Umfrage

Was die Hattinger zum Bürgergeld sagen

Die SPD um Parteivorsitzende Nahles plant die Abkehr von Hartz IV. Das wurde auf einer Klausurtagung am Wochenende bekanntgegeben.

Die SPD um Parteivorsitzende Nahles plant die Abkehr von Hartz IV. Das wurde auf einer Klausurtagung am Wochenende bekanntgegeben.

Foto: Gregor Fischer

Hattingen.   SPD und CDU debattieren über die Abschaffung von Hartz IV und Soli - und über alternative Modelle. Die WAZ befragte Passanten auf der Straße.

In CDU und SPD finden derzeit viele Diskussionen statt, um beide Parteien wieder in eine erfolgreichere Zukunft zu führen. Während in der CDU die Abschaffung des Soli Thema ist, hat die SPD am Wochenende beschlossen, Hartz IV durch das Bürgergeld ersetzen zu wollen. Wie sehen die Hattinger diese politischen Debatten?

Den Vorstoß, den Soli abzuschaffen, stößt bei den Bürgern auf breite Zustimmung. „Nach 30 Jahren müssen sie im Osten selbst zusehen, dass sie in die Pötte kommen“, meint etwa Monika Bien, die es nicht gut findet, dass dieses Geld nur an die neuen Bundesländer ausgeschüttet wird. Geht es nach Oliver Wähnert, muss der Soli weg. „Aber es sollte ein Topf für soziale Sachen geben, den man vor allem im Ruhrgebiet sinnvoll nutzen kann“, sagt der 52-Jährige.

Solidarbeitrag für ganz Deutschland

Eine weitere Idee, einen Solidarbeitrag anderweitig einzusetzen, kommt von Grazyna Klusek: „Es ist eine Katastrophe, in NRW mit dem Auto zu fahren. Es gibt so viele Staus. Man könnte auch hier in Straßen und Infrastruktur investieren.“ Auch hiesige Schulen könnten das Geld gut gebrauchen, regt die frühere Krankenschwester an.

Simone Schlüter findet, dass die Hilfe für den Osten „so langsam reicht“. Im Osten sähen die Straßen mittlerweile sehr gut aus, im Westen dagegen seien viele Defizite zu erkennen, bemerkt die 56-jährige. Der Soli kommt unter den Bürgern aber nicht nur schlecht weg „Er hat eine Menge bewirkt“, ist Petra Hartmann der Ansicht. Sie schränkt aber ein: Vielleicht sollte man das Geld aber je nach Bedarf für ganz Deutschland verwenden.

Bürgergeld kommt nicht gut an

Die Pläne der SPD zum neuen Bürgergeld sorgen dagegen für Stirnrunzeln bei den Passanten. „Wie viel Geld ist das? Bekommen die Leute jetzt mehr?“, fragt sich die 65-jährige Grazyna Klusek.

Für Franz-Josef Fischer ist das Thema Bürgergeld „Augenwischerei. Es stört mich, dass die ganze Geschichte sanktionsfrei ist. Wenn jemand Arbeitslosengeld bezieht, muss er dafür auch etwas leisten“. Auch Rolf Diergardt hält nicht viel von den neuen Vorschlägen der SPD: „Es wird den Arbeitssuchenden so leicht gemacht. Der Druck, etwas finden zu müssen, wird geringer.“

Befragte wünschen sich ein Ende von Harzt IV

Trotzdem befürworten die meisten Befragten ein Ende von Hartz IV. Völlig verkehrt sei der Ansatz des Arbeitslosengeldes gewesen, sagt Günter Kordt. „Auf der einen Seite hat es sicherlich dem ein oder anderen geholfen, aber unterm Strich hat es auch viele in die Armut getrieben.“

Zur SPD und dem Bürgergeld will sich Reinhold Dietz nicht großartig äußern. Der Rentner bezeichnet Hartz IV als „größten Krampf“. Er hält das neue Bürgergeld für besser.

Fazit der Umfrage: Die Hattinger befürworten die Abschaffung des Soli, stehen dem Bürgergeld allerdings skeptisch gegenüber.

>>> Hintergründe zu Hartz IV und Soli

Hartz IV ist die Grundsicherung für Arbeitssuchende. Beschlossen hat es 2003 die rot-grüne Koalition im Bundestag. Alleinstehende bekommen monatlich 424 Euro Hartz IV.

Der Soli wurde 1991 eingeführt und ist eine Ergänzungsabgabe. Die Einführung wurde mit den Kosten der Wiedervereinigung begründet.

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