Nahverkehr

Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr streicht 35 Stellen

Der VER-Aufsichtsratsvorsitzender Daniel Pilz (links) und Geschäftsführer Peter Bökenkötter in einem der neuen Busse.

Der VER-Aufsichtsratsvorsitzender Daniel Pilz (links) und Geschäftsführer Peter Bökenkötter in einem der neuen Busse.

Foto: Stefan Scherer / WP

Hattingen.  Die VER leidet weiter unter enormem Kostendruck: Durch Fremdvergaben von Hattinger Fahrten soll ein sechsstelliger Betrag eingespart werden.

Die Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr (VER) baut bis Ende des kommenden Jahres 35 ihrer etwa 340 Stellen ab. Grund ist der Kostenapparat: Zuletzt blieb die VER nur 29.000 unter dem Maximum dessen, was der Ennepe-Ruhr-Kreis zuschießen darf.

Teuer sind für das Unternehmen Linien, die ausschließlich in Hattingen fahren – weil jeder Bus und jeder Auswechselfahrer von der Zentrale in Ennepetal aus erst einmal in die Stadt kommen müsse. Diese Fahrten werden jetzt fremdvergeben. Einsparpotenzial: sieben Fahrzeuge und „ein namhafter sechsstelliger Betrag“, so Geschäftsführer Peter Bökenkötter.

Die Fremdvergabequote steigt von bisher 19,5 auf 25,5 Prozent

Die Schnellbuslinien sowie die Linien, die neben Hattingen auch andere Kreiskommunen bedienen, bleiben davon indes unberührt und werden auch künftig nicht durch einen Subunternehmer gefahren. Die Fremdvergabequote bei der VER steigt dennoch von bisher 19,5 auf 25,5 Prozent.

Bis Ende des laufenden Jahres sollen 15 Angestellte das Unternehmen verlassen, bis Ende des ersten Quartals 2020 weitere 20 Mitarbeiter. „Wir werden vornehmlich in der Verwaltung abbauen“, so Bökenkötter. Betroffen sind etwa die Bereiche Buchhaltung und Personal, die bald von der Bogestra für die VER mit übernommen werden. „Wir vermitteln bislang sehr erfolgreich unsere Mitarbeiter – vor allem an die Bogestra.“ Sechs ehemalige VER-Angestellte sind bereits gewechselt, würden sich sehr zufrieden zeigen und bislang schreite der Abbaus sogar schneller als geplant voran.

Ruhegeldordnung kostet Jahr für Jahr viele Millionen Euro

Notwendig werden diese Maßnahmen, weil insbesondere die alte Ruhegeldordnung Jahr für Jahr viele Millionen Euro kostet. Seit drei Jahren wird bereits gegengesteuert. „Ende­ 2018 war allerdings klar: So werden wir die VER nicht retten können“, erklären Peter Bökenkötter und der Aufsichtsratsvorsitzende Daniel Pilz. Die Konsequenz daraus: Der Aufsichtsrat hat ein Restrukturierungsprogramm beschlossen – mit der Zielvorgabe, erheblich die Kosten zu senken. Das wird nun über Personalkosten-Senkung und Auslagerungen umgesetzt.

Bis zu 20 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer waren zeitweise krank

In den vergangenen ein, zwei Jahren gab es darüber hinaus Probleme mit dem Krankenstand der Belegschaft – bis zu 20 Prozent der Fahrerinnen und Fahrer hatten sich laut VER zeitweise krank gemeldet. Deshalb musste der Betrieb auf kom­pletten Linien eingestellt werden. Seit einem halben Jahr wird nun jede Fehlzeit von einem Gespräch begleitet. „Wir drehen das positiv, wollen wissen, ob wir etwas dafür tun können, damit es unseren Mitarbeitern gesundheitlich besser geht“, sagt Peter Bökenkötter. Die Krankenquote sank seitdem von 12,0 auf 10,68 Prozent. „Ein Prozent entsprechen 165.000 Euro“, macht Daniel Pilz die Auswirkungen einer sinkenden Krankenquote deutlich.

Im Geschäftsjahr 2021 will die VER „wieder innovativ werden“

Letztendlich blickt VER-Geschäftsführer Peter Bökenkötter auch positiv in die Zukunft: „Wir stellen die Weichen, auch wenn wir immer wieder unerwartete Rückschläge erhalten.“ Für den Start in das Geschäftsjahr 2021 prognostiziert er, „dass wir wieder innovativ werden können“.

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