Geschichtsprojekt

Wie Hattinger Gesamtschüler Stadtgeschichte sichtbar machen

Sie haben die Legendenschilder zu Straßennamen im Rauendahl mit 18 weiteren Mitschülern entworfen (unten v. li.): Kai Vincente, Alma Bytyci, Mary Berhane (alle 20), Kewin Bilgen (19), außerdem (hinten v. li.) Aleksander Mertens (19), Klara Klingender (18), Merve Yildiztekin (18) und Tom Neick (19).

Foto: Fischer

Sie haben die Legendenschilder zu Straßennamen im Rauendahl mit 18 weiteren Mitschülern entworfen (unten v. li.): Kai Vincente, Alma Bytyci, Mary Berhane (alle 20), Kewin Bilgen (19), außerdem (hinten v. li.) Aleksander Mertens (19), Klara Klingender (18), Merve Yildiztekin (18) und Tom Neick (19). Foto: Fischer

Hattingen.   Gesamtschüler haben Legendenschilder zu Straßennamen im Rauendahl entworfen – als Erinnerungsorte für Flucht und Vertreibung nach 1945

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Seit 15 Jahren wohnt Aleksander Mertens (19) nun schon im Rauendahl. Doch dass dieser Ortsteil in den 1950er-Jahren entstanden ist, als für Flüchtlinge und Vertriebene Wohnraum geschaffen werden musste, hat selbst er noch vor kurzem nicht gewusst. Erst im Geschichtskurs von Lehrer Veysel Hezer haben sich Mertens und 25 weitere Gesamtschüler intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Dabei sind sechs Legendenschilder zu Straßennamen im Rauendahl entstanden – als Lern- und Erinnerungsorte für Flucht und Vertreibung nach 1945.

Die Projektarbeit ist die Weiterführung der im vergangenen Jahr begonnenen Erinnerungsarbeit der Oberstufenschüler (Q2) zu diesem historisch-politischen Thema.

Damals hatte Veysel Hezer vier Zeitzeugen an die Gesamtschule geladen, die bei einer Podiumsdiskussion persönliche Erfahrungen anlässlich einer Wanderausstellung des Volksbundes zum Thema „Geflohen, vertrieben – angekommen?!“ wiedergaben. Seine Schüler hatten die Stellwände des Volksbundes zudem um Informationen zu Flüchtlingen in Hattingen ergänzt. Und ein Mitschüler aus Syrien schilderte eindrücklich die Flucht aus seiner Heimat.

Hochaktuelles Thema

Flucht und Vertreibung sei „ein hochaktuelles Thema“, sagt Kai Vincente (20). Umso besser finde er es, „dass wir das als Unterrichtsthema haben“. Noch dazu mit diesem lokalen Bezug. Womöglich nie hätten er und seine Mitschüler sonst erfahren, dass bis 1962 fast 10 00 Vertrieben in Hattingen aufgenommen wurden, dass die Neu-Hattinger größtenteils aus Ost- und Westpreußen, Schlesien, Pommern und der DDR stammten. Und dass Straßennamen wie die Königsberger oder Berliner Straße an die alte Heimat erinnern; und dauerhaft zeugen von den Flüchtlingsschicksalen der Vertriebenen.

Dass diese Geschichte inzwischen nicht nur ihnen, sondern sehr vielen Hattingern gar nicht mehr bekannt ist, haben die Gesamtschüler unter anderem beim Gang durch das Rauendahl erfahren; für umso wichtiger finden sie es, dass ihre Legendenschilder unter sechs symbolisch ausgewählten Straßenschildern angebracht werden.

Aus der Geschichte lernen

Mit ihren aufeinander Bezug nehmenden Texten für die Weimarer, Jenaer, Stettiner, Königsberger, Breslauer und Berliner Straße erinnern sie dabei an die Geschichte von Flucht und Vertreibung nach 1945. In Europa. In Hattingen. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema, heißt es dabei im letzten Beitrag, „bestärkt uns in der Überzeugung, aus der Geschichte zu lernen und an einer friedlichen Gesellschaft mitzuwirken.“ Und sie habe sie alle sensibilisiert für tragische menschliche Schicksale.

Die Stadt Hattingen, sagt Veysel Hezer, habe einer Anbringung der Legenschilder im Rauendahl grundsätzlich bereits zugestimmt. Am morgigen Freitag habe er einen Termin bei Baudezernent Jens Hendrix, um Details zu klären.

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