Landgericht

Vorwurf: Sprockhövelerin von zwei Hattingern vergewaltigt

Erster Prozesstag: Die beiden Angeklagten neben ihren Rechtsanwälten Lara Teckenberg und Peter Großmann im Sitzungssaal des Landgerichts Essen.

Erster Prozesstag: Die beiden Angeklagten neben ihren Rechtsanwälten Lara Teckenberg und Peter Großmann im Sitzungssaal des Landgerichts Essen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen/ Hattingen/ Sprockhövel.  Eine junge Frau aus Sprockhövel berichtet der Polizei, dass sie von zwei Männern aus Hattingen vergewaltigt wurde. Die bestreiten den Vorwurf.

Wenn es stimmt, was in der Anklage steht, dann waren diese Taten nicht nur brutal, sondern auch extrem erniedrigend. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen sollen zwei Männer aus Hattingen über eine Freundin aus Sprockhövel hergefallen sein. Seit Donnerstag stehen sie in Essen vor Gericht – und bestreiten.

„Die will nicht“

Die Vorwürfe gehen zurück auf Juni 2018. Die heute 25 und 26 Jahre alten Männer sollen die Frau in ihrer Wohnung überrumpelt und vergewaltigt haben. Erst der eine, dann, am nächsten Abend, der andere. Was genau passiert sein soll, haben sie sich später per Chat geschrieben. „Die will nicht“, ist da zum Beispiel zu lesen. „Hab´ sie vor die Wand geklatscht.“

Angeklagte bestreiten Zwang und Gewalt

Bestreiten wollen die beiden Männer das vor Gericht auch nicht. Von einer Vergewaltigung könne aber keine Rede sein. „Das ist das, worauf sie steht“, sagte der Ältere den Richtern. Sie habe zwar „nein“ gesagt, den Geschlechtsverkehr aber trotzdem gewollt. Das es dabei „härter“ zur Sache gegangen sei, stimme auch. „Das war ihre Vorliebe.“Außerdem hätte man sich ja auch schon früher zum Sex verabredet. Die Treffen in ihrer Wohnung seien daher nicht ungewöhnlich gewesen.

„Nein“ wurde angeblich nicht akzeptiert

Von Treffen kann aus Sicht der heute 25-Jährigen allerdings keine Rede sein. Beide Männer hätten plötzlich abends vor ihrer Tür gestanden. „Los, lass uns Spaß haben.“ So oder so ähnlich hätten sie sich damals ausgedrückt. Ihr „Nein“ wurde nicht akzeptiert. Auch nicht von dem heute 26-Jährigen, der sogar schon verheiratet war. Sie habe alles versucht, um sich zu wehren und einem der beiden Männer sogar ans Geschlechtsteil gegriffen. „Das hat ihm wohl weh getan.“ Doch am Ende habe sie keine Chance gehabt.

„Ich war schockiert, habe geweint“

Ihr seien die Hände festgehalten worden, außerdem habe man sie geschlagen. „Ich war schockiert, habe geweint, konnte einfach nicht glauben, was passiert ist“, sagte die junge Frau den Richtern. Warum sie überhaupt die Tür geöffnet habe? Weil einer der Angeklagten im Hausflur randaliert habe und sie von dem anderen nie gedacht habe, dass er ihr etwas antun würde. „Der hat nie etwas gegen meinen Willen gemacht.“ Doch genau das sei diesmal passiert.

Anzeige erst später erstattet – aus Angst

„Ich wollte das nicht“, sagte sie den Richtern. „Ich habe immer wieder gesagt, sie sollen gehen.“ Zur Anzeige hatte sie die mutmaßlichen Vergewaltigungen erst ein paar Tage später gebracht. „Ich hatte Angst“, so die 25-Jährige im Prozess. Doch dann habe sie sich trotzdem dazu entschieden. Die Richter am Essener Landgericht haben für den Prozess zunächst noch zwei Verhandlungstage vorgesehen. Die Urteile sollen voraussichtlich am 28. September gesprochen werden.

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