Wahlprüfsteine

Sprockhövel: Gymnasium spielt keine wichtige Rolle mehr

Auf dem Acker neben der Mathilde-Anneke-Schule, so die Planspiele, hätte ein Gymnasium gebaut werden können.

Auf dem Acker neben der Mathilde-Anneke-Schule, so die Planspiele, hätte ein Gymnasium gebaut werden können.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Sprockhövel.  Die WAZ hat zur Kommunalwahl am 13. September die sechs Parteien in Sprockhövel zu sieben Themen befragt. Heute geht’s um Gymnasialpläne.

Es ist drei Jahre her, als die SPD Sprockhövel, ausgerechnet am letzten Schultag vor den Sommerferien 2017, eine Initiative für die Einrichtung eines Gymnasiums startete. In der Diskussion war das in den Jahren zuvor zwar auch schon mal gewesen, aber jetzt sollte eine zweite weiterführende Schule in Zuständigkeit der Stadt konkret auf den Weg gebracht werden. In der Folgezeit wurde deutlich, dass die Stadt Millionenbeträge für ein zumindest dreizügiges Gymnasium zu schultern hätte. Als wesentliches Problem jedoch erweist sich die im Verfahren vorgesehene Berücksichtigung der Nachbarstädte, den Gymnasialstandorten Gevelsberg und Hattingen, aber auch die Gesamtschule Hardenstein in Witten, bei denen ein Sprockhöveler Gymnasium erwartungsgemäß Auswirkungen auf die Schülerzahlen haben würde, zumal dort Sprockhöveler Kinder, insgesamt rund 800, unterrichtet werden. Und so sehen es die Sprockhöveler Parteien und Wählergemeinschaften heute:

SPD

Die Sozialdemokraten sehen es als wichtig, ein breites und differenziertes Angebot an Bildung und Ausbildung in Sprockhövel für die eigenen Kinder vorzuhalten. Nach wie vor steht die SPD zum Planspiel Gymnasium, „es wäre eine wichtige Bereicherung des Bildungsangebotes“. Auch wenn die Rahmenbedingungen zur Gründung eines Gymnasiums derzeit ungünstig seien, würde sich die SPD, sofern es der Elternwille ist, für ein Gymnasium in Sprockhövel einsetzen.

CDU

Die CDU lehnt den Bau eines Gymnasiums ab. Da seien zum einen die geschätzten Baukosten in Höge von 40 Millionen Euro, andererseits die Ablehnung der Nachbarstädte, die jedoch signalisiert hätten, mit der Stadt Sprockhövel Vereinbarungen über dauerhafte Aufnahme Sprockhöveler Schüler zu schließen oder fortzuführen. Die CDU weist zudem darauf hin, dass die maximale Dreizügigkeit eines Gymnasiums vor Ort kein differenziertes Bildungsangebot vorhalten könnte so wie es die umliegenden Gymnasien anbieten.

Bündnis 90/Die Grünen

Ein fehlendes attraktives Fächerangebot führt auch bei den Grünen die Argumentation gegen ein Sprockhöveler Gymnasium an. Die Partei lenkt den Blick eher in Richtung Gesamtschule: „Hier werden Kinder aus Sprockhövel aus Platzmangel abgewiesen.“ Das betreffe auch Kinder aus Gevelsberg und Schwelm. Durch eine Dependance der in Verantwortung des EN-Kreises eingerichteten Haßlinghauser Wilhelm-Kraft-Gesamtschule im Ortsteil Niedersprockhövel könnte nach Meinung der Grünen diese Situation entspannt werden.

FDP

Die Liberalen in Sprockhövel schätzen das gute Bildungsangebot der Schulen vor Ort und in den Nachbarstädten, es soll nicht nach Ansicht der FDP nicht durch die Errichtung eines zusätzlichen Gymnasiums in Sprockhövel gefährdet werden. Die FDP spricht sich darüber hinaus „für eine dauerhafte Bestandsgarantie für alle Schulen in Sprockhövel aus.“ Insbesondere die Grundschulen müssten wohnortnah erreichbar sein und brauchen eine zuverlässige Nachmittagsbetreuung.

WfS „Wir für Sprockhövel“

Die Attraktivität einer Stadt hänge von den Bildungschancen ab, die den jungen Menschen unterbreitet werden. Die freie Wählergemeinschaft argumentiert, außer der Hauptschule gebe es keine weiterführende Schule in städtischer Trägerschaft, und so müssten die übrigen älteren Kinder in die Nachbarstädte pendeln. Daher befürwortet die WfS grundsätzlich die Diskussion um die Einrichtung eines Gymnasiums in Sprockhövel: „Bildungseinrichtungen sind eine gute Investition in die Zukunft.“

MiS „Miteinander in Sprockhövel“

Die freie Wählergemeinschaft sagt zur Gymnasialdiskussion klipp und klar: „Nein! Nicht nur, dass sich die Nachbarstädte dagegen ausgesprochen haben, die Kosten-Nutzen-Relation ist ungenügend.“ Vielmehr plädiert MiS dafür, das schnelle Internet in allen Einrichtungen her- und sicherzustellen.

Wahlprüfsteine

Alle Sprockhöveler Bürgerinnen und Bürger, die 16 Jahre und älter sind, werden für Sonntag, 13. September, zur Kommunalwahl aufgerufen. Hierbei wird auch über die Zusammensetzung des Stadtrats entschieden.

Sechs Parteien und Wählergemeinschaften bewerben sich um Sitze: SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, MiS und WfS. Die WAZ-Redaktion hat sie mit sieben Wahlprüfsteinen konfrontiert: Neue Gewerbegebiete, Umgehungsstraße L70n, Standort für die neue Kita in Haßlinghausen, Schullandschaft, Klimaschutz, Zukunft von Stadtbücherei und Musikschule, Bürgerbeteiligung.

Bei der Kommunalwahl 2014 gab es folgendes Ergebnis: SPD (38,1 Prozent), CDU (29,4%), Grüne (12,8%), FDP (8,6%), Linke (2,6%), WfS (5,7%), Piraten (2,8%). Die Linke und die Piraten kandidieren in diesem Jahr nicht für den Rat, dafür ist die MiS hinzugekommen.

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