Betrug

Sprockhöveler Ebay-Betrüger gibt Tat vor Gericht zu

Ein junger Mann aus Sprockhövel musste sich am Donnerstag wegen Betruges vor dem Amtsgericht Hattingen verantworten. Er hatte einen Gutschein über Ebay-Kleinanzeigen verkauft. Doch den gab es aber gar nicht.

Ein junger Mann aus Sprockhövel musste sich am Donnerstag wegen Betruges vor dem Amtsgericht Hattingen verantworten. Er hatte einen Gutschein über Ebay-Kleinanzeigen verkauft. Doch den gab es aber gar nicht.

Foto: Walter Fischer / WAZ

Sprockhövel.  Ein junger Mann aus Sprockhövel musste sich wegen Betruges vor dem Amtsgericht verantworten. Nach zehn Minuten war die Verhandlung vorbei.

Es war eine sehr schnelle Verhandlung, die am Donnerstag gegen einen jungen Sprockhöveler am Amtsgericht Hattingen geführt wurde: Schon nach gut zehn Minuten war sie beendet.

Der heute 21-Jährige hatte im vergangenen Januar einen Gutschein im Wert von 200 Euro über das Internetportal „Ebay Kleinanzeigen“ angeboten. Eine Frau aus Hamburg hatte ihn für 150 Euro gekauft und das Geld via Paypal bezahlt. Den besagten Gutschein hatte der junge Mann jedoch nie besessen, konnte ihn also auch nicht verkaufen. Wegen Betruges musste er sich deshalb jetzt vor Richter Christian Amann verantworten.

Angeklagter räumt Fehlverhalten sofort ein

„Das war ein großer Fehler, den ich gemacht habe“, räumte der Angeklagte sofort ein, der sichtlich niedergeschlagen und ohne Verteidiger auf der Anklagebank saß. Auch habe er das Geld zurückzahlen wollen, jedoch keinen Kontakt zu der Geschädigten aufnehmen können.

„Wie kommt man auf das schmale Brett“, wollte Richter Amann verwundert wissen. Denn dass dieses Verhalten nicht in Ordnung war, sei dem jungen Sprockhöveler ja offensichtlich klar – und auch, dass man ihm schnell auf die Schliche kommen würde. Ob ihm jemand diesen „Floh ins Ohr gesetzt“ habe, fragte der Richter. Das jedoch verneinte der geständige, aber ansonsten sehr stille Sprockhöveler. Er habe einfach seinen Kopf „ausgeschaltet“.

Jugendgerichtshilfe empfiehlt Jugendstrafrecht

Zum Tatzeitpunkt war der Angeklagte 19 Jahre alt und dem Jugendamt nicht bekannt, erläuterte die Jugendgerichtshilfe. Er sei ein sehr zurückhaltender junger Mann, sein Leben sei jedoch bis dato in ordentlichen Bahnen verlaufen: Schule, Ausbildung, Job. Aufgrund seines „wenig reflektierten“ Verhaltens und einer Reifeverzögerung empfahl sie dem Gericht, das Jugendstrafrecht anzuwenden.

Außerdem bestätigte sie, dass vor der aktuellen Verhandlung ein sogenanntes „Diversionsverfahren“ mit Täter-Opfer-Ausgleich angestrebt worden sei – hierfür hätte der Angeklagte die 150 Euro an die Geschädigte zurückzahlen müssen und wäre im Gegenzug nicht angeklagt worden. Die Hamburgerin sei jedoch nicht auffindbar gewesen, ein Brief der Jugendgerichtshilfe sei als unzustellbar zurückgekommen.

Verfahren wird unter Auflagen eingestellt

„Wir sitzen nur deshalb heute hier, weil sie sich so verhalten hat, wie sie sich verhalten hat“, fasste der Richter zusammen. Der Angeklagte hingegen habe sich – zumindest im Nachhinein – so verhalten, „wie man es von einem Menschen erwartet, der seinen Fehler einsieht“. Amann wertete den Fehler somit als „einmalige Verfehlung“ und stellte das Verfahren unter Auflage ein: Die 150 Euro, die er sich zuvor ergaunert hatte, muss der Sprockhöveler an ein Kinderhospiz zahlen.

Allerdings warnte er den Angeklagten auch: Die Geschädigte könne noch immer Schadenersatz von ihm verlangen. Da sie an der Verhandlung nicht mitgewirkt habe, sei aber nicht abzusehen, wie sie sich verhalten werde.

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