Trauer

Trauerbegleiter kennen Wut und Tränen nach einem Verlust

Marlena Luhs-Vogt (r.) tauscht sich über Trauer mit Teilnehmern des pastoralpsychologischen Weiterbildungskursus in Trauerbegleitung im Zentrum für Trauerarbeit in Hattingen Welper aus.

Marlena Luhs-Vogt (r.) tauscht sich über Trauer mit Teilnehmern des pastoralpsychologischen Weiterbildungskursus in Trauerbegleitung im Zentrum für Trauerarbeit in Hattingen Welper aus.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Mit Wut wie Tränen können Hinterbliebene auf den Tod eines Menschen reagieren. Der Verein für Trauerarbeit Hattingen schult Trauerbegleiter.

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Wie gehen wir um mit dem Tod, wie trauern wir um einen geliebten Menschen? So verschieden, wie wir auch andere Lebenssituationen bewältigen, sagen sechs Trauerbegleiterinnen, die zurzeit eine Weiterbildung beim Verein für Trauerarbeit Hattingen absolvieren. Sie wissen auch, was Trauernde trösten kann. Und dass Trauer sich nicht nur in Tränen ausdrückt.

Marlena Luks-Vogt (32) arbeitet als Erzieherin in einer Jugendhilfe-Einrichtung. Vor einiger Zeit hatte sie zwei Schwestern bei sich, 17 und 15 Jahre jung, deren Mutter gerade gestorben war. Sie weinten nicht, „im Gespräch zeigte sich vielmehr ganz viel Wut und Enttäuschung“, sagt Luks-Vogt.

Wut geht oft mit Trauer einher wissen die Aktiven des Vereins für Trauerarbeit Hattingen

Wut ist dabei ein Gefühl, das oft mit Trauer einhergeht, so erlebt es Anja Lenzyk (54) immer wieder in ihrer Tätigkeit als Koordinatorin einer ambulanten Hospizgruppe. Warum hat der Verstorbene mich allein gelassen? Was wird jetzt aus mir?

Diese und ähnliche Fragen gingen vielen Angehörigen durch den Kopf, nicht wenige würden dann wütend gegen ihr Schicksal. „Und das macht es einem wiederum leichter“, sagt Monika Wolf-Markmann (59), auch sie ist im ambulanten Hospizdienst tätig, „mit der Trauer um den Verstorbenen umzugehen.“

Nicht jeder Trauernde gesteht sich seine Wut ein: Trauerbegleiter helfen

Allerdings gestehe längt nicht jeder Trauernde sich seine Wut ein, betont Annedore Methfessel, Geschäftsführerin des Vereins für Trauerarbeit. Die Aufgabe von Trauerbegleitern sei es dann, ihn darin zu bestärken, auch dieses Gefühl zuzulassen, es dem anderen gegenüber zudem zu benennen: Du bist jetzt wütend. „Dadurch“, sagt Karin Klemt (67), Referentin beim Verein für Trauerarbeit Hattingen, „fühlt er sich verstanden. Und getröstet.“

„Unter Trauer stellen Nichttrauernde sich für gewöhnlich Weinen, Weinen, Weinen vor“, sagt Beate Schwedler (58). „Und vielleicht noch Kerze anzünden und Seelenstriptease.“ Doch umfasse Trauer so viel mehr als Kummer, Ohnmacht, Angst. Das hat die Gründerin des Dortmunder Vereins Forum „Dunkelbunt“ vor Jahren auch selbst erlebt. So gehört es zum Trauerprozess auch, sich der schönen gemeinsamen Erlebnisse mit dem Verstorbenen zu erinnern, „und man darf auch als Trauernder mal lachen, fröhlich sein“.

Auch Erleichterung kann eine Reaktion auf den Tod eines geliebten Menschen sein

Und sich sogar erleichtert fühlen – etwa, wenn für den Verstorbenen mit dem Tod ein Leidensweg beendet wird. Bei ihrer Hospizarbeit, schildert Anja Lenzyk hierfür ein Beispiel, sei sie einmal einer Frau begegnet, die kurz nach dem Krebstod ihres Mannes zwei Wochen Urlaub gemacht hat – „sie hat sich ihrem Umfeld gegenüber allerdings ganz schlecht gefühlt, weil es ihr gut ging in dieser Situation“.

Sich mit anderen Trauernden in einer Gruppe über die vielfältigen Emotionen auszutauschen, die der Verlust eines nahestehen Menschen auslöst, könne für viele dabei eine echte Hilfe sein, so die Trauerbegleiterinnen. Wenn etwa eine verwitwete Frau von der bedrückenden Stille spricht, die sie seit dem Tod des Mannes erlebt, dann kann das durchaus wohltuend zu hören sein für andere in ähnlicher Situation, sagen Heike Marienhagen (40) und Ute Braun (51), Koordinatorinnen ambulanter Hospizdienste.

Trauer hat keinen Zeitrahmen

Und wenn jemand, der einen wichtigen Menschen schon vor einiger Zeit verloren hat, darüber spricht, wie sein Leben dennoch weitergeht, dann kann das frisch Trauernden Mut machen, sagt Anja Lenzyk. Dass auch sie an der Trauer wachsen, aus dieser Lebenskrise gestärkt hervorgehen können.

Vorbei allerdings, betonen alle in der Runde, ist es mit der Trauer nie. „Trauer hat keinen Zeitrahmen“, erklärt Monika Wolf-Markmann. Und Beate Schwedler sagt: „Man muss zwar körperlich von einem Menschen Abschied nehmen. Aber Abschied zu nehmen von allem, was den Verstorbenen ausgemacht hat, das geht gar nicht.“

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