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Toni Petschulat näht in Hattinger Nähwerkstatt Kleinserien

Toni Petschulat näht in Hattingen für Gewerbekunden Kleinserien wie Bettlaken, ändert aber auch Garderobe für Privatkunden.

Foto: Walter Fischer

Toni Petschulat näht in Hattingen für Gewerbekunden Kleinserien wie Bettlaken, ändert aber auch Garderobe für Privatkunden. Foto: Walter Fischer

Hattingen.   Ex-Akkordnäherin übernahm vor zehn Jahren das Nähstudio, wo für Privatkunden Garderobe geändert wird – und baute dazu die Nähwerkstatt auf.

Seidenblusen für Privatkunden ändern oder für Gewerbetreibende Klettverschlüsse an Säureschutzhandschuhe nähen: Toni Petschulat kann beides. Die Bluse kommt in ihr Nähstudio, die Klettverschlüsse in ihre Nähwerkstatt.

Als Akkordnäherin hat die gelernte Bekleidungstechnikerin Toni Petschulat (61) bis Mitte der 1980er Jahre gearbeitet. Später für einen Kanuzubehör-Hersteller. Aber auch mal im Büro in der Betriebs- und Kostenstellen-Abrechnungen. Beim Verband für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung hat sie sich mit Arbeitsplatzgestaltung befasst.

Zweites Standbein ist wirtschaftlich notwendig

Alles konnte sie gut gebrauchen, als sie sich vor zehn Jahren selbstständig machte – mit der Übernahme einer Änderungsschneiderei, dem Nähstudio. Als zweites Standbein baute Petschulat die Nähwerkstatt auf, in der sie auch Kleinserien für Industrie- und Gewerbekunden fertigt.

Dass es dazu kam, war Zufall, weil jemand mit einer Anfrage in den Laden kam. Aber im Grunde ist das zweite Standbein auch ein Notwendigkeit: „Eine Vollexistenz nur mit einer Änderungsschneiderei ist nicht einfach“, weiß Petschulat, für die zwei Näherinnen arbeiten. Wenn eine demnächst geht, steht die nächste in den Startlöchern. „Sie war mal Praktikantin bei mir.“ Ein lustiges, selbst gemachtes Kaktusstecknadelkissen ließ sie damals als Erinnerung da.

Zwischendurch näht Toni Petschulat Taschen

Zu Petschulat bringen Kunden ihre Hosen zum Kürzen – aber auch ihre Wohnwagen- oder Stuhlpolster zum Beziehen. Ab und an näht sie auch Taschen. Einzelstücke sind das und schnell verkauft.

Ihr ist es wichtig, Nähstudio und Nähwerkstatt zu trennen. Ins Nähstudio kommen auch langjährige Stammkunden. „Manche finden nie eine Jacke, bei der die Ärmel die richtige Länge haben.“ Allen, die sich Hosen kaufen und wissen, dass sie sie immer ändern müssen, rät sie: „So kaufen, dass sie am Po sitzen. Ist der Bund zu eng, kann man das leichter ändern. Die meisten kaufen aber den Bund passend, dann ist es aufwendiger, einen guten Sitz hinzubekommen.“

Mit Gewerbekunden tüftelt Petschulat an Produkten

Die Nähwerkstatt hat ebenfalls treue Auftraggeber – wie Quququ, den Sprockhöveler Hersteller von Campingboxen. Für die sie die Bettlaken näht. Da ist sie wieder ganz Akkordnäherin. „Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht.“ Von Gewerbekunden erhält sie Muster für Serien, tüftelt mit, bis ein Produkt so ist, wie es sein soll.

Zehn Nähmaschinen hat Petschulat auf den 65 Quadratmetern stehen. Industriemaschinen ebenso wie Haushaltsmaschinen: „Wir sind auf alle Stoffe eingestellt.“ Zu ihren Aufträgen sagt sie: „Zu groß für Mutters Küchentisch und zu klein, um ins Ausland zu gehen.“

Zuschneidetisch umständlich abgeholt

Hinter dem Kundentresen steht ein riesiger Zuschneidetisch, darauf Stoßmesser, Querschneider, Stoffbeschwerer, Schneiderkreide. Den Tisch hatte Petschulat lange bevor sie vor vier Jahren vom kleineren Laden an der Bismarckstraße in den größeren an der Uhlandstraße zog. Damals wusste sie erst gar nicht, wohin damit, aber haben wollte sie ihn, „denn die ersten großen Zuschnitte habe ich noch bei meinem Ex-Chef gemacht“. Umständlich holte sie den Tisch aus Ostdeutschland. „Es gibt Sachen, die kann man nicht lassen.“ Das Nähen gehört bei ihr dazu.

Standort des Nähstudios und der Nähwerkstatt

Das Nähstudio, damals an der Bismarckstraße, hat Toni Petuschlat vor zehn Jahren übernommen. Da existierte es schon seit 15 Jahren. Am Standort Uhlandstraße 24 war einst eine Post, Räume für Pekip-Kurse. Die Folie an der unteren Ladenfront zeigt bunte Garnrollen. Die Fotos dafür hat Toni Petschulat selbst gemacht.

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