Tier-Notdienst

Tierärzte können keinen Notdienst in der Nacht mehr bieten

Tierarzt Rüdiger Wolf aus Hattingen hielt als letzter den Tier-Notdienst in der Nacht aufrecht. Doch auch in seiner Praxis ist der nicht mehr leistbar.

Tierarzt Rüdiger Wolf aus Hattingen hielt als letzter den Tier-Notdienst in der Nacht aufrecht. Doch auch in seiner Praxis ist der nicht mehr leistbar.

Foto: Fischer / Funke Foto Services GmbH

Hattingen.  Immer mehr Tierärzte können keinen Nacht-Notdienst mehr anbieten. Tierhalter aus Hattingen müssen weit fahren. Hier finden sie im Notfall Hilfe.

„Die Tierarzt-Welt steht Kopf“, weiß Rüdiger Wolf, dessen Praxis am Beul die „letzte Bastion“ in Sachen Notfallpraxis in Hattingen war. Inzwischen müssen Tierhalter deutlich weitere Wege in Kauf nehmen. Einen ständigen Notdienst gibt es nicht mehr.

Die Situation kennt auch Halterin Sabrina Voß: Als kürzlich ihr Hund „schlecht dran“ war, rang sie mit sich, in die Tierklinik nach Duisburg zu fahren. „Aber das wäre so weit gewesen und es ist auch immer recht teuer.“ Eine schwierige Entscheidung für jeden Tierhalter.

Tierärzte unter Kostendruck

Die Kosten bringen immer mehr Tierärzte dazu, den Notdienst aufzugeben. Denn: Der Bereitschaftsdienst muss bezahlt werden, selbst wenn es keinen Einsatz gibt. Hinzu kommt der gesetzlich vorgeschriebene Freizeitausgleich. Auch Wolf musste seinen 24-Stunden-Notdienst aufgegeben. Der sei arbeitsrechtlich, personell und finanziell nicht mehr möglich gewesen.

Tierarzt Dr. Jochen Schulze Lammers, Vorsitzender der tierärztlichen Kreisstelle EN, weiß: „Vieles wurde von den Ärzten mit gutem Willen gemacht. Hauptsache den Tieren wurde geholfen.“ Er spricht von einem „bundesweiten Problem“: Die flächendeckende Versorgung von Tier-Notfällen sei nicht mehr gewährleistet wie einst.

Bundesweites Problem der Notdienste

„Jemand ohne Führerschein, dessen Hund nachts schwere Symptome bekommt, muss sich heute ein Taxi bestellen, um nach Duisburg in die Tierklinik zu fahren. Dort muss er womöglich noch lange warten. Insgesamt ist er acht bis zehn Stunden unterwegs“, beschreibt Tierarzt Wolf ein mögliches Szenario.

„Bis vor zwei Jahren hat der Notdienst relativ problemlos funktioniert. Jetzt werden die Arbeitszeiten überprüft und im schlimmsten Fall verliert man die Approbation“, weiß Schulze Lammers. Er und seine Kollegen fänden richtig, dass auf Ruhezeiten geachtet würde, aber eine Lösung für den Notdienst habe der Gesetzesgeber nicht.

24-Stunden-Notdienst

Auch Sylvia Becker vom Katzenschutz-Verein in Hattingen sieht ein großes Problem in der Notfallversorgung. „Man muss zu den Kliniken erst hinkommen. Und im Notfall ist zählt jede Sekunde.“

Eine Alternative ist in solchen Fällen der kommerzielle 24-Stunden-Tier-Notruf, der bei Fundtieren genauso gerufen werden kann wie bei erkrankten Haustieren. Die Tiernotrettung leistet Erste-Hilfe und fährt das Tier zur nächsten Klinik. „Wenn sich beim Hund beispielsweise der Magen umgedreht hat oder ein Fremdkörper in der Luftröhre steckt, sind die Besitzer froh, wenn schnell jemand vor Ort ist“, weiß Tiernotretter Jörg Schlüter.

Tier-Notdienst an Wochenenden und Feiertagen

Sylvia Becker und andere Tierhalter wünschen sich eine 24-Stunden-Versorgung durch Hattinger Tierärzte. Einen Notrufring müssten die Praxen aber selbst organisieren, die Tierärzte-Kammer ist dafür nicht zuständig.

Im größeren Bezirk Bochum, Herne und Hattingen gibt es einen Zusammenschluss von Tierärzten – unter ihnen auch Tierarzt Wolf und Kerstin Schmitz – für Randzeiten. „Früher konnten wir den Notdienst auch nachts anbieten. Jetzt ist er immerhin am Wochenende zwischen acht und 22 Uhr und an Feiertagen zu denselben Zeiten gewährleistet“, erklärt Schmitz. Unter der 01805 123411 ist der Notdienst zu den genannten Zeiten erreichbar. „Anrufer werden automatisch an den diensthabenden Arzt vermittelt. Jedoch kann es sein, dass man bis nach Herne fahren muss.“

Tierkliniken in der Umgebung

Außerhalb dieser Zeiten müssen Tierbesitzer auf die Tierkliniken ausweichen. Die befinden sich in Haan (Neandertal-Klinik), in Duisburg Kaiserberg und Recklinghausen (AniCura). Eine zweite Klinik in Duisburg hat „ihr Klinik-Schild kürzlich zurückgegeben“, wie Wolf es nennt. Auch sie (das Tierarzt-Zentrum Asterlagen) konnte den 24-Stunden-Dienst nicht mehr leisten.

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