Aids-Beratung

Zahl der HIV-Tests im Ennepe-Ruhr-Kreis hat sich verdoppelt

Seit 2007 betreibt die Aids-Initiative EN den Kondom- und Spritzenautomaten am Parkplatz hinter dem Rathaus. Zuletzt wurde er deutlich weniger genutzt. Dennoch soll das Angebot erhalten bleiben.

Foto: Walter Fischer

Seit 2007 betreibt die Aids-Initiative EN den Kondom- und Spritzenautomaten am Parkplatz hinter dem Rathaus. Zuletzt wurde er deutlich weniger genutzt. Dennoch soll das Angebot erhalten bleiben. Foto: Walter Fischer

Hattingen/EN-Kreis.   Die Aids-Initiative EN beobachtet weniger Bewusstsein für Aids bei jungen Menschen. Dagegen steigt beim Kreis die Nachfrage nach Tests.

Der Spritzen- und Kondomautomat der Aids-Initiative EN wurde 2017 deutlich weniger genutzt als zuvor. Insgesamt beobachten die Berater der Initiative, dass das Bewusstsein für die Gefahren von Aids nachgelassen hat. Die Beratungsstelle des Kreises verzeichnet dagegen eine Verdopplung der Anfragen nach Tests auf die Immunkrankheit.

Um 28 Prozent ist die Nachfrage nach Einmalspritzen an dem Automaten der Aids-Hilfe am Parkplatz hinter dem Rathaus, nahe der Friedhofsmauer, zurückgegangen. 116 Spritzen, die eine Infektion Drogen­abhängiger durch verschmutzte Nadeln verhindern sollen, wurden hier gezogen. Auch die Suchthilfe der Caritas an der Heggerstraße meldet einen Rückgang, wenn auch nicht so gravierend, beim Tausch alter gegen neue Spritzen. Etwa 3000 bis 3500 seien es pro Jahr.

Alle Fragen zu HIV werden beantwortet

Wichtig seien die Angebote aber weiterhin, betont Ralf Terjung aus dem Vorstand der Aids-Initiative. „Sie werden noch genutzt, also bleiben sie“, sagt er. Denn der Automat, der auch Kondome und Pflegesets enthält, sei niedrigschwellig, anonym und Tag und Nacht nutzbar.

Anonymität sichern die Aids-Beratungsstellen – egal, ob ehrenamtlich oder hauptamtlich vom Kreis – ihren Klienten zu. Und sie beantworten alle Fragen. Auch wenn jemand fürchtet, er habe sich beim Küssen mit HIV infiziert. Dass solche Fragen frustrierend waren, gibt Ralf Terjung zu, sagt aber: „Dieser Mensch kommt mit Angst und die Frage ist lebenswichtig für ihn. Natürlich nehmen wir ihn da ernst.“

Das HI-Virus kann über Blut und beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Das Bewusstsein für die tödliche Krankheit habe aber wieder stark nachgelassen, beobachtet Terjung. 18-, 19-, 20-Jährige lebten oft nach dem gefährlichen Motto: „Bisher ist nichts passiert, dann wird auch weiter nichts passieren.“ Deshalb versuche die Initi­ative besonders auch in Schulen Angebote zu machen und aufzuklären – nicht nur im Biologie-Unterricht.

Schnelltest und klassischer Labortest

Von einer enormen Zunahme des Interesses berichtet dagegen Claudia Schonheim, Aids-Beraterin des Kreises. Vor allem Schnelltests seien gefragt. Dabei liegt ein Ergebnis nach 30 Minuten vor. Aussagekräftig ist der Test erst zwölf Wochen nach einer möglichen Ansteckung. Schon sechs Wochen früher liefert der Labortest Ergebnisse, der allerdings zwei bis vier Tage braucht.

„Dieses Jahr gab es doppelt so viele Anfragen wie in der gleichen Zeit 2017, etwa 80“, sagt Schonheim. Verstärkt Menschen bis 25 Jahre ließen sich testen, wobei auch andere sexuell übertragbare Krankheiten geprüft werden. Viele machen den Test, bevor sie eine Partnerschaft eingingen, freut sich Schonheim. Der Test ist kostenlos und anonym.

>>> INFO: Beratungen bei der Aids-Initiative und beim Kreis

  • Beratung der Aids-Inititative: Montag/ Mittwoch 17-19 Uhr und Freitag 18-20 Uhr: 02332/ 555392 und nach Vereinbarung.
  • Beratung und Tests beim Kreis: Montag bis Donnerstag nach Vereinbarung (02302/ 922278, E-Mail: c.schonheim@en-kreis.de) oder ohne Anmeldung Dienstag 14-15.30 Uhr am Schwanenmarkt 5-7 in Witten.
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