Stadtspitze

Sprockhövels Bürgermeister Ulli Winkelmann zieht Bilanz

Ulli Winkelmanns Amtszeit endet am Reformationstag. In seinem Büro stehen Umzugskartons bereit.

Ulli Winkelmanns Amtszeit endet am Reformationstag. In seinem Büro stehen Umzugskartons bereit.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Sprockhövel .  Bürgermeister Ulli Winkelmann benennt in seiner Bilanz die großen Herausforderungen: Seine Krankheit, die Flüchtlingskrise und die Pandemie.

Die letzte Woche der Amtszeit von Bürgermeister Ulli Winkelmann neigt sich dem Ende. Eigentlich wollte er am Freitag in den Räumen der Feuerwehr Haßlinghausen zünftig Abschied feiern mit den Bediensteten des Rathauses, aber Corona erlaubt das nicht – wie so vieles in den zurückliegenden acht Monaten seiner insgesamt sechsjährigen Amtszeit. In der Ecke seines Büros stehen Umzugskartons, mit der WAZ zieht er Bilanz.

WAZ: Wie wird der Wechsel an der Spitze des Rathauses ablaufen?

Winkelmann: Ich habe bereits mehrere Gespräche mit meiner Nachfolgerin Sabine Noll geführt, da ist alles soweit vorbereitet. Formal ist sie ab 1. November Bürgermeisterin, die offizielle Übergabe ist aber erst am 5. November in der Glückauf-Halle im Rahmen einer Ratssitzung. Da herrscht übrigens für alle alten und neuen Ratsmitglieder Präsenzpflicht.

Ihre Amtszeit war über weite Strecken überlagert von Ihrer Krankheit und seit dem Frühjahr durch Corona. Die Bürger haben Sie lange nicht wahrnehmen können. Wie ist Ihr Eindruck?

Ich hätte gerne auf die von Ihnen erwähnten Katastrophen verzichtet. Die größte Herausforderung aber war gleich zu Beginn meiner aber die Flüchtlingskrise. das hat die Verwaltung in unglaublicher Weise gefordert. Und Corona: Das haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bislang doch gut hingekriegt.

Aber gerade bei einigen Entscheidungen in der Flüchtlingskrise gab es auch viel Kritik an der Verwaltung, etwa mit Blick auf die Traglufthalle.

Die positiven Leistungen überwiegen bei weitem. Wir waren die kleinste Kommune im Regierungsbezirk, die eine Erstaufnahme aus dem Boden gestampft hat. „Sporthövel“ hat damals immerhin seine Dreifachsporthalle zur Verfügung gestellt. Dafür gab es viel Lob vom Regierungspräsidenten. Außerdem hat sich hier eine ehrenamtliche Flüchtlingshilfe etabliert, die ihresgleichen in der Region sucht.

Was ist in Ihrer Zeit als Bürgermeister sonst gut gelaufen, was war Ihnen wichtig?

Ich bin kein Verwaltungsmensch. Ich habe meinen Beruf hier im Rathaus immer als sozial verstanden, als Mensch, der ansprechbar ist und zuhören kann. Ich habe über die Jahre ein Netzwerk aufgebaut, das ich auch zum Nutzen der Stadt einsetze. Ich habe Sprockhövel bei der Bezirksregierung erst richtig bekannt gemacht. Und mein Einsatz im Rahmen der Vital-Projekte, denken Sie etwa an die Breitwellenrutsche oder den Skaterpark, hat viel für die Stadt gebracht.

Wissen Sie schon, wer Sie Ihnen da als Vorsitzender folgen wird?

Sabine Noll hat bei unseren Gesprächen zugesagt, das als Sprockhöveler Stadtoberhaupt fortsetzen zu wollen.

Was würden Sie im Rückblick besser machen wollen?

Einer meiner Grundsätze ist, das gut zu machen, was man vorantreiben möchte und nicht nach hinten zu schauen.

Werden die Gegensätze von Haßlinghausern und Niedersprockhövelern jemals überwunden?

Unsere Struktur ist nun mal so, dass wir zwei Kerne in der Stadt haben. Und die mitunter sehr unterschiedlichen Temperamente machen doch den Reiz aus, das ist Vielfalt. Unsere Wirtschaftsförderin Maren Schlichtholz hat eine bemerkenswerte Strategie gefunden, zu allen Sprockhöveler Firmen – völlig egal in welchem Stadtbezirk – gute Kontakte aufzubauen, da spielt die Herkunft dann überhaupt keine Rolle mehr.

Haben Sie bei diesem Thema einen Tipp für Ihre Nachfolgerin, die ja nicht aus Sprockhövel stammt?

Ich glaube, das ist nicht so wichtig. Frau Noll wird sich einfinden in die Stadt. Sie bringt aus ihren früheren Jobs in Düsseldorf und Monheim viel Berufserfahrung mit, die Sprockhövel vielleicht auch in der Landeshauptstadt nützen könnten. Sie braucht keine Tipps von mir, kann aber von meinen Netzwerken profitieren.

Was planen Sie für sich, gibt es neue Aufgaben?

Ich habe einen guten Kontakt zu unserem Regierungspräsidenten in Arnsberg. Es ist angedacht, dass ich als Botschafter für Schulsport und Schulsozialarbeit im Regierungsbezirk eingesetzt werden könnte. Dafür bräuchte ich noch nicht einmal ein Büro.

Was wünschen Sie sich, was von Ihrer Amtszeit im Gedächtnis der Sprockhöveler bleiben soll?

Es sind die soeben angesprochenen Projekte, die ich mit Vital umsetzen konnte. Ich rede da von unserem Seniorenspielplatz, der Boule-Bahn. Die Liebe zu den Menschen, sie hat mich in meinem Amt wie im ganzen Leben immer angetrieben.

Zeit für Privates

Bürgermeister Ulli Winkelmann freut sich aber auch auf mehr Freizeit nach dem Ausscheiden aus dem Amt. Zu viele neue Aufgaben möchte sich der 63-Jährige nicht aufbürden.

Der Niedersprockhöveler berichtet von seiner zweijährigen Enkelin, „ich möchte ihre Entwicklung auf keinen Fall verpassen.“

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