Kultur

Stadtbibliothek muss nach über neun Jahren renoviert werden

Bernd Jeucken, Leiter der Stadtbibliothek Hattingen, will vermehrt Workshops anbieten.

Bernd Jeucken, Leiter der Stadtbibliothek Hattingen, will vermehrt Workshops anbieten.

Foto: Volker Speckenwirth

Hattingen.   Technik und Mobiliar sind veraltet. Die Besucherzahlen steigen, die Ausleihzahlen sinken. Bibliothek Hattingen will vermehrt Workshops anbieten.

Die Stadtbibliothek hat Renovierungsbedarf: Das betonte Leiter Bernd Jeucken im Kulturausschuss, in dem es eigentlich um den Jahresbericht der Einrichtung ging. „Über eine Million Besucher in neuneinhalb Jahren hinterlassen Spuren.“ Technische Geräte wie auch das Mobiliar seien abgenutzt. Veraltet sei nach 17 Jahren zudem die Betriebssoftware, was Recherche und Dienstleistung erschwere.

Die gute Nachricht: Die Besucherzahlen sind erneut gestiegen – um knapp 2400. Ein gutes Ergebnis, auch wenn es noch hinter dem Rekordjahr 2013 zurückbleibt. Im August 2017 kamen etwa 13 000 Besucher. Allerdings: „Die Nutzung der Bibliothek ist unabhängig von den Ausleihzahlen.“

Die Onleihe Ruhr boomt, die Ausleihen steigen

So ist die Zahl der aktiven Kunden um 100 auf 4708 gesunken. Weniger Bücher und Digitalmedien nahmen die Kunden mit heim – mehr ausgeliehen haben sie allerdings virtuelle Medien – und zwar über 500 mehr gegenüber dem Vorjahr. „Die Onleihe Ruhr boomt. Im August haben die Kunden erstmals mehr als 3000 Ausleihen, also Downloads, aus dem Bestand der Onleihe Ruhr getätigt.“

Jeucken betont im Vergleich zu den anderen an der Onleihe beteiligten Städten: „Hattingen ist der Zeitschriftenkönig der Onleihe Ruhr!“ Problem sei aber, dass die Lizenzen teuer seien, bei Romanen oft zeitlich begrenzt. Neuerscheinungen seien teils nicht erhältlich. „Aber 1000 Kunden nutzen die Onleihe – trotz der Einschränkungen.“

Bernd Jeucken strebt einen Werkstattcharakter an

Angesichts der regen Nutzung und der immer geringer werdenden Ausleihzahlen analoger Medien setzt Jeucken für die Zukunft auf einen Werkstatt-Charakter der Bücherei. Er spricht von einem digitalen Lernstudio. „Ich würde im nächsten Jahr gerne das Konzept ,Makerspace’ bearbeiten, wenn ich dafür den Auftrag bekomme“, wirbt er. Die Einrichtung will mehr auf Workshops setzen. „Denn viele wissen in der Bibliothek nichts mit sich anzufangen, chatten herum. Da wollen wir Angebote machen.“ Beispielsweise Seminare auch zu Lernfeldern wie Musik, Film und Kunst. Denkbar seien Angebote zur Schnitttechnik oder zu Musikkompositionen und vieles mehr. Andere Institute wie Volkshochschule und Musikschule sollen beteiligt werden.

Jeucken könnte sich als Ort dafür einen Teil der Lagerräume vorstellen. Das Konzept soll mit der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken in Düsseldorf entwickelt werden und in einem Förderantrag für 2020 münden. Die Stadtbibliothek will mit der Zeit gehen, erst kürzlich startete der Verleih von Figuren für das Tonies-Audiosystem.

Makerspace und Klarschriftsignatur

AlsMakerspace bezeichnet man ein Labor zum Ausprobieren von Kreativtechniken und einen Ort des Wissenstransfers. Ziel ist auch der Austausch unter den Teilnehmern. Bibliotheken wollen damit Zugang zu Wissen erleichtern. „Das heißt nicht, dass wir auf Sachbücher verzichten wollen in der Bibliothek, aber Wissen muss heute auch anders vermittelt werden“, erklärt Jeucken.

Geplant ist auch eine Auflösung der klassischen, für Nutzer unverständlichen Bibliothekssystematik, die durch eine Klarschriftsignatur ersetzt werden soll. Bisherige Zahlen- und Buchstabenkombinationen auf den Buchrücken sollen dabei durch Schlagworte ersetzt werden.

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