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Wie der „Blaue Planet“ Karrieren mitbestimmte

„Der blaue Planet“ am Gymnasium Holthausen war vor 20 Jahren ein voller Erfolg. Noch heute erinnern sich die Beteiligten gern zurück.

„Der blaue Planet“ am Gymnasium Holthausen war vor 20 Jahren ein voller Erfolg. Noch heute erinnern sich die Beteiligten gern zurück.

Foto: Walter Fischer

Hattingen.   Das Musical, geschrieben und inszeniert von Schülern des Gymnasiums Holthausen, hat viele Teilnehmer geprägt – wie Theater-Intendant Ingmar Otto

„Der blaue Planet“: Spricht man die Beteiligten selbst heute nach 20 Jahren auf das Schülermusical am Gymnasium Holthausen an, geraten sie ins Schwärmen. Die eigens komponierte und geschriebene Inszenierung hat sich ins Gedächtnis eingebrannt – sogar bei jemanden wie Ingmar Otto, für den heute als Intendant des Kammertheaters Karlsruhe Inszenierungen zum alltäglichen Geschäft gehören.

„Es gab keinen Anlass, kein Jubiläum“, schildert Otto. Lediglich die fixe Idee seines Mitschülers Dennis Skrobel, ein Musical zu schreiben und es in der Schule auf die Bühne zu bringen. Also griff Skrobel rund ein Jahr vor der Premiere zum Stift. Und erschuf die Geschichte der Bewohner des Planeten Mork. Diese leben in einem monotonem System, genannt „Polyphagie“. Das lässt sie ständig Abfall produzieren und beseitigen. Also suchen sie im All nach einem Ort, der mehr Glück verspricht und machen sich auf zum „blauen Planeten“, der Erde.

Inszenierung mit großem Aufwand

Musiklehrer Wolf Dieter Schäfer komponierte, Ingmar Otto inszenierte, Hauptschul-Lehrerin Claudia Roth entwickelte die Choreographie. Insgesamt waren mehr als 50 Schüler und Lehrer am Projekt beteiligt. „Wir waren jung und naiv“, sagt Ingmar Otto schmunzelnd. „Wir haben den Umfang gar nicht umrissen, als Schüler hat man kein Bild davon“, gesteht der Fachmann.

Die Licht- und Tontechnik musste angemietet werden – enorme Kosten entstanden. „Wir sind einfach frohen Mutes ran an die Sache.“

„Die Schulleitung hat das Projekt zum Glück sehr intensiv begleitet“, betont der ehemalige Lehrer Werner Krüsmann. „Ohne diese Zustimmung hätte das nicht geklappt.“ So kam es, dass „Der blaue Planet“ für die Schüler den Startschuss für noch viel mehr Kultur am Gymnasium gab. Das Nachfolgestück „Linie 1“ führten die Beteiligten sogar im Wittener Saalbau auf.

Schüler erfinden DSL

„Der Blaue Planet war für mich beruflich schon prägend“, gesteht Ingmar Otto. „Es hat in mir den Wunsch reifen lassen, ans Theater zu gehen und Schauspieler zu werden.“ Ein Hauptdarsteller habe lange Zeit als professioneller Musiker gearbeitet. „Holthausen war musisch prägend, viele sind nach der Schule in den kreativen Bereich gegangen.“ An eines erinnert sich Ingmar Otto besonders: Etwas, das man am Stück als Prophezeiung sehen könne. Auf dem Planeten Mork habe es eine absurde Maschinerie gegeben, der die Schüler den Namen DSL gaben – umgedreht für LSD. „Als später durch das Internet die DSL-Verbindungen aufkamen, da musste ich schon lachen.“

>>>Seit 2012 am Kammertheater Karlsruhe

Ingmar Otto machte im Jahr 2000 sein Abitur am Gymnasium Holthausen. Nach Stationen am Essener Grillo-Theater und dem Theater der Stadt Aalen arbeitet er seit 2012 als Intendant am Kammertheater Karlsruhe.

Für seine Heimat inszenierte er 2012 im LWL-Industriemuseum Henrichshütte Carl Orffs „Carmina Burana“.

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