AUSSTELLUNG

Stadtmuseum Hattingen zeigt Kunstwerke zum Thema Intimität

Kunstwerk von Renate Löbbecke: Sie hat im Fernsehen Bilder von toten und verletzten Syrern gesehen, hat Fotos davon gemacht und die Bilder dann verfremdet,

Kunstwerk von Renate Löbbecke: Sie hat im Fernsehen Bilder von toten und verletzten Syrern gesehen, hat Fotos davon gemacht und die Bilder dann verfremdet,

Foto: Walter Fischer / Funke Foto Services GmbH

Hattingen.  Eine Ausstellung im Stadtmuseum Hattingen zeigt Arbeiten von Mitgliedern des Westdeutschen Künstlerbundes zum Thema Intimität. Das ist anregend.

Beim Wort Intimität gehen die Gedanken meist in eine Richtung: die eigene Körperwahrnehmung, die privaten, persönlichsten Bereiche. Man kann aber auch einen erweiterten Blick auf Intimität zulassen, sich dem Thema anders nähern. Das haben Mitglieder des Westdeutschen Künstlerbundes jetzt getan und zeigen nun in der Ausstellung „InDiscreet – The Problem of Intimacy“, was der Begriff Intimität für sie bedeutet.

Mehrere Stationen gab es schon für die Ausstellung, bei denen sich die Kunstwerke weiter verändert haben. Mit dem Stadtmuseum in Hattingen wird jetzt der Schlusspunkt gesetzt. Renate Löbbecke vom Vorstand des Künstlerbundes erklärt, dass erst durch die Abgrenzung und Konfrontation mit anderen Menschen und der Außenwelt ein Bewusstsein für die eigene subjektive Intimsphäre entsteht. „So ist der einzelne im Alltag ständig gefordert“, sagt sie.

Sehr verschieden ist der Blick auf das, was Intimsphäre bedeutet

So unterschiedlich wie die Künstler selbst sind, so verschieden ist auch ihr Blick auf das, was für sie Intimsphäre bedeutet.

Renate Löbbecke zum Beispiel hat im Fernsehen Bilder von toten und verletzten Syrern gesehen, hat Fotos davon gemacht und die Bilder dann verfremdet. „Es war völlig erschreckendes Material, das ich in den Händen hatte.“ Mit Aquarellpapier hat sie die Fotos bearbeitet und zu einem Ensemble zusammengestellt. „Für mich ist die Frage, ob man diese Bilder schön finden darf“, sagt sie. Auch das ist ein Stück Intimität, mit dem sich der Betrachter in dieser Ausstellung auseinandersetzen muss.

Die inneren unbewussten Fantasien erkunden

Eine völlig andere Herangehensweise an das Thema hat die Französin Judith Lesur. Sie hat ein spannendes Video gemacht, in dem auch Albrecht Dürer mit dem berühmten Hasen eine Rolle spielt. „Ich sehe Intimität als etwas, das sich im Inneren versteckt und darauf wartet, enthüllt zu werden. Mit den Hilfsmitteln des animierten Videos kann ich die Schichten von Haut, Fleisch, Knochen und Muskeln abziehen, um meine inneren unbewussten Fantasien zu erkunden, die von Albrecht Dürers Gemälden und Zeichnungen inspiriert sind“, erklärt sie.

In die Herzen und hinter das Leiden der Menschen gucken

Regina Friedrich-Körner schließlich gibt in ihrem Video einen Blick auf die Familienbande frei. Auf Krieg, Armut, Vertreibung, Flüchtlinge. In ihrem Video thematisiert sie aber nicht Entwicklungen der jüngsten Zeit, sondern Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs. Es ist alles schon einmal dagewesen. Und immer kann man in diesen schrecklichen Situationen auch in die Herzen und hinter das Leiden der Menschen gucken.

„Die Frage nach Intimität gilt auch für den Prozess des künstlerischen Arbeitens selbst“, betont Renate Löbbecke. Denn bei jedem kreativen Akt werde auch stets ein Stück Persönliches des jeweiligen Künstlers offenbart.

Beeindruckend und ein Sinnbild für das Thema Intimität sind auch die Bilder des verletzten Vaters von Jochem Ahmann. Wie verletzlich der Mensch ist, wenn er Intimes preisgibt, wird anhand seiner Bilder dabei sehr klar.

Fotos eines Kopfes nach einer Kopf-Operation gehen unter die Haut

Und auch Fotos eines Kopfes nach einer Kopf-Operation gehen unter die Haut. Da kommt der Betrachter ins Grübeln, denn es wird ihm der Zugang zu einem Menschen erlaubt, dessen Gesicht man nicht sieht. Aber man kann diesem Menschen fast in die Seele gucken, mitempfinden, was er durchmachen musste.

Alle Kunstwerke der zwölf ausstellenden Künstler regen zur Auseinandersetzung mit dem Thema Intimität an.

>>> WISSENSWERTES RUND UM DIE AUSSTELLUNG

Die Ausstellung „InDiscreet - The Problem of Intimacy“ war schon an vielen Orten. Nach dem Künstlersymposium in Bedburg-Hau gab es eine Ausstellung in Münster, dann im Kutscherhaus in Recklinghausen und im Kunstverein Emmerich.

In Hattingen werden die Kunstwerke im Stadtmuseum, Marktplatz 1-3 zu sehen sein. Die Eröffnung ist am Freitag, 20. September, um 19 Uhr. Der Katalog kostet zehn Euro.

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