Wohnen

Vierer-WG hat viel Spaß in der Südstadt

Die rote Sofaecke im Wohn-/Esszimmer der Vierer-Wohngemeinschaft der Lebenshilfe hat Platz für alle. Lars, Sebastian, Karl und Nico machen es sich dort gern gemütlich. Fotos:Fischer

Die rote Sofaecke im Wohn-/Esszimmer der Vierer-Wohngemeinschaft der Lebenshilfe hat Platz für alle. Lars, Sebastian, Karl und Nico machen es sich dort gern gemütlich. Fotos:Fischer

hattingen.   Erste Wohngemeinschaft der Lebenshilfe mit vier jungen Männern. HWG legte zwei Wohnungen zu einer großen zusammen und spendierte die Küchenzeile.

Die vier Charakterköpfe an der Wand im Wohnzimmer der neuen Wohngemeinschaft hat Michel Buttgereit gezeichnet. Er ist einer von vier Betreuern, die dem Quartett in der Südstadt helfen, selbstständig zu wohnen.

Das wollen sie alle. Nicht nur Lars, der die Besucher von der WAZ in die gemütliche Wohnküche der neuen WG führt. Sie geht nahtlos über ins Wohnzimmer mit roter Sitzecke, Schrankwand und Fernseher. Hier haben sie alle Platz und Gäste auch. Ob auf der Eckbank oder dem Sofa. Zum gemeinsamen Kochen, Essen, Scherzen, Reden oder Fernsehschauen.

Der 21-jährige Lars, der Kaffee oder ein Kaltgetränk anbietet, ist der einzige in der Vierer-Wohngemeinschaft, der die anderen noch nicht kannte. Seine Mitbewohner waren untereinander durch den Familienunterstützenden Dienst der Lebenshilfe bekannt. Für den jungen Mann kein Problem. Er eroberte die Herzen seiner Mitbewohner im Sturm – durch seine Koch- und Backkünste. Und nicht nur dadurch.

Selbstbestimmt wohnen

Nach und nach trudeln sie alle ein am frühen Abend. Nehmen die 135 Quadratmeter in Beschlag, die sie sich seit ein paar Wochen teilen. In den Räumen wird es immer lebendiger. Bis sich dort in der Südstadt die erste Wohngemeinschaft der Lebenshilfe zusammentun konnte, erforderte es allerdings einen längeren Vorlauf. Die Suche nach einer geeigneten Wohnung war schwierig. Dank Wohnungsgesellschaft HWG hat es aber doch noch geklappt, dass die Vier im Alter bis 24 Jahren zusammen so leben können, wie es ihnen gefällt.

Wie in anderen Familien oder WGs auch sind die Bedürfnisse unterschiedlich. Sebastian braucht nach der Arbeit offensichtlich keinen Abstand. Er war mit Leib und Seele Faschingsprinz. Doch für gute Laune und lockere Sprüche braucht er keinen Karneval. Die Show geht weiter in seinem Zimmer mit Disko-Beleuchtung und Palmentapete. Ehe er seine Musikanlage zeigt, verstaut er die Wäsche im Schrank. Ein Pullover erfüllt seine Erwartungen nicht: „Kannst du mir das mal falten?“ Kein Problem. Obwohl Wäschefalten nicht gerade zu meinen Stärken zählt. Doch Sebastian ist zum Glück nicht pingelig.

Nico im Zimmer nebenan ist etwas weniger aufgedreht. Als er nach Hause kommt, zieht er sich erst einmal in sein Reich zurück, um abzuschalten. Irgendetwas bei der Arbeit scheint ihn geärgert zu haben. Später zeigt er sein Zimmer mit einer Tapete, die aussieht wie eine Steinwand, und einer Sammlung von Kappen. Die Disko nebenan stört ihn überhaupt nicht.

Worum es allen Bewohnern, darunter auch Karl, hauptsächlich geht: selbstbestimmt wohnen. Mit Hilfe und Unterstützung dort, wo es nötig ist. An dem Abend haben alle etwas Hummeln im Hintern. Gleich wollen sie noch zusammen los, um gemeinsam einkaufen zu gehen. Wie anderen jungen Berufstätigen auch, die tagsüber in Werkstätten arbeiten, bleibt dem Quartett dafür der Feierabend unter der Woche oder der Samstag. Außerdem geht jeder seinen Hobbys nach vom Sport bis zum Eltern und Freunde Besuchen.

Da die Südstadt gerade im Umbruch ist, viel renoviert wird, wurden für die Wohngemeinschaft zwei Wohnungen zusammengelegt. Vom Treppenhaus aus führen noch zwei Eingangstüren in die Wohnung. Besucher haben entsprechend auch zwei Klingeln zur Auswahl.

Die Küchenzeile hat die HWG spendiert. Meist tobt sich Lars hier aus, der am liebsten kocht. Dafür übernehmen Karl, Nico und Sebastian dann andere Aufgaben im Haushalt. Der eine räumt gern die Spülmaschine ein und aus, der nächste räumt den Küchentisch frei und wischt drüber. Ganz ohne Absprache scheint jeder das zu machen, was ihm zusagt – und die Aufgaben verteilen sich fast wie von selbst.

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