WAZ-Gespräch

Walterscheid: Rückkehr zur sachlichen Arbeit in Sprockhövel

Kommunalwahlkampf 2014: Der damalige Bürgermeister Klaus Walterscheid (l.) zusammen mit den drei Kandidaten Ulli Winkelmann (parteilos), Astrid Timmernann (FDP) und Klaus Knippschild (SPD) auf dem Wochenmarkt.

Kommunalwahlkampf 2014: Der damalige Bürgermeister Klaus Walterscheid (l.) zusammen mit den drei Kandidaten Ulli Winkelmann (parteilos), Astrid Timmernann (FDP) und Klaus Knippschild (SPD) auf dem Wochenmarkt.

Foto: Fischer / Fischer / WAZ FotoPool

Sprockhövels Altbürgermeister Klaus Walterscheid ruft Parteien zur sachlichen Arbeit auf. Im Grunde gehe es Sprockhövel seit Jahren sehr gut.

Ein guter Monat ohne Ausschüsse und Ratssitzungen liegt vor der Kommunalpolitik in Sprockhövel, bis Sabine Noll (CDU) zum 1. November die Amtsgeschäfte als neue Bürgermeisterin übernimmt. Später konstituiert sich der Stadtrat neu. Doch die politischen Auseinandersetzungen des Wahlkampfes stecken vielen noch in den Knochen, es steht noch die Ankündigung von FDP-Fraktionschef Bodo Middeldorf vom Wahlabend im Raum, es gelte den „schmutzigen Wahlkampf“ noch aufzuarbeiten. Mit dem Vorgänger von Ulli Winkelmann als Bürgermeister von Sprockhövel, dem Altbürgermeister Dr. Klaus Walterscheid (74, SPD), sprach WAZ-Redakteur Matthias Spruck.

WAZ: Herr Walterscheid, sind Sie noch in der SPD aktiv?

Walterscheid: Nein, aktiv nicht mehr. In die Tagespolitik mische ich mich bewusst nicht ein, besuche aber gerne etwa Jahresabschlussveranstaltungen meiner Partei, um die Leute zu treffen. Ich vermeide Empfehlungen, Johannes Rau hat das so gesagt: Auch Ratschläge sind Schläge. Für Gespräche im kleinen Kreis stehe ich aber gern zur Verfügung.

Hat die SPD am 13. September ein spezifisches Sprockhöveler Ergebnis eingefahren oder war der Verlust dem allgemeinen Trend geschuldet?

Ich glaube, beides trifft zu, wobei die SPD in Sprockhövel noch ein bisschen schlechter abgeschnitten und höhere Verluste erlitten hat als durchschnittlich im Land. Ich bin aber sicher, auch die Situation in Sprockhövel hat das Ihre zur Höhe des Verlustes beigetragen.

Wie haben Sie den Wahlkampf und dann die Wahl erlebt?

Ich habe da keine besonderen Kenntnisse. Wie gesagt, in der Tagespolitik mische ich nicht mehr mit, insofern habe ich den Wahlkampf nur am Rande erlebt. Ich habe auch keines der Gesprächsduelle besucht oder angeschaut. Von Frau Noll habe ich einen Eindruck gewonnen, als sie den Heimat- und Geschichtsverein besucht hat.

Was wird von der Amtszeit Winkelmann bleiben?

Das ist schwierig zu sagen, er ist ja einen großen Teil seiner Amtszeit krank gewesen, insofern hatte er wenig Zeit zu gestalten. Es liegt vielleicht an meiner Distanz zur tagesaktuellen Politik, aber ein nachhaltiger Merkposten fällt mir jetzt so schnell nicht ein.

Was würden Sie den Ratsfraktionen für ihren Umgang miteinander empfehlen, bevor die gemeinsame Arbeit wieder beginnt?

So etwas mache ich nicht öffentlich. Unser Kandidat wurde ja sehr früh nominiert und es war ohnehin allgemein bekannt, dass er sich für das Bürgermeisteramt interessiert. So hat er früh kräftigen Gegenwind bekommen und die politische Auseinandersetzung hat entsprechend früh an Schärfe gewonnen. Jetzt aber ist ausschließlich sachliche Arbeit verlangt. Sprockhövel ist eine überschaubare Stadt, für die sich die Politik einsetzen soll. Auf keinen Fall darf eine Selbstbeschäftigung der Kommunalpolitiker stattfinden! Viele Leute haben der Politik diese Form des Wahlkampfs übel genommen.

Was muss in Sprockhövel jetzt dringend angepackt werden?

Sind wir doch mal ehrlich: In den letzten Jahren ist es für unsere Stadt nicht schlecht gelaufen. Die Strukturen sind tragend, wir haben ein hohes Maß an ehrenamtlichem Engagement, in der Politik wie anderswo. Ein großer Anteil der Bürger ist in Vereinen engagiert, alles zum Wohl des Gemeinwesens.

Diese Grundzufriedenheit war auch Ergebnis des WAZ-Stadtteilchecks.

Die Aufregung um die Kommunalwahl ändert an all dem nichts. Was auch immer jetzt politisch vorangebracht werden soll, man tue es Schritt für Schritt.

Dr. Klaus Walterscheid ist 74 Jahre alt und Wirtschaftswissenschaftler. Von 2004 bis 2014 war er Bürgermeister von Sprockhövel.

Heute engagiert sich das SPD-Mitglied als Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins sowie bei der Lebenshilfe im Ennepe-Ruhr-Kreis.

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