werden

Das, so sieht es die Ministerin, seien Bereiche, die bei Land, Kommunen und andern Schulbetreibern lägen. „Die fünf Milliarden dienen dem Aufbau der flächendeckenden Infrastruktur“, betont Anja Karliczek noch einmal. „Und was ist mit den Kindern, deren Eltern nicht die Möglichkeit haben, sich teure Geräte zu Hause anzuschaffen, auf denen Referate vorbereitet oder Hausaufgaben gemacht werden müssen?“, möchte Finja (17) zum Schluss wissen. „Diese Familien“- so verspricht es die Bundesministerin – „werden in der Regel dann über andere öffentliche Mittel unterstützt“.

Rund eine Stunde dauerte die lebhafte Diskussion. Während sich fleißig voneinander verabschiedet wird, hat IKG-Schulsprecherin Friederike Zeit für ein kleines Feedback. „Ich fand die unterschiedlichen Sichtweisen und Herangehensweisen an dieses Thema sehr interessant. Es hat auf jeden Fall Spaß gemacht.“

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