Theaterworkshop

Von Hattingen nach New York: Ein Stück in vier Tagen

Emma-Lynn, Tom, und Suna proben beim Theaterworkshop in der Gebläsehalle des LWL-Industriemuseums Henrichshütte in Hattingen.

Emma-Lynn, Tom, und Suna proben beim Theaterworkshop in der Gebläsehalle des LWL-Industriemuseums Henrichshütte in Hattingen.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Fünf Jugendliche beschäftigen sich beim Theaterworkshop im Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen mit dem Thema „Auswanderung“.

Als die Geschwister Hansen aus Hattingen im Jahr 1848 einen Brief erhalten, der sie darüber informiert, dass sie eine Brauerei in New York geerbt haben, ist das der Auftakt zu einem großen Abenteuer. Denn die fünf Kinder sind nicht nur Waisen, sondern auch völlig mittellos und müssen sich nun irgendwie nach Amerika durchschlagen.

Die Geschichte der Geschwister Hansen ist Fiktion, erdacht von den fünf Teilnehmern des Theaterworkshops, der derzeit im Industriemuseum Henrichshütte läuft. Das Thema war den Zehn- bis Zwölfjährigen dabei nur grob vorgegeben, mit Leben gefüllt haben sie es selbst – wenngleich mit Hilfe der Theaterpädagogin Ruth Hengel von der Theater Manufaktur Ruhr.

Theaterstück basiert auf Auswander-Ausstellung

„Unser Thema ist ja Auswanderung“, erläutert Jungschauspielerin Emma (11). Zunächst hätten sie Mindmaps erstellt und sich mit der Frage beschäftigt, welche Gründe es gibt, dass Menschen auswandern, wie etwa Kriege und Hungersnöte, so Emma weiter. Inspirationsgrundlage war der Begleitband zur Sonderausstellung „Vom Streben nach Glück“, die Geschichten der Amerika-Auswanderer im 19. und 20. Jahrhundert thematisiert und bis zum Sommer in der Henrichshütte gelaufen war.

„Wir haben gestern alles gemacht, was wir heute umsetzen“, beschreibt Workshopteilnehmerin Julia (11). Dazu gehörte auch, die Geschichte in Stichpunkten aufzuschreiben: Sie spielt im Jahr 1848 – einer Zeit, in der Europa von schlechten Kartoffelernten geplagt wurde. Die fünf Geschwister Ruby, Rebecca, Rudolph, Ronja und Ruth Hansen leben zu dieser Zeit in Hattingen. Was mit den Eltern passiert ist – noch unklar.

Vier Tage bis zur Vorstellung

Zwar entstehen auf der Bühne schon die ersten Szenen, doch zum Teil wird dabei noch improvisiert und manche Kleinigkeiten müssen noch geklärt werden. „Wir putzen es noch ein bisschen“, sagt Theaterpädagogin Ruth Hengel. Im Theaterjargon bedeutet das: verfeinern, wichtige Punkte hervorheben, an den richtigen Stellen Pausen einsetzen. Viel Zeit haben sie dafür allerdings nicht. Für Stückentwicklung, Text lernen und Proben sind lediglich vier Tage anberaumt, schon für den kommenden Freitag steht die Vorstellung auf dem Plan.

In Fahrt kommt die Geschichte dann durch den bereits erwähnten Brief. Hans Hansen, der Onkel der Waisen, ist verstorben und laut Testament erben sie dessen Brauerei. „Tom hatte die Idee mit der Brauerei“, erklärt Julia. Und Tom (11) ergänzt: „Früher war es auch so, dass die Leute von Deutschland nach Amerika gegangen sind und dort Bier gebraut haben.“

Auswandern ist für die Jugendlichen privat kein Thema

Wie es dann weitergeht, steckt bislang noch in den Köpfen der fünf Jungschauspieler. „Wir sind arm und wissen nicht, wie wir dahin kommen sollen“ erzählt Emma die geplante Handlung weiter. Und Tom ergänzt: „Wir gehen dann auf ein Schiff – als blinde Passagiere.“

Privat käme das für die Jugendlichen allerdings nicht infrage: „Ich bleibe lieber in Hattingen“, ist Tom sicher und auch Emma meint: „Auswandern würde ich nicht direkt, aber vielleicht mache ich mal einen Schüleraustausch.“

„Eigentlich finde ich mein Leben hier ganz schön“, findet auch Julia. „Aber wenn ich größer bin, möchte ich schon ein bisschen die Welt kennenlernen.“

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