Bergbau

Weg der Kohle von der Hattinger Ruhr zur Lippe

Machen Geschichte erlebbar: Reiner Jacob (links) und Josef Katzer vom der VHS-Arbeitsgemeinschaft „Geschichte des Bergbaus im Hattinger Raum“. präsentieren den neuen Band „Der Gahlensche Kohlenweg“.

Machen Geschichte erlebbar: Reiner Jacob (links) und Josef Katzer vom der VHS-Arbeitsgemeinschaft „Geschichte des Bergbaus im Hattinger Raum“. präsentieren den neuen Band „Der Gahlensche Kohlenweg“.

Foto: Fischer

Hattingen.  VHS-Arbeitsgemeinschaft legt neuen Band zur Geschichte des Bergbaus vor. Es geht um den Blankensteiner Johann Müser und einen neuen Transportweg.

Wer kennt eigentlich Johann Wilhelm Müser? Nun: Der 1725 geborene Blankensteiner Lehrer und Organist, der im 18. Jahrhundert auch an mehr als einem halben Dutzend Zechen beteiligt war, gilt als Initiator des „Gahlenschen Kohlenweges“, einem Kohlentransportweg vom Gericht Stiepel bei Hattingen an der Ruhr bis nach Gahlen an der Lippe, den er direkt nach dem Siebenjährigen Krieg 1763 zu planen begann. So steht es im neuesten Werk der Hattinger VHS-Arbeitsgemeinschaft „Geschichte des Bergbaus im Hattinger Raum“.

Auf mehr als 100 Seiten beschäftigt sich der soeben erschienene Band der AG unter Leitung des Bochumers Walter E. Gantenberg mit jener historischen Straßenverbindung, die als die erste von der Ruhr zur Lippe gilt. Eine solche durchgehende Süd-Nord-Strecke wurde Mitte des 18. Jahrhunderts wichtig, weil sich wegen des damaligen Brennstoffmangels im preußischen Herzogtum Cleve und am Niederrhein ein neues Absatzgebiet für Steinkohlen aus dem Ruhrgebiet ergab, die Ruhr allerdings noch nicht überall schiffbar war.

Öffentliches Transportunternehmen

So entstand die erste durchgehende Straßenverbindung von der Ruhr zur Lippe über Herne-Eickel, Crange, Gelsenkirchen-Buer und Dorsten – als ein privat angestoßenes, aber öffentliches Transportunternehmen für die Ruhrkohle.

Der Kohlentransport wurde 1766 vertraglich Johann Wilhelm Müser als Generalunternehmer übertragen. An den Kölner Statthalter des Vestes Recklinghausen zu zahlende Wegegelder allerdings erhöhten dessen Transportkosten. Ebenso wie die hohen Betriebskosten infolge teurer Reparaturen für zerbrochene Fahrzeuge aufgrund des sich schon bald verschlechternden Zustandes der etwa 40 Kilometer langen Transportstraße. Bereits um 1771 scheiterte Müser dann wirtschaftlich mit seinem Unternehmen.

Kohlenweg wird zur stattlichen Chaussee

Und auch wenn das Kohlen-Sammellager an der Lippe und das 1767 errichtete Kohlhaus am Endpunkt des Gahlener Kohlenwegs am Lippe-Hafen, von dem aus die Verwaltungsarbeiten für die nachfolgende Verschiffung der angelieferten Kohle auf der Lippe abgewickelt wurde, zunächst beide weiter betrieben wurden, verfiel die Verbindung mit der Einführung der Ruhrschifffahrt zusehends.

Erst nach der politischen Neuordnung von 1815 wurden im Rahmen des preußischen Kunst­straßenbaus weitere Befestigungsarbeiten eingeleitet. Zwischen 1849 und 1854 folgte der Ausbau des Gahlenschen Kohlenweges zur staatlichen Chaussee. Und im Jahre 2010 machte das Kulturhauptstadtprojekt „Kunststraße wird Straße der Kunst“ den ehemaligen Kohlenweg anhand verschiedener Kunstwerke noch einmal lokal erlebbar.

Geschichte wird erlebbar gemacht

Mehrfach übrigens haben ihn bei Exkursionen auch die Mitglieder der VHS-AG „Geschichte des Bergbaus im Hattinger Raum“ erkundet, auch diese Erlebnisse fließen in ihr Werk, zusammengetragen aus zahlreichem Material in städtischen und Privat-Archiven, mit ein. Auf einzigartige Weise wird der Gahlensche Kohlenweg und seine Geschichte für historisch Interessierte erlebbar gemacht. Zudem werden Leser animiert, sich auch selbst einmal auf diesen Kohlenweg zu begeben. Johann Wilhelm Müsers Idee auf der Spur.

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