Gericht

Tritt gegen eine Taube kostet Rentner in Hattingen 600 Euro

Eine Taube soll der 81-jährige Angeklagte so brutal getreten haben, dass sich das Tier dabei verletzte. 

Eine Taube soll der 81-jährige Angeklagte so brutal getreten haben, dass sich das Tier dabei verletzte. 

Foto: Rene Traut / Funke Foto Service

Hattingen  Ein 81-jähriger Hattinger soll eine Taube so brutal getreten haben, dass sie verletzt wurde. Richter glaubt Zeugen und verhängt eine Geldstrafe.

Unwirsch, uneinsichtig und patzig hat sich der 81-jährige R. am Mittwoch vor Gericht verhalten. Angeklagt war er wegen Tierquälerei. Immer wieder fiel er Richter Johannes Kimmeskamp ins Wort, bezeichnete die Vorwürfe gegen ihn als "lächerlich", so dass er sich einen heftigen Rüffel einholte. "Sie sind vor Gericht, spielen Sie hier nicht den dicken Max", forderte der Richter den Rentner auf.

Die Anklage: R. soll am 22. Januar dieses Jahres an der Gaststätte Lux eine Taube mit einem "Elf-Meter-Schuss" getreten haben, so dass sie verletzt liegen blieb. Das sei alles Quatsch, entgegnete der Angeklagte. Er habe die Taube lediglich mit der Fußspitze berührt, dann sei sie sofort weggeflogen, war seine Einlassung.

Auch die Personalien wollte er nicht angeben

Den Vorfall schilderten eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die getrennt als Zeugen befragt wurden, völlig anders. Die 40-Jährige sagte, sie habe mit ihrem Kollegen direkt an der Treppe zum Lux gestanden, so dass beide das Geschehen im Blick hatten.

Im Türrahmen der Gaststätte habe eine Taube gesessen, die einen erschöpften Eindruck machte. "Der Angeklagte R. kam aus der Gaststätte heraus, sah die Taube, fluchte und trat mit voller Wucht zu, so dass sie sich überschlug und verletzt liegen blieb. Wir haben sie dann zum Tierarzt gebracht." Zunächst habe sich der 81-Jährige auch noch geweigert, den Mitarbeitern des Ordnungsamtes seine Personalien zu geben.

"Ein, zwei Bier, ich war ja nicht besoffen"

Ob er Alkohol getrunken habe, wollte das Gericht wissen. "Ein, zwei Bier, ich war ja nicht besoffen", erklärte der Senior. Nach dem Tritt habe das Tier anders ausgesehen, sagt auch der Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Die Flügel seien wohl verletzt gewesen.

Mitten in der Verhandlung stand der 81-Jährige dann sichtlich verärgert auf, erklärte dem Richter, er solle ihn doch verurteilen, er würde jetzt nach Hause gehen. "Dann hab ich meine Ruhe."

Der Angeklagte blieb bei seiner Version

Den beiden städtischen Beamten bescheinigte er, sie würden lügen, weil er die Taube nicht getreten, sondern nur berührt habe und sie daraufhin weggeflogen sei. Allerdings schilderten die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamtes auch auf detaillierte Nachfragen des Richters und der Anwältin das Geschehen vor dem Lux absolut identisch. "Warum sollten die Beamten Ihnen denn etwas wollen", fragte Johannes Kimmeskamp den Angeklagten. Doch der blieb bei seiner Version.

"Es ist unanständig, man tritt kein Tier"

Die Staatsanwältin forderte eine Strafe von 500 Euro wegen Tierquälerei, die Anwältin hingegen wollte einen Freispruch für ihren Mandanten erreichen. Der Richter verhängte eine Strafe von 600 Euro, R. habe bisher ja keine Vorstrafen gehabt.

Aber: „Die Taube war Ihnen einfach lästig, so wie Ihnen auch dieses Verfahren hier lästig ist. Es ist unanständig, man tritt kein Tier", begründete Kimmeskamp sein Urteil.

Tierquälerei wird mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet

Eine versuchte oder fahrlässige Tierquälerei oder sonstige Tiermisshandlung wird im deutschen Strafrecht als Ordnungswidrigkeit eingestuft. Sie kann mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro geahndet werden oder auch eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren nach sich ziehen.

Richter Johannes Kimmeskamp erklärte in seiner Urteilsbegründung, er halte dem Angeklagten zugute, dass er nicht vorbestraft sei. Allerdings habe er nicht die geringste Einsicht gezeigt. Daher ging der Richter im Strafmaß noch über die Forderung der Staatsanwältin hinaus.

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