Lesung

Verstand ersetzt Bildung, Bildung nicht den Verstand

In einem dialogischen Portrait stellten Friedemann Spicker (links) und Jürgen Wilbert den Besuchern im Alten Rathaus  den Philosophen Arthur Schopenhauer vor.

In einem dialogischen Portrait stellten Friedemann Spicker (links) und Jürgen Wilbert den Besuchern im Alten Rathaus den Philosophen Arthur Schopenhauer vor.

Foto: Manfred Sander

Hattingen.   Friedemann Spicker und Jürgen Wilbert haben in Hattingen Arthur Schopenhauer vorgestellt. Sie führten ein „Zwiegespräch über einen Einsiedler“.

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In einem „Zwiegespräch über einen Einsiedler“ stellten Friedemann Spicker und Jürgen Wilbert am Dienstagabend im Alten Rathaus in einer abwechslungsreichen Lesung den Philosophen Arthur Schopenhauer vor.

230 Jahre wäre er jetzt alt, der Philosoph, der behauptete, neun Zehntel des Glückes würden von der Gesundheit abhängen. In Auszügen aus den Aphorismen Schopenhauers, aber auch Zeugnissen von Zeitgenossen aus dem Briefwechsel von und über den Philosophen und der späteren Rezeption lassen die beiden Autoren ein lebendiges, facettenreiches Bild Schopenhauers entstehen. Und auch Schopenhauers Pudel Atma kommt ab und an zu Wort.

Kein staubtrockener Bücherwurm

Menschliche Schwächen und Schrullen kommen in diesen schnellen, witzig pointierten Dialogen zum Vorschein, allzu Menschliches eben. Denn ein Porträt ist kein Universitätsseminar. Und Schopenhauer war kein staubtrockener Bücherwurm, sondern nicht ohne Sinn für Selbstironie: „Die ersten vierzig Jahre unseres Lebens liefern den Text, die folgenden dreißig den Kommentar dazu“, sagte er einmal über das Leben. Zu Institutionen hatte er kein allzu großes Vertrauen. „Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand“, davon war er überzeugt. Überhaupt war sein Weltbild nicht allzu positiv: „Im Ganzen genommen liegt die Welt im Argen, die Wilden fallen übereinander her.“ Der Einzelne hat dabei wenig Gestaltungsmöglichkeiten, denn „der Lebenslauf des Menschen besteht darin, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tod in die Arme tanzt.“ Und Frauen gegenüber war er sehr skeptisch. „Weiber können bedeutendes Talent, aber kein Genie haben,“ so sein Credo, „und sollten stets unter wirklicher männlicher Aufsicht stehen.“

Individualität als prägende Konstante

Nichts desto trotz war für ihn die Individualität die prägende Konstante des menschlichen Lebens, denn sie „begleitet“ den Menschen „stets und überall“. Auch Heiterkeit und Gelassenheit sind wichtig für das Glück des Menschen, ebenso wie möglichst wenig Unglück. Und man muss sich selbst treu bleiben, sonst „passt das, was man tut, nicht zu dem, was man ist.“ Inwieweit Schopenhauer das in seinem eigenen Leben gelungen ist, darüber können sich die Besucher der fesselnden Lesung dann ihr eigenes Bild machen. Und vielleicht macht dieser Abend ja auch Lust darauf, Werke Schopenhauers kennen zu lernen.

Nächste Woche Kleinkunst mit „Kassandra“

Die nächste Veranstaltung im Alten Rathaus, Untermarkt 9, ist Kleinkunst am Freitag, 19. Oktober, 20 Uhr. Auf dem Programm steht nächste Woche dann „Kassandra“, eine autorisierte Bühnenfassung nach Christa Wolf mit Cornelia Gutermann-Bauer (Turmalin Theater). Besucher zahlen 13 Euro Eintritt, ermäßigt elf Euro.

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