Abiball

Tanzschule in Hattingen bietet Flashmobs für den Abiball

Svenja Petry, Besitzerin der Tanzschule Dance Inn , am Dienstag, dem 4.6.2019 im Dance-Inn. Foto: Walter Fischer / Funke Foto Services GmbH

Svenja Petry, Besitzerin der Tanzschule Dance Inn , am Dienstag, dem 4.6.2019 im Dance-Inn. Foto: Walter Fischer / Funke Foto Services GmbH

Foto: Fischer / Funke Foto Services GmbH

Hattingen.   Tanzschulen besuchen Jugendliche in Hattingen kaum. Tanz-Grundschritte lernen sie im Sportunterricht. Das Dance Inn wirbt mit Flashmob-Kursen.

Die Abitur-Prüfungen liegen hinter ihnen, nun naht für Hattingens Abiturienten der krönende Abschluss ihrer Schullaufbahn: der Abiball, das ein oder andere klassische Tänzchen mit Mama oder Papa inklusive. Die dafür erforderlichen Schrittfolgen allerdings lassen sich die meisten Jugendlichen heutzutage nur noch selten von Profis beibringen – sehr zum Bedauern auch von Tanzlehrerin Svenja Petry.

Tanzen ist Kulturgut, Tanzschulen gelten aber als uncool

Die 35-Jährige, die an der Eickener Straße die Tanzschule Dance Inn betreibt, sagt, in den vergangenen Jahren hätten Jugendliche nur vereinzelt den Weg in einen ihrer Standard-Tanzkurse gefunden. Dabei gehöre Standard-Tanzen zum Abiball wie die Zeugnisvergabe davor, findet die gebürtige Kölnerin.

„Tanzen zu können, gehört für mich zum guten Ton“, sagt sie. Es sei „eine Art von Kulturgut“. Doch bei den meisten Jugendlichen gelte klassisches Tanzen als uncool, so Petry. „Außerdem haben Tanzschulen in der Vorstellung vieler Jugendlicher ein altes angestaubtes Image“, ahnt Petry. „Doch das stimmt nicht.“

Flashmob für den Abiball

Schon seit längerem kämpft Petry dabei gegen derlei Vorurteil an, hat sich für das Dance Inn zudem ein besonderes Konzept eigens zur Vorbereitung für den Abiball ausgedacht. Neben Discofox, langsamem und Wiener Walzer bietet sie den Abiturienten nämlich auch an, mit diesen einen Gruppen-Flashmob für den ganzen Jahrgang einzustudieren. „Der sorgt auf dem Abiball garantiert für Stimmung.“

Genutzt haben Hattingens Abiturienten derlei Angebot indes bislang nicht, sowohl am Gymnasium Waldstraße, als auch am Gymnasium Holthausen haben Sportlehrer den Schülern in diesem Jahr grundlegende Tanzschritte vermittelt. Sechs Unterrichtsstunden hätten sie und ihr Kollege Andreas Breenkötter für die Vermittlung von Grundschritten wichtiger Standardtänze verwendet, sagt Andrea Möser, Lehrerin an der Waldstraße.

Klassische Tänze gehören zum Abiball dazu

Wir haben das den Schülern in den letzten Jahren immer angeboten, weil uns klar ist, dass heutzutage viele einfach nicht mehr in eine Tanzschule gehen.“ Aber dennoch fänden, dass ein paar klassische Tänze zu solch einer Veranstaltung wie dem Abiball dazugehörten.

Das sehen die Abiturienten Paula Schaan (18) und Arad Kalali (18), beide Schülersprecher am Gymnasium Holthausen, ähnlich. Auch in ihrer Schule seien Interessierten daher in der Turnhalle jüngst zwei Stunden lang von einem Lehrer und einigen Schülern Grundkenntnisse im Paartanz vermittelt worden. „Das war total lustig – und überraschenderweise haben auch alle mitgemacht“, sagt Paula Schaan.

Trotz anfänglicher Berührungsängste – im Wortsinn. Richtig sicher bei den Tanzschritten, gesteht sie, fühle sie sich nach dem Kurzkursus indes nicht.

Kampagne in sozialen Medien

Was Svenja Petry gut verstehen kann, nicht umsonst laufen ihre Tanzkurse auch über mehrere Wochen. Mit einer Social-Media-Kampagne will die 35-Jährige nun versuchen, zumindest nachfolgende Schülerjahrgänge – vielleicht auch schon jüngeren Alters – für den klassischen Tanzunterricht zu gewinnen. Und ihnen zu zeigen, dass es in in ihrem Tanzstudio alles andere als uncool zugeht.

„Paartanz“, betont Petry, „ist doch das schönste Hobby, das man zu zweit ausüben kann.“ Und ein Abi­ball ohne Paartanz — sei vergleichbar mit einer Hochzeit, „bei der jeder für sich allein heiraten würde“.

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