Mein Advent

Wieso der Hattinger Nikolaus ohne Knecht Ruprecht kommt

Karl Dimmers hat im goldenen Buch nichts Schlechtes über die Kinder stehen. Er möchte ihnen die Adventszeit als traditioneller Nikolaus mit viel Lob und lieben Worten versüßen.

Foto: Volker Speckenwirth

Karl Dimmers hat im goldenen Buch nichts Schlechtes über die Kinder stehen. Er möchte ihnen die Adventszeit als traditioneller Nikolaus mit viel Lob und lieben Worten versüßen. Foto: Volker Speckenwirth

Hattingen.   Seit fast 20 Jahren gibt Karl Dimmers den Nikolaus. Sein Verhältnis zum Mann im Mantel war nicht gut. Daher lobt er Kinder immer nur.

In Karl Dimmers Haus prasselt der Kamin. Es ist mollig warm im Wohnzimmer. Zu warm für einen schweren Nikolausmantel. So langsam stehen dem 76-Jährigen die Schweißperlen auf der Stirn. In den Räumen, in denen er sonst als Nikolaus den Kindern Gaben bringt, ist es deutlich kühler. Seit fast 20 Jahren schlüpft er nun schon in die Rolle des Heiligen und besucht in der Adventszeit Schulen, Kindergärten sowie Sportvereine. Knecht Ruprecht schickt er vor den Terminen allerdings in den Urlaub.

„Ich habe als Kind eigentlich eine schlechte Erfahrung mit dem Nikolaus gemacht“, erinnert sich Karl Dimmers. Damals wurden sein Freund und er auf die Bühne gerufen und vor versammelter Mannschaft vom Herrn im Mantel angeschwärzt. Die Rute von Knecht Ruprecht kam zum Einsatz und die schönen Erinnerungen an diesen Moment waren wie weggefegt. „Deshalb habe ich selbst als Nikolaus keinen Ruprecht dabei. Ich möchte den Kindern ein gutes Gefühl vermitteln und sage nie etwas Negatives.“

Traditioneller Nikolaus mit Mitra

Jeder Steppkes, der sich in die Schlange vor Dimmers stellt, wird gelobt. Damit den Kindern trotz der lieben Worte nicht das Lächeln vergeht, verzichtet der 76-Jährige außerdem auf zu viel Maskerade. „Mit Verkleidung oder Schminke im Gesicht können die Kinder die Mimik ihres Gegenübers nicht mehr erkennen. Sie bekommen Angst“, weiß er. Auf den roten Mantel und die traditionelle Mitra verzichtet Dimmers jedoch nicht. Manche Schulen und Kindergärten in Blankenstein legen sogar Wert auf den traditionellen Auftritt mit Bischofshut.

Eine Momentaufnahme für Kinder

Mehr als zehn Mal spielt Dimmers in diesem Jahr den Nikolaus. Ehrenamtlich versteht sich – so wie bei vielen anderen Gelegenheiten in seinem Leben. Bekannt wurde der ehemalige Deutsch- und Sportlehrer nämlich nicht mit Mitra, sondern mit Clownsnase. „Manchmal ist es sogar so, dass die Kinder mich selbst im Nikolaus-Kostüm als Clown erkennen.“

In seiner Rolle als Charly besucht er kleine und große Patienten in Reha-Kliniken sowie Bewohner von Seniorenheimen. „Es entsteht immer eine Verbindung. Sind die Menschen glücklich, gibt mir das dann etwas zurück“, beschreibt er. So ähnlich ginge es ihm auch als Nikolaus, obwohl es für viele Kinder nur eine kurze Momentaufnahme in der Vorweihnachtszeit sei. „Eines wollen sie aber alle – dem Nikolaus die Hand schütteln. Viele denken, sie müssten sich gut mit ihm stellen.“

Im Advent wird viel gelesen

Bei seinen eigenen Kindern und Enkelkindern kann er das Kostüm aus lassen. Die sind mittlerweile aus dem Alter raus. Aber früher freuten auch sie sich über den Papa oder Opa im Gewand.

Gemeinsam mit seiner Frau nutzt Dimmers die freien Abende, um es sich zu Hause gemütlich zu machen. „In der Adventszeit lesen wir viel. Außerdem wird das Haus ein bisschen geschmückt“, erzählt er. So richtig zur Ruhe kommen kann er aber nicht – „ich muss einfach immer in Bewegung sein“.

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