Gangelshausen

Sprockhövels SPD-Bürgermeisterkandidat verweigert Aussage

Ilona Kryl, Vorsitzende des Bürgervereins, und Frederik Diergarten unterwegs in einem Waldstück in Gangelshausen.

Ilona Kryl, Vorsitzende des Bürgervereins, und Frederik Diergarten unterwegs in einem Waldstück in Gangelshausen.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Schwelmer Bürgerverein Linderhausen befragte zehn Kandidaten aus Sprockhövel und Schwelm. Thema war das Landschaftsschutzgebiet Gangelshausen.

„Wir verstehen nicht, warum wir zum Thema Gangelshausen von allen Befragten eine Antwort bekommen, nur vom Sprockhöveler SPD-Bürgermeisterkandidaten Volker Hoven nicht.“ Das ist für den Bürgerverein Linderhausen ein Rätsel. Er ist schon seit langer Zeit aktiv. Nicht nur im Wahlkampf setzt er sich für den Erhalt der zum Teil sehr wertvollen Natur in dem Landschaftsschutzgebiet ein. Einem Gebiet, das zu einem kleineren Teil auf Schwelmer Fläche liegt, zum deutlich größeren Teil allerdings zu Sprockhövel gehört. Weil die Fläche interkommunal entwickelt werden soll, hat der Verein zehn Kandidaten aus Schwelm und Sprockhövel gebeten, den Bürgern per Video ihre Meinung zur Zukunft von Gangelshausen mitzuteilen. „Alle haben sich beteiligt, nur Sprockhövels SPD-Bürgermeisterkandidat hat sich trotz mehrfacher Bitten verweigert“, sagt Dr. Ilona Kryl, 1. Vorsitzende des Bürgervereins.

Podiumsdiskussion musste ausfallen

Geplant gewesen war eigentlich eine Podiumsdiskussion zu dem Thema. Die allerdings sei den Bestimmungen der Coronazeit zum Opfer gefallen. So bekamen alle Kandidaten die gleichen Fragen gestellt und hatten alle dasselbe Zeitbudget, um ihre Meinung mitzuteilen. Gefragt wurde: Wie stehen Sie zu einem regionalen Kooperationsstandort in Linderhausen? Wie werden Sie im Beteiligungsverfahren des RVR Stellung zum regionalen Kooperationsstandort beziehen? Wie stehen Sie zur Nutzung des Waldes um das Autobahnkreuz als Erweiterungsfläche für einen regionalen Kooperationsstandort? Und: Wie stehen Sie dazu, den Wald oder auch Teile des Waldes kommunal oder interkommunal für Gewerbe oder Industrie zu nutzen?

Mehrheit gegen Gewerbefläche

Befragt wurden sechs Bürgermeisterkandidaten aus Schwelm, die beiden Landratskandidaten Oliver Flüshöh (CDU/FDP) und Olaf Schade (SPD) und die beiden Sprockhöveler Bürgermeisterkandidaten Volker Hoven (SPD) und Sabine Noll (CDU/Grüne). „Alle Schwelmer Befragten einschließlich Sabine Noll aus Sprockhövel sprachen sich eindeutig dagegen aus, dort irgendeine Gewerbe- oder Industriefläche zu entwickeln. Das ist auch die Meinung von Landratskandidat Oliver Flüshöh. Olaf Schade legte sich nicht eindeutig fest, bezog aber Stellung. Nur Volker Hoven hielt mit seiner Meinung hinterm Berg. Und das finden wir nicht in Ordnung. Denn die Bürger haben vor einer Wahl ein Recht zu erfahren, wofür die Kandidaten stehen“, betont die Vorsitzende des Bürgervereins.

Bruchwald als Besonderheit

Es gehe ja nicht darum, dass alle einer Meinung sein müssten. „Aber sich hinter einer Nebeltaktik zu verstecken und zu sagen, es müsse angeblich noch geprüft werden, hat mit offenem Umgang auf Augenhöhe mit den Bürgern und Bürgerfreundlichkeit nichts mehr zu tun“, betont Ilona Kryl. Warum der Bürgerverein so sehr für den Erhalt des Gebiets kämpft, hat seine Gründe. Die Besonderheit ist der ehemalige Bruchwald in Linderhausen/Gangelshausen, erläutert Dr. Britta Kunz, Leiterin der Biologischen Station des Ennepe-Ruhr-Kreises. Diese Station berät den Kreis.

Gebiet sei ungeschliffener Diamant

„Das Landschaftsschutzgebiet heißt Hellmanns Bruch und umfasst circa 101 Hektar. 33 Hektar davon gehören dem Kreis, das waren unsere Untersuchungsflächen. Dieser frühere Bruchwald ist einzigartig im Ennepe-Ruhr-Kreis. Von den 33 Hektar hat etwa ein Drittel das Potential, durch Wiedervernässung in einen Moorwald zurückentwickelt zu werden. Es ist ungeschliffener Diamant, wobei er ja schon mal geschliffen war, es gab ja diesen Bruchwald schon. Dann hat man ihm tiefe Kerben zugefügt, weil man Entwässerungsgräben angelegt hatte. Aber das könnte man wieder zurückführen, indem man das ganze Gebiet eben wieder vernässt.“

Entscheidung dauert noch Jahre

Die Torfmoose dort seien in der Lage, sehr viel CO2 zu speichern, weil sie immer weiter wachsen und unten absterben. Das CO2, das die Pflanze aufgenommen hat, werde dort gebunden und festgelegt. Wie der Kreis betont, „wird es wohl noch Jahre dauern, bis eine Entscheidung über das Gebiet fällt.“

KOMMENTAR

Bürgerfreundlichkeit ist ein Schlagwort in diesem Wahlkampf. Genau das heißt aber, Farbe zu bekennen - gerade bei unbequemen und kontrovers diskutierten Themen. Im Gegensatz zu Sabine Noll, Bürgermeisterkandidatin von CDU und Grünen, die sich klar äußert, lässt sich SPD-Bürgermeisterkandidat Volker Hoven bei dem heiß diskutierten Thema Landschaftsschutzgebiet Gangelshausen nicht in die Karten gucken. Damit tut er sich keinen Gefallen.

Klar ist seit langem, dass er alles daransetzt, um die Wirtschaft zu fördern. Das ist nachvollziehbar. Konkret möchte er eine Spedition aus einer Nachbarstadt ansiedeln, die 600 LKW-Bewegungen am Tag haben wird. Schwelm hat sich bereits dagegen ausgesprochen, Gewerbe oder Industrie in einem ökologisch empfindlichen Gebiet wie Linderhausen oder Gangelshausen zuzulassen. Nur wo Volker Hoven bei dem Thema steht, bleibt ein Rätsel.

Verständlich, dass viele Bürger mutmaßen, dass bereits Pläne in der Schublade liegen, die den Bürgern vor der Wahl besser nicht aufgetischt werden sollen. Und das macht sie sauer. Wer sich Bürgerfreundlichkeit auf die Fahnen schreibt, muss den Mut haben, mit offenem Visier kämpfen.

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