Wahlprüfsteine

Sprockhövel: Wettbewerb der Ideen um Gewerbeflächen

Ein Blick auf das Gewerbegebiet Stefansbecke, das sich einfügt in den Bereich des Autobahnkreuzes Wuppertal-Nord.

Ein Blick auf das Gewerbegebiet Stefansbecke, das sich einfügt in den Bereich des Autobahnkreuzes Wuppertal-Nord.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Sprockhövel.  Die WAZ hat zur Kommunalwahl am 13. September die sechs Parteien in Sprockhövel zu sieben Themen befragt. Heute geht es um Gewerbeflächen.

Kaum ein Thema polarisiert in Sprockhövel so wie das der Gewerbegebiete. Die im Zuge der Bürgermeisterkandidatenduelle überaus kontrovers diskutierte mögliche Erschließung des Bereichs Gangelshausen zeigt exemplarisch, wie viel politischer Sprengstoff hier lauert. Wie weit sollte man ansässigen Firmen und solchen, die sich gerne ansiedeln würden, beim Wunsch nach zusätzlichen oder neuen Flächen entgegenkommen? Wie bringt man Wirtschaftsinteressen und Wertschätzung des grünen Charakters Sprockhövels in ein Gleichgewicht? Oder sollte es hier nur einen Schwerpunkt geben? Hier die Pläne der sechs Parteien und Wählergemeinschaften, die sich um Sitze im neuen Stadtrat bewerben:

SPD

Das deutliche Bekenntnis der Sozialdemokraten: Die starke Wirtschaft sei nicht nur Garant, sondern elementare Voraussetzung für den Wohlstand der gesamten Stadt, „dazu gehören starke Unternehmen vor Ort“. Die SPD will Unternehmer und Handwerker, besonders auch Kleinunternehmen und Einzelhandel unterstützen, für die die Menschen in den Betrieben im Vordergrund stehen, Sprockhövel soll Standort sein für „zukunftsträchtigen Ideen“. Das alles soll nach Ansicht der SPD nicht im Widerspruch zu Klima- und Naturschutz stehen.

CDU

Die Christdemokraten betonen, die Sprockhövel müsse attraktiver für Gewerbetreibende werden, am liebsten solche mit hohem Gewerbesteueraufkommen und möglichst geringem Platzbedarf. Die dazu benötigten bereits vorhandenen Flächen sollen demnach optimal genutzt, neue „mit Augenmaß“ zur Verfügung gestellt werden. Ziel müsse es sein, den finanziellen Handlungsspielraum der Stadt zurückzugewinnen, dafür sie die Gewerbesteuer wichtig.

Bündnis 90/Die Grünen

Die Grünen setzen grundlegend auf „sorgsamen Flächenverbrauch“. Für Leerstände soll die Stadt schnell Nachnutzer suchen, auf neue Gewerbeflächen müssen möglichst viele Menschen auf möglichst kleiner Fläche arbeiten. Neue Gewerbeflächen müssen nach grüner Überzeugung klimaneutral sein. In Sprockhövel gebe es „eine hohe Nutzungskonkurrenz“ auf allen Flächen durch Landwirtschaft, Erholungsfunktion, Gewerbe und ökologischer Bedeutung.

FDP

Ebenso wie SPD und CDU bekennen sich die Liberalen zu Unternehmen, Handwerk und Handel als „Basis unseres Wohlstands“. Dafür würden Flächen benötigt – für Betriebserweiterungen wie auch für Umsiedlungen. Die FDP beklagt, dass hierfür in Sprockhövel derzeit keine Reserven vorhanden seien. Daher möchte sie konkret eine schnelle Realisierung der Fläche Tackenberg. Die FDP steht zu den Ratsbeschlüssen, die die Prüfung einer kleinen Fläche direkt am Autobahnkreuz Nord vorsehen, um die Ortsteile von Verkehr zu entlasten.

MiS „Miteinander in Sprockhövel“

Die freie Wählergemeinschaft MiS lehnt den „Weiter-so-Flächenverbrauch“ ab und fordert eine „überregionale Betrachtung“ beim Thema Ausweisung von Gewerbegebieten. MiS verweist in diesem Zusammenhang auf Brachflächen in Sprockhövel, die noch erschließbar seien. Die Betonung der Bedeutung der Gewerbesteuer hält die Wählergemeinschaft für falsch, die Einkommensteuerzuweisung sei genauso hoch und weniger schwankend. Insofern hätte nach MiS-Sicht eine Nutzung der Flächen für die L70n-Umgehungsstraße für Wohnraum den Zuzug von neuen Mitbürgern gefördert und die Einkommensteuereinnahmen gesteigert.

WfS „Wir für Sprockhövel“

Die freie Wählergemeinschaft beklagt, die Diskussion um die Gewerbeansiedlung werde „mit Ausschließlichkeitscharakter“ geführt. Dabei habe Sprockhövel doch beides: Die schöne Umgebung, die Natur, Freizeitmöglichkeiten einerseits. Und die Notwendigkeit, Arbeitsplätze für die Menschen zu schaffen und Gewerbe anzusiedeln. WfS erinnert daran, dass die so genannten freiwilligen Leistungen wie Musikschule, Jugendzentrum, Stadtbücherei, Kultur und Sport nur durch gut ausgestattete Einnahmen wie durch die Gewerbesteuer garantiert werden können.

Sieben Wahlprüfsteine

Alle Sprockhöveler Bürgerinnen und Bürger, die 16 Jahre und älter sind, werden für Sonntag, 13. September, zur Kommunalwahl aufgerufen. Hierbei wird auch über die Zusammensetzung des Stadtrats entschieden.

Sechs Parteien und Wählergemeinschaften bewerben sich um Sitze: SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, MiS und WfS. Die WAZ-Redaktion hat sie mit sieben Wahlprüfsteinen konfrontiert: Neue Gewerbegebiete, Umgehungsstraße L70n, Standort für die neue Kita in Haßlinghausen, Schullandschaft, Klimaschutz, Zukunft von Stadtbücherei und Musikschule, Bürgerbeteiligung.

Bei der Kommunalwahl 2014 gab es folgendes Ergebnis: SPD (38,1 Prozent), CDU (29,4%), Grüne (12,8%), FDP (8,6%), Linke (2,6%), WfS (5,7%), Piraten (2,8%). Die Linke und die Piraten kandidieren in diesem Jahr nicht für den Rat, dafür ist die MiS hinzugekommen.

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