Geschichte

Wie Hattinger Schüler aus dem Ersten Weltkrieg lernen

Erläuterten das Projekt zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg (v. l.). Martin Klingender von der Organisation Demokratie leben sowie die Gesantschullehrer Armin Wollnitza, Veysel Hezer und Corinna Brand. Foto:Bastian Haumann

Erläuterten das Projekt zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg (v. l.). Martin Klingender von der Organisation Demokratie leben sowie die Gesantschullehrer Armin Wollnitza, Veysel Hezer und Corinna Brand. Foto:Bastian Haumann

Hattingen.   In Westflandern sammeln Gesamtschüler Eindrücke über den Ersten Weltkrieg. Ein Schlachtfeld erinnert dort auch an 70 gefallene Hattinger.

Ein paar Bäume stehen am Straßenrand, im Hintergrund sind mehrere Häuser zu erkennen auf dem erinnerungsträchtigen Foto, das Gesamtschullehrer Veysel Hezer in Händen hält. Denn die Aufnahme von einer unscheinbaren Landstraße in Westflandern zeigt einen Ort, an dem im Ersten Weltkrieg (1914-18) tausende Soldaten im Stellungskampf um wenige Quadratmeter Raum ihr Leben ließen. Allein am 10. November 1914 fielen 70 Hattinger binnen 30 Minuten auf jenem Schlachtfeld bei Poelkapelle. Dorthin nun werden zwölf Schüler der Gesamtschule im November reisen – ein Gedenk- und Friedensprojekt 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges.

Im Gefecht ihr Leben verloren

Es sei kein Fall bekannt, wo an einem Tag so viele Hattinger in einem Gefecht ihr Leben verloren, sagt Veysel Hezer, das hätten Recherchen der Schüler in Zusammenarbeit mit Stadtarchivar Thomas Weiß ergeben. Bereits seit Monaten beschäftigt sich der Q2-Geschichtskursus mit diesem Thema, bei einer Veranstaltung im Januar in Kooperation mit dem Stadtarchiv, der britischen Organisation „Never Such Innocence“ und dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge zeigten sie Fotos von begeistert in den Krieg ziehenden Soldaten, zitierten Zeitungsartikel, die die Kriegsbegeisterung der Menschen damals offenbarten, lasen einige Namen mit Alter und Stadtteil vor von den Hattinger Soldaten, die an jenem 14. November 1914 bei Poelkapelle fielen.

Wertvolle Erfahrungen und Eindrücke vermitteln

Die Studienfahrt vom 9. bis zum 12. November nach Westflandern nun solle den Schülern „Erfahrungen und Eindrücke vermitteln, die weder die Lektüre von Texten noch Vorträge von Lehrern vermitteln können“, betont Veysel Hezer, der das Projekt an der Gesamtschule federführend betreut. Mit Kollegin Corinna Brand, Stadtarchivar Weiß sowie Martin Klingender von der Organisation „Demokratie leben“ wird er die Schüler auf der Fahrt begleiten. Im flämisch-belgischen Ypern nahe Poelkapelle werden sie auch an einer Gedenkfeier teilnehmen sowie den Soldatenfriedhof Langemark besuchen.

Aktuell, sagt Hezer, beschäftigen sich die Schüler mit den Biografien der gefallenen Hattinger Soldaten. Er selbst hat zum Thema zudem ein Gedicht geschrieben, Kunstlehrer Armin Wollnitza dazu eine beeindruckende Zeichnung gefertigt. Hezer will in Ypern beides den Organisatoren der Gedenkfeier überreichen. Das gesamte Friedensprojekt, sagt er, „ist unser Beitrag, aus der schrecklichen Kriegsvergangenheit zu lernen und unseren Beitrag zum Zusammenwachsen Europas zu leisten“.

>>> INFO: Erinnerungsarbeit als Friedensprojekt

  • Die Organisation „Never Such Innocence“ will das Erinnern an den Ersten Weltkrieg (1914-1918) bei jungen Menschen wach halten, um so den Frieden zu stärken.
  • Im Januar besuchte die Gründerin, Lady Lucy French, die Hattinger Gesamtschule. Der Kontakt zu „Never Such Innocence“ entstand über den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Der Verein arbeitet seit vier Jahren mit der Schule bei solchen Projekten zusammen.

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