Nachhaltigkeit

Sprockhöveler verarbeitet kunstvoll kaputte Skateboards

Jan Isermann und Sohn Anton fertigen tolle Dinge aus alten Skateboards in ihrer Schreiner-Werkstatt in Niedersprockhövel.

Jan Isermann und Sohn Anton fertigen tolle Dinge aus alten Skateboards in ihrer Schreiner-Werkstatt in Niedersprockhövel.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Tischler Jan Isermann aus Sprockhövel nimmt sich gebrochene Skateboards vor. Er fertigt daraus kunstvoll Stifte, Vogelhäuschen und Schmuck.

„Bei einem professionellen Skateboarder hält das Deck – der hölzerne Teil eines Skateboards – oft nicht länger als zwei Wochen, er muss nur einmal bei einem Skateboard-Trick falsch landen und schon ist es gebrochen“, sagt der Sprockhöveler Jan Isermann. Dabei müsse ein kanadischer Ahornbaum 50 bis 80 Jahre wachsen, bis aus dem unteren Teil des Stamms Skateboards entstehen könnten. „Ich bin selbst früher geskatet und achte schon lange darauf, möglichst nachhaltig zu leben.“ Er reduziere und trenne beispielsweise den Müll und überlege, wie man Sachen weiter nutzen könne, anstatt sie wegzuwerfen, berichtet er weiter. „Als im März der Lockdown kam und ich viel mehr Zeit zu Hause verbracht habe, habe ich angefangen, aus alten, gebrochenen Skateboards neue Gegenstände zu bauen – um den gebrochenen Decks Langlebigkeit und Nachhaltigkeit zu geben.“

Hobby ist Ausgleich zu stressigem Alltag

Für Isermann, der als Tischler in Düsseldorf arbeitet, sei dieses neue Hobby auch ein Ausgleich zum stressigen Alltag: „Beruflich bedingt muss ich immer über die A46 fahren, häufig ist da Stau, das stresst natürlich.“ Nach dem Abendessen mit der Familie gehe er im Anschluss fast täglich für wenigstens eine Stunde in die Werkstatt seines Schwiegervaters, die gleich hinter dem Haus liege, am Wochenende verbringe er auch mehr Zeit dort, erzählt er. „Während des Arbeitens höre ich AC/DC oder Green Day und setze meine persönlichen Ideen kreativ um – genau das bringt mich dann wirklich runter!“

Seine Frau Julia unterstütze sein neues Hobby. „Weil sie merkt, wie gut mir das tut, und weil auch sie während des Lockdowns ein neues Hobby gefunden hat: nähen.“ Sein 15-jähriger Sohn Anton arbeite hin und wieder sogar gemeinsam mit ihm in der Werkstatt. Von Stiften, Flaschenöffnern und Schuhanziehern über Vogelhäuschen und Hunde-Futterstationen bis hin zu Schmuck wie Ringen und Ohrringen – mehr als 70 Gegenstände hat der 45-Jährige bisher gebaut. Die Idee dazu stamme aber nicht von ihm selbst, wie Isermann zugibt: „Im vergangenen Jahr war ich lange krank geschrieben, da bin ich durch Zufall im Netz auf einen Amerikaner gestoßen, der genau dasselbe macht und ich glaube, dass könnte die Idee meines Lebens sein!“

Isermann möchte die Produkte verkaufen

Isermann hat nämlich noch eine Menge vor: „Anfang des nächsten Jahres möchte ich einen Gewerbeschein beantragen, um meine Sachen auch verkaufen zu können.“ Er hat bereits geplant, seine Produkte in dem Atelierladen ‘Kreativothek’ in Sprockhövel in Zahlung zu geben und auch ein guter Freund, der einen eigenen Laden betreibe, könne sich eine Zusammenarbeit mit ihm vorstellen, erzählt Isermann. Und auch bei den bisher produzierten Artikeln soll es nicht bleiben: „Ich plane, demnächst kleinere Möbel aus alten Skateboards herzustellen, zum Beispiel Couchtische.“ Da er bereits jetzt zahlreiche Anfragen von Interessenten aus dem Freundes- und Bekanntenkreis erhalte, sei er sich sicher, dass es eine Nachfrage für seine Skateboard-Produkte gibt.

„Die größte Herausforderung ist eher, genügend Skateboards für meine Arbeiten zu besorgen!“ Gebrochene Decks kaufe er pro Stück beispielsweise für zwei bis sechs Euro bei Ebay Kleinanzeigen oder bekomme sie günstig oder kostenlos von Skateboard-Läden, die Skateboard-Sammelstellen unterhalten. Auch ein Verantwortlicher eines Skateboard-Verein auf Rügen, den die Isermanns aus dem Urlaub kennen, spendet immer mal wieder kaputte Boards. „Trotzdem: Ich brauche ständig Nachschub, sie neu zu kaufen ist einfach zu teuer, nämlich 60 Euro pro Skateboard-Deck.“

Zur Geschichte des Skateboard

Das Skateboard, im Deutschen gerne Rollbrett genannt, wurde in den 1960er Jahren von amerikanischen Surfern erfunden. Sie montierten Rollen unter ihre Surfbretter, um das Gefühl des Wellenreitens auf die Straße zu bringen. Laut Straßenverkehrsordnung gilt das Skateboard in Deutschland nicht als Fahrzeug, sondern als Fortbewegungsmittel, wie beispielsweise ein Rollstuhl. Daraus folgt, dass Skateboardfahrer auf dem Bürgersteig fahren müssen, Fahrbahn und Radweg sind tabu.

Verschiedene Disziplinen

Beim Skateboarden gibt es verschiedene Disziplinen. „Street“ ist das Fahren im städtischen Raum mit Tricks (Sprüngen und Drehungen) an Mauern, Treppen und Geländern. Unter „Vert“ versteht man das Fahren und Tricks in einer Halfpipe, einer U-förmig konstruierten Anlage mit vertikalen Steilwänden. Außerdem gibt es noch die sogenannte „Miniramp“, eine ähnliche, aber niedrigere Konstruktion, ohne den vertikalen Teil der Steilwand.

Skateboardfahren als olympische Sportart

Aus der Trendsportart für Jugendliche und Erwachsene wurde mittlerweile eine olympische Sportart. Am 7. Mai 2020 gab die deutsche Post aus diesem Anlass eine Sonderbriefmarke heraus, der Entwurf dazu stammte vom Hattinger Grafiker Thomas Serres. Jan Isermann sucht immer gebrochene Skateboard-Decks, kostenlos oder zum kleinen Preis, Kontaktaufnahme bitte per Email: vader1975@gmx.de

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