Geburt

Zwischen Heultag oder Wochenbett-Depression unterscheiden

Christiane Thelen von der Hebammenpraxis Luna in Hattingen spricht über Babyblues und Wochenbett-Depression.

Christiane Thelen von der Hebammenpraxis Luna in Hattingen spricht über Babyblues und Wochenbett-Depression.

Foto: Walter Fischer / Funke Foto Services GmbH

Hattingen.  Christiane Thelen ist Hebamme in Hattingen. Sie erklärt, warum der Babyblues nicht ungewöhnlich ist, eine Wochenbett-Depression aber gefährlich.

Christiane Thelen ist Hebamme der Praxis Luna in Hattingen. Schon mehr als zwei Jahrzehnte unterstützt sie werdende Mütter und Väter. Im Interview mit Lydia Heuser spricht Christiane Thelen darüber, dass die ersten Tage mit Babyblues nicht ungewöhnlich sind und über die Gefahr einer Wochenbett-Depression.

Sind Babyblues und Wochenbett-Depression zwei unterschiedliche Begriffe für dasselbe Phänomen?

Christiane Thelen: Ganz klar: Nein. Der Babyblues oder der umgangssprachlich genannte „Heultag“ betrifft 98 Prozent der Wöchnerinnen. Es ist ganz normal, dass durch die Hormone die Tränen rollen und man sich mit seiner neuen Rolle zunächst überfordert fühlt. Deshalb empfehlen wir werdenden Eltern die ersten zwei, drei Tage nach der Geburt keinen Besuch zu empfangen und das den Angehörigen schon frühzeitig zu kommunizieren. So kommt Ruhe in die Situation.

Was macht im Unterschied dazu die Wochenbett-Depression aus?

Die Wochenbett-Depression muss man davon deutlich abgrenzen. Dabei handelt es sich um eine handfeste psychische Erkrankung. In meiner Berufslaufbahn habe ich zwei Mal mitbekommen, dass eine Mutter daran erkrankt ist. Im Gegensatz zum Babyblues ist die Depression gefährlich und kann im Selbstmord enden. Oft kommen die Mütter um einen Klinikaufenthalt nicht herum.

Wie erkennt man den Unterschied?

Für Laien ist es nicht möglich den Unterschied zu sehen. Wir als Hebammen sind die erste fachliche Hilfe, die Stimmungsschwankungen professionell einschätzen können. Ich kenne die Mütter meist schon vor der Geburt. Was viele nicht wissen: Müttern steht schon während der Schwangerschaft eine Betreuung durch Gynäkologe und Hebamme zu. Ärzte sind zu weit weg, um bei Frauen solche psychischen Veränderungen erkennen zu können. Wenn ich merke, da stimmt was nicht, dann hole ich auch den Partner mit ins Boot und spreche meine Sorgen offen an.

Sprechen Sie mit den Eltern über das Thema?

Schon beim Erstgespräch spreche ich mit den werdenden Eltern offen über mögliche psychische Vorerkrankungen in der Familie oder bei der Schwangeren selbst. Ich tabuisiere das Thema nicht. Auch auf den Babyblues bereite ich die Eltern vor. Viele glauben jedoch, dass das Dinge sind, die ihnen nicht passieren werden.

Wie sollten sich werdende Eltern vorbereiten?

Ich wünsche mir, dass Paare das Thema ernster nehmen und ihre Familien darauf vorbereiten. Schnell kommt es bei Wöchnerinnen zur Überforderung: Sie wollen eine gute Mutter sein, werden aber durch ihre Gefühle übermannt. Das führt dann zu einem schlechten Gewissen und der Angst, nicht richtig für das Baby sorgen zu können – ein Teufelskreis. Für viele Paare ist es hilfreich zu wissen, dass sie Hebammen 24 Stunden sieben Tage die Woche erreichen können. Das nimmt den Druck raus.

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