NS-Verfolgte

Buch behandelt das Schicksal von NS-Opfern in Heiligenhaus

Dieser Stolperstein in Heiligenhaus gedenkt dem früheren KPD-Mitglied Franz Frerich.

Dieser Stolperstein in Heiligenhaus gedenkt dem früheren KPD-Mitglied Franz Frerich.

Foto: Heinz-Werner Rieck

Politiker Rainer Köster veröffentlichet ein Buch, das sich mit Verfolgten des NS-Regimes in der Stadt befasst. Schilderungen lassen schaudern.

Mit einem bewegenden Buch will der Linken-Kreispolitiker Rainer Köster das Schicksal von Juden, politisch Verfolgten, Zwangsarbeitern und kirchlichen Widerstandskämpfern während der NS-Zeit in Heiligenhaus beleuchten. Dabei werden rund 75 Menschen porträtiert, die ermordet wurden oder physischer oder psychischer Folter ausgesetzt waren. Das rund 50-seitige Werk mit dem Titel „Ewig kann’s nicht Winter sein... Widerstand und Verfolgung in Heiligenhaus von 1933 bis 1945“ soll am 2. Mai erscheinen.

„Geständnisse wurden erpresst“

Dabei legen die Berichte und Ausführungen ein beklemmendes Zeugnis davon ab, wie Menschen und Andersdenkende in dem nationalsozialistischen Staat verfolgt wurden. „Geständnisse wurden erpresst. Zum Teil gab es dabei ganz absurde Verdächtigungen“, schildert Rainer Köster.

Ein Beispiel dafür sei der Fall eines jungen Facharbeiters, der 1937 in einer Mittagspause gesagt haben soll, dass sich deutsche Truppen am spanischen Bürgerkrieg durch Bombardements beteiligen würden – was auch den Tatsachen entsprach. Der Mann bestritt diese Aussagen, wurde aber dennoch wiederholt auf brutale Art und Weise verhört. Erst nachdem sein Vater ihm geistige Minderbemittlung attestiert hatte – was schon aufgrund der Facharbeiterausbildung des Sohnes nicht hätte sein können –, gaben die Schergen Ruhe.

Daten von 25 Heiligenhauser Juden

Noch viel schlimmer erging es den Juden aus Heiligenhaus, die während der NS-Zeit getötet wurden und deren Leidensgeschichten ebenfalls in dem Buch beschrieben werden. Für sie gibt es in Heiligenhaus bislang vier sogenannte Stolpersteine, die an ihre Ermordung erinnern (ein fünfter Stolperstein in der Stadt gedenkt dem früheren KPD-Mitglied Franz Frerich). Für Rainer Köster müssten es allerdings viel mehr Stolpersteine sein, wie er schildert: „In meinem Buch finden sich beispielsweise Daten von 25 Juden aus der Stadt, die Opfer des Nazi-Regimes geworden sind.“ Köster stützt sich dabei auch auf die Recherchen des Langenberger Pfarrers Frank Overhoff und weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass zumeist keine regelrechten Biografien der Verfolgten in dem Buch zu lesen seien – „sondern das, was etwa die vorhandenen Gestapo-Akten hervorgegeben haben“.

Mit der ethnischen oder politischen Verfolgung von Menschen in dem NS-Regime beschäftigt sich Rainer Köster bereits seit den 1970er Jahren und hat dazu auch schon Vorträge und Seminare – etwa bei der Volkshochschule – gehalten. Mittlerweile habe er die Daten von gut 1500 NS-Opfern aus dem Kreisgebiet gesammelt, sagt er.

Auch eine Mahnung gegen extremistische Tendenzen

Der Veröffentlichungstermin des Buches am 2. Mai ist übrigens nicht zufällig gewählt, denn an diesem Datum im Jahr 1933 wurden im Dritten Reich die Gewerkschaften zerschlagen. Unter den Gewerkschaftern fanden sich auch viele Oppositionelle, die den Nazis die Stirn boten – und dafür verfolgt wurden.

Für den Kreistagspolitiker Köster ist das Buch als Mahnung gegen die NS-Diktatur und die Verfolgung von Anderdenkenden sehr wichtig und auch aktuell, da in der heutigen Zeit der Rechtsextremismus auf dem Vormarsch sei. „In unserer Gesellschaft“, sagt er, „kann wieder ungestraft der Hitlergruß gezeigt werden, wie man unter anderem letztes Jahr bei den Vorfällen in Chemnitz gesehen hat.“ Diesen Tendenzen müsse Einhalt geboten werden.

>>AUTOR WILL NICHT AN DEM BUCH VERDIENEN

  • Das Buch „Ewig kann’s nicht Winter sein... Widerstand und Verfolgung in Heiligenhaus von 1933 bis 1945“ von Rainer Köster erscheint im Selbstverlag mit Unterstützung der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“. Der Preis soll bei 12 bis 13 Euro liegen, damit es „für alle bezahlbar bleibt“, so Köster. Verdienen wolle er nicht daran.


  • Rainer Köster weist auch darauf hin, dass er gerne als Referent zum Thema „Verfolgung in der NS-Zeit“ beispielsweise an Schulen zur Verfügung steht.
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