Judenverfolgung

Ausstellung zeigt Schrecken der Pogromnacht in Heiligenhaus

Silke Eisenblätter, Ruth Ortlinghaus und Pfarrerin Kirsten Düsterhöft (von links) freuen sich auf viele Besucher der Ausstellung.

Silke Eisenblätter, Ruth Ortlinghaus und Pfarrerin Kirsten Düsterhöft (von links) freuen sich auf viele Besucher der Ausstellung.

Foto: Alexandra Roth

Heiligenhaus.   Auch in Heiligenhaus wurden am 9. November 1938 jüdische Mitbürger verfolgt. Kultureller Abend macht auf die Schicksale der Opfer aufmerksam.

Unfassbare Gräueltaten mussten Juden in Deutschland vor fast genau 80 Jahren erleiden. In vielen Städten wurden in der Nacht vom 9. auf den 10. November insgesamt mehr als 1000 Synagogen zerstört und etliche Menschen ermordet. Auch in Heiligenhaus fielen jüdische Mitbürger der Pogromnacht zum Opfer. „24 Menschen jüdischen Glaubens lebten damals in Heiligenhaus. Auch hier gab es Todesopfer zu beklagen“, berichtet Ruth Ortlinghaus, Sprecherin des Stadtmarketing-Arbeitskreises Kultur.

Wohnungen und Geschäfte wurden verwüstet

Zum 80. Jahrestag der Pogromnacht laden die evangelische Gemeinde und der Stadtmarketing-Arbeitskreis Kultur am kommenden Freitag, 9. November, von 19 bis 22 Uhr zur (kostenlosen) Nacht der Erinnerung ein. In der Alten Kirche und im Haus der Kirche (Hauptstraße 206) wird es Lieder, Texte und Musik zu dem Thema geben. „Wir haben das Glück, dass wir Überlebende der Pogromnacht haben“, so Ruth Ortlinghaus.

Gemeint sind Helene, Klaus und Luise Jacobs, die als Kinder in einem holländischen Kloster die NS-Zeit überlebten. Luise Jacobs übergab Ruth Ortlinghaus Jahrzehnte später Dokumente, die nun auch für die Ausstellung genutzt wurden. Tafeln im Haus der Kirche informieren über das Leben der Heiligenhauser Juden. Neben der Familie Jacobs beispielsweise auch über Karl und Rosa Aron, deren Geschäft zerstört wurde und die Tage später aneinander gefesselt ertrunken in der Ruhr gefunden wurden. Die Ausstellung setzt diese Schicksale auch in den Kontext zum Leben der Juden im gesamten Deutschen Reich.

Erinnerungslichter für die Verstorbenen

„Die Besucher werden im Haus der Kirche mit Klezmer-Musik empfangen, dann gibt es eine Einführung zum jüdischen Leben in Heiligenhaus“, so Ruth Ortlinghaus. Um 20 Uhr geht es dann in der Alten Kirche weiter. Düsterhöft: „Die Konfirmanden werden die Namen aller Opfer vorlesen und Erinnerungslichter anzünden.“

Musikalisch wird der Gospelchor Singing People unterstützen. Es werden zudem Teile eines Interviews mit Luise Jacobs nachgestellt und auch hoffnungsvolle Texte vorgetragen. Anschließend wird der Dokumentarfilm „Heil Heiligenhaus“ gezeigt, der die Geschehnisse der damaligen Zeit aufarbeitet.

Das Thema ist auch heute noch aktuell

Wie wichtig es auch heutzutage sei, auf das Thema aufmerksam zu machen, erklärt Pfarrerin Kirsten Düsterhöft. Sie beschäftigt sich jedes Jahr mit ihren Konfirmanden mit der Pogromnacht. Unter anderem werden die Stolpersteine geputzt, die an jüdisches Leben in der Stadt erinnern, und man schaut „Heil Heiligenhaus“. Düsterhöft: „Viele junge Leute wissen heute nicht viel über die damalige Zeit.“ Nach dem Film herrsche oft große Betroffenheit, auch darüber, wie sich das gesellschaftliche Klima damals so schnell ändern konnte. „Parallelen zu Ereignissen in Chemnitz vor einigen Wochen kommen da automatisch auf“, so Düsterhöft.

Umso wichtiger also, dass viele Menschen sich die Ausstellung ansehen (siehe Kommentar). Nach dem 9. November kann sie bis zum 18. November, am Montag und Freitag von 18 bis 19 Uhr besichtigt werden. Schulen können auch eigene Termine mit Ruth Ortlinghaus
( 02056/ 68246) vereinbaren.

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