Schlagzeilen

Vom Streit über die Welperaner Waschanlage

Über die geplante Bodenwaschanlage in Welper wurde 1992 heftig diskutiert. Die Gegner konnten sich schließlich durchsetzen.

Foto: Volker Speckenwirth

Über die geplante Bodenwaschanlage in Welper wurde 1992 heftig diskutiert. Die Gegner konnten sich schließlich durchsetzen. Foto: Volker Speckenwirth

Hattingen.   Nach dem Hütten-Aus wurde vor 25 Jahren in Welper der Bau einer neuen Bodenwasch-Anlage diskutiert. Daraus ging die Bürgerinitiative FWI hervor.

Anfang November 1992 prallten die Interessen aufeinander. Die Hütte hatte längst dicht gemacht, tausende Arbeitsplätze waren weggebrochen. Niemand wusste in Hattingen, wie man einen Ausgleich schaffen könnte. Da kam die Idee von Thyssen, eine Bodenwasch-Anlage in Welper zu bauen, gerade recht. „Wir haben uns ja an jeden Strohhalm geklammert und standen der Idee offen gegenüber“, sagt Dieter Liebig, damaliger Stadtdirektor. Aber die Idee rief eine Bürgerinitiative auf den Plan, die das Vorhaben zusammen mit den Grünen vehement bekämpfte.

„Es wusste doch niemand, was bei der Anlage wirklich zu erwarten war. Ob die Ruhr versalzen wird oder nicht. Und ob Thyssen mit einem solchen Vorhaben wirklich Geld verdienen würde, stand in den Sternen“, erinnert sich Stefan Kietz-Borgwardt sehr lebendig an diese Zeit. „Wir waren ja damals schon sensibilisiert, was Umwelt und Strukturwandel betraf. Und dann wieder so eine Großanlage, das wollten wir nicht hinnehmen.“

Innerhalb von drei bis vier Wochen sammelte die Initiative 8000 Unterschriften im Vorfeld des Ratsbeschlusses. „Uns ging es immer um Ersatzarbeitsplätze“, erklärt Liebig seine Haltung von damals. „Mit der Bodensanierungs-Anlage wollte die Stadt den Standort Hattingen attraktiv machen. Es gab ja genügend Menschen, die dringend Arbeit suchten.“ Er habe etwas für die Stadt tun wollen, sei mit anderen sogar nach Berlin gefahren und habe sich ähnliche Anlagen angeguckt. Denn klar sei ja gewesen, dass man die industriell genutzten Böden und die Schadstoffe trennen musste, um die Böden anderweitig zu verwenden, sagt Liebig.

Um im Rat der Stadt mehr Gewicht zu bekommen, schlossen sich die Bürgerinitiative, die sich dann Freie Wähler Initiative nannte mit den Grünen zusammen. „Damals galt ja auch noch für den Stadtrat die Fünf-Prozent-Klausel und wir wollten politisches Gewicht haben“, erklärt der damalige Enddreißiger Kietz-Borgwardt.

Protest mit kiloweise Speisesalz

Grüne und FWI griffen zu drastischen Maßnahmen. Sie „hatten gleich kiloweise Pakete mit feinem Speisesalz in den Sitzungssaal gekarrt“, schreibt die WAZ damals, als das Thema im Hauptausschuss diskutiert wurde. Mit ihrer Skepsis standen sie nicht alleine. Wasserwerke und Ruhrverband, Uni Dortmund und TÜV Rheinland befürchteten ebenfalls eine untragbare Belastung, wenn Abwasser aus der Anlage direkt oder indirekt in die Ruhr geleitet würde. Eine abwasserfreie Betriebsführung lehnte Thyssen ab. „Und das Gutachten zur Umweltverträglichkeit, das wir gefordert hatten, wurde nie erstellt“, sagt Kietz-Borgwardt.

„Ich fand absolut nicht in Ordnung, wie mit der Bürgerinitiative umgegangen wurde. Sie wurden einfach als Spinner abgestempelt“, ärgert sich Thomas Kordges, der damals sehr aktiv im BUND war.

Letztlich, nach jahrelangem Ringen, verabschiedete sich Thyssen Engeneering selbst von dem Projekt. „Wir haben in vielen Gesprächen Thyssen klar gemacht, dass sie mit der Anlage kein Geld verdienen werden. Denn viele Firmen, die Böden kontaminiert hatten, waren pleite oder nicht interessiert, Geld fürs Reinigen auszugeben. Letztendlich konnten wir Thyssen überzeugen“, stellt Kietz-Borgwardt fest.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik