Gleichberechtigung

Wie in Hattingen mit Gendersprache umgegangen wird

Bei Stellenanzeigen ist es mittlerweile selbstverständlich geworden, dass man die weibliche und die männliche Form bei Berufen nennt.

Bei Stellenanzeigen ist es mittlerweile selbstverständlich geworden, dass man die weibliche und die männliche Form bei Berufen nennt.

Hattingen.   Wie suchen Firmen nach Beschäftigten? Und welche Regeln gibt es bei der Stadt Hattingen zur geschlechtergerechten Sprache? Wir haben nachgefragt.

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Über geschlechtergerechte Sprache wird viel diskutiert und sie treibt mitunter Stilblüten. Da wird der Lesefluss schon mal empfindlich gestört, wenn plötzlich Großbuchstaben, Sternchen und Unterstriche innerhalb von Wörtern auftauchen. Mitarbeiter_innen, Mitarbeiter*innen, MitarbeiterInnen oder Mitarbeiter/-innen. Wie schreibt man es richtig? Und wie halten es Hattinger Unternehmen und städtische Einrichtungen mit der geschlechtergerechten Sprache?

„Wir sind motiviert, darauf zu achten“, sagt Armin Kolberg, Geschäftsführer von Fliegende Bauten. „Wir haben zwar keinen Leitfaden wie manch großes Unternehmen, aber wir versuchen auch die weiblichen Mitarbeiterinnen und Kunden explizit anzusprechen.“

Gesetz macht Vorgaben für öffentliche Einrichtungen

Öffentliche Einrichtungen sind schon aufgrund des Landesgleichstellungsgesetzes sensibilisiert für die weibliche Nennung von Personenbezeichnungen. Unter Paragraf vier werden die Dienststellen und öffentlichen Einrichtungen aufgefordert, in der internen und externen Kommunikation die Gleichbehandlung von Frauen und Männern zu berücksichtigen. „In Vordrucken sind geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen zu verwenden. Sofern diese nicht gefunden werden können, sind die weibliche und die männlich Sprachform zu verwenden“, heißt es im Gesetzestext.

Der Verband für Flächenrecycling und Altlastensanierung (AAV) in Hattingen richtet sich als Körperschaft des öffentlichen Rechts ebenfalls nach dem Gesetz. „Als sondergesetzlicher Verband achten wir darauf“, erklärt Sabine Schidlowski-Boos, sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliederinformation des AAV verantwortlich. So werden in der Satzung ausdrücklich „Geschäftsführerin und Geschäftsführer“ genannt sowie „eine Delegierte und ein Delegierter“ angesprochen.

Auch die Stadtverwaltung richtet sich nach den gesetzlichen Vorgaben. „Wir achten sehr darauf“, erklärt die Gleichstellungsbeauftragte Erika Beverungen-Gojdka. Teilweise sei es ungewohnt für die Beschäftigten der Stadt, eine geschlechtergerechte Sprache zu verwenden. Deshalb habe Beverungen-Gojdka Empfehlungen zum Thema im Intranet bereitgestellt. Bei der Wahl der passenden Bezeichnung komme es immer auf den Kontext an. „Die Frage ist, welche Lösung handhabbar ist.“

Gleicher Verdienst wichtiger als Sprache

In Stellenangeboten, die in der Regel nicht vorgelesen werden, reiche ein eingeschobenes i für die weibliche Form oder das -innen am Ende der Berufsbezeichnung. In der vorgetragenen Rede sind diese Ausdrucksweisen eher unpraktisch, in diesem Fall sollten weibliche und männliche Form komplett genannt werden.

Peter Blome vom Einzelhandelsverband Hattingen findet es selbstverständlich, dass Männer und Frauen gleich behandelt werden und der Verdienst bei gleicher Tätigkeit identisch ist. Deshalb aber immer die weibliche und männliche Form zu nennen, hält er für übertrieben. „Wenn Politiker von Bürgern sprechen, ist es doch klar, dass dann auch Frauen gemeint sind.“ Bei Stellenanzeigen sei es aber mittlerweile selbstverständlich, dass man die weibliche und die männliche Form nennt.

>>> INFO: Gegenwind für die, die Thema lächerlich finden

  • Verdi-Gewerkschafter Hans-Georg Harms begegnen öfter Leute, die den Sinn der Gender-Sprachregelung nicht verstehen. „In meinen Seminaren gebe ich Leuten, die das ins Lächerliche ziehen, Gegenwind.“
  • Innerhalb der Gewerkschaft herrsche schon lange eine informelle Sprachregelung, dort sei das Thema nicht mehr so groß.
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