CORONA

Sprockhövel: Wie Corona sich auf die Tagespflege auswirkt(e)

Der Eingang zur Tagespflege am Turm in Sprockhövel: „Der Tiefpunkt während der Corona-Pandemie war das Betretungsverbot Mitte März“, sagt Einrichtungsleiterin Birte Heidemann.

Der Eingang zur Tagespflege am Turm in Sprockhövel: „Der Tiefpunkt während der Corona-Pandemie war das Betretungsverbot Mitte März“, sagt Einrichtungsleiterin Birte Heidemann.

Foto: Carsten Siegmund / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Die Corona-Pandemie hat auch für Einrichtungen wie die Tagespflege am Turm in Sprockhövel gravierende Auswirkungen. Eine Bestandsaufnahme.

Welche Auswirkungen hat(te) die Corona-Pandemie auf Einrichtungen wie die Tagespflege am Turm? Gravierende, sagt Einrichtungsleiterin Birte Heidemann (46). „Der Tiefpunkt war allerdings das Betretungsverbot Mitte März.“

Nur eine Notbetreuung für Härtefälle

Sie habe erst am selben Tag von jenem Ministeriumserlass erfahren, erinnert sich Heidemann, aufgrund dem sie die Tageseinrichtung von jetzt auf gleich schließen musste. „Wir durften nur eine Notbetreuung für Härtefälle aufrecht erhalten.“ Vor der Pandemie seien in der Tagespflegeeinrichtung durchschnittlich 40 Personen betreut worden.

Anstatt die Kunden wie sonst üblich morgens abzuholen und am späten Nachmittag wieder nach Hause zu bringen, hätten ihre 14 Mitarbeiter in dieser Zeit Hausbesuche absolviert – je nach Fall von wenigen Stunden bis zur ganztägigen Betreuung. „Im März und April durften wir nur fünf Härtefälle in ihrem Zuhause betreuen – alle anderen haben es glücklicherweise anders geregelt bekommen: Angehörige, die im Home-Office arbeiteten, übernahmen die Pflege oder aber die Dienstleistung von ambulanten Pflegediensten wurden hochgefahren.“

Einige Härtefälle mussten ins Pflegeheim

Eine direkte Folge der Corona-Pandemie nimmt Heidemann persönlich besonders mit: Immer mehr Leute hätten ab Mai bei der Einrichtung um Hilfe angefragt. „Wir haben getan, was möglich war, trotzdem mussten einige Härtefälle ins Pflegeheim.“

Froh ist Heidemann hingegen über den Rettungsschirm für Pflegeeinrichtungen. Dieser erstattet den Einrichtungen die durch die Pandemie angefallenen Mehrkosten, übernimmt zudem Umsatzausfälle – in voller Höhe. „Wäre der Rettungsschirm nicht zu Hilfe gekommen, hätten wir es nicht geschafft, die Einrichtung zu halten“, betont Heidemann.

Keinem Mitarbeiter kündigen müssen

Den WAZ-Newsletter für Sprockhövel abonnieren - So geht s%7besc#230094166}[newsDurch den Rettungsschirm habe sie indes keinem einzigen Mitarbeiter kündigen müssen. Ihr Personal arbeitete zwar weniger, bekomme aber dasselbe Gehalt. „Dafür mussten wir uns bereit erklären, in anderen Einrichtungen auszuhelfen, wurden aber bisher nicht woanders eingesetzt.“ Die freigewordene Zeit hätte ihr Team sinnvoll genutzt: „Frühjahrsputz, weitere Besuchsdienste bei unseren Kunden, Garten aufmöbeln und vieles mehr“, zählt Heidemann auf. Und durch die Pandemie hätten sie auch dazu gelernt: „Uns ist aufgefallen, dass wir über unsere Kunden und den Grad ihrer Hilfsbedürftigkeit viel mehr erfahren, wenn wir sie im häuslichen Umfeld erleben, anstatt nur bei uns in der Einrichtung“, berichtet sie. Deshalb wolle sie auch für die Zukunft ein festes System einführen, das bestimmt, wann und in welchem Maße Neukunden im häuslichen Umfeld besucht werden.

Anfang Juni sei endlich das Betretungsverbot aufgehoben worden. Seitdem werden in der Einrichtung wieder Kunden betreut: „Erst waren es acht, nun sind es zehn Kunden – die Durchsetzung der Abstandsregeln bleibt allerdings ein Problem – gerade bei dementen Kunden.“ Auch das Durchsetzen einer Maskenpflicht für diese sei oft unmöglich, daher trage nur das Personal durchgängig Schutzausrüstung. Zur Zeit, sagt Birte Heidemann, arbeite sie an einem Konzept regelmäßigen Raumwechsels, so könne man problemlos stündlich lüften.

Corona-Pandemie hat das Team zusammengeschweißt

Was die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf ihr Team betrifft, so habe diese es eher zusammengeschweißt, sagt Heidemann – „das merke ich deutlich“. Ihre Existenzsorgen um die Tageseinrichtung am Turm aber bleiben: „Der Rettungsschirm ist erst mal nur bis Ende Dezember geplant. Wird er dann ausgesetzt, werde ich die Einrichtung wirtschaftlich nicht halten können.“

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