Ehrenamt

Spazierpaten machen Senioren in Sprockhövel Beine

Monika Mehl und Gerdi Wagner (vorne) ziehen als Spazierpaten mit Senioren am Montag, 7. September 2020 los von der Zwiebelturmkirche in Sprockhövel die Hauptstraße entlang. Spazierpaten für Senioren setzen sich kurz vor 11 Uhr in Bewegung. Monika Mehl ist die Ideengeberin. Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Monika Mehl und Gerdi Wagner (vorne) ziehen als Spazierpaten mit Senioren am Montag, 7. September 2020 los von der Zwiebelturmkirche in Sprockhövel die Hauptstraße entlang. Spazierpaten für Senioren setzen sich kurz vor 11 Uhr in Bewegung. Monika Mehl ist die Ideengeberin. Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  In der Freiwilligenbörse Sprockhövel entstehen immer wieder gute Ideen. Monika Mehl und Gerdi Wagner ziehen jede Woche mit älteren Mitbürgern los

Die ehemalige Bauzeichnerin Monika Mehl hat das Ehrenamt für sich entdeckt. Bereits seit etwa sechs Jahren engagiert sie sich in der Sprockhöveler Freiwilligenbörse: als Lese-Patin, im Erzähl-Café und auch beim Spieletreff. „Als ich in Rente gegangen bin, wollte ich eine Aufgabe haben“, sagt die 69-Jährige. Seit vier Jahren ist sie auch als Spazier-Patin mit einer Gruppe Senioren unterwegs.

Im Schnitt kommen 15 Personen

Und das kam so: „Eine ehemalige Kollegin hat mir 2015 von den Stadtteilspaziergängen mit Senioren in Essen erzählt.“ Von dem Konzept sei sie so begeistert gewesen, dass sie es bei der Sprockhöveler Freiwilligenbörse vorschlug. „Und nun gehe ich mit der anderen Patin Gerdi Wagner schon seit 2016 jeden Montag eine Stunde mit Senioren spazieren – mittlerweile mit durchschnittlich 15 Personen.“ Am Anfang habe es ein wenig gedauert, bis sich das Angebot etabliert habe: „Da kamen erst mal nur zwei, drei Teilnehmer, da muss man eben geduldig sein.“

Projekt soll ausgeweitet werden

Nun aber bestehe die Gruppe aus einem harten Kern plus einigen wechselnden Teilnehmern: „Die Damen sind bei uns übrigens in der Überzahl, wir haben nur drei Herren in der Gruppe.“ Spaziert werde bei jedem Wetter – getreu dem Spruch: ,Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung’, lacht Mehl. Beim Seniorenbüro hört man begeisterte Meinungen über das Projekt: „Es ist einfach wunderschön zu erleben, wie die älteren Menschen miteinander im Gespräch und auch mobil bleiben“, lobt die Sozialarbeiterin Bärbel Mays die Idee. Die 60-Jährige städtische Mitarbeiterin möchte das Projekt deshalb gerne ausweiten und eine weitere Spaziergruppe für Senioren im Stadtteil Haßlinghausen etablieren. „Dafür suchen wir noch Freiwillige, die uns als Spazier-Paten unterstützen.“

Betreuer besuchen Erste-Hilfe-Kursus

Für die Aufgabe sei es wünschenswert, wenn die Ehrenamtlichen einen Erste-Hilfe-Kursus besuchten: „Ich würde auch versuchen, bei Bedarf einen Kursus zu vermitteln.“ Auch Monika Mehl und ihre Kollegin haben für diese ehrenamtliche Tätigkeit einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert. Monika Mehl mache übrigens selten Urlaub und sei daher gemeinsam mit der anderen Patin so gut wie jeden Montag beim Spaziergang dabei. „Ich mag einfach den Kontakt mit den Leuten und es ist toll, dass Menschen, von denen nicht wenige sonst alleine zu Hause sitzen würden, hier eine Gemeinschaft gefunden haben.“ Zusammen spazieren zu gehen, mache einfach viel mehr Spaß als alleine zu laufen.

Hier entstehen Freundschaften

Und mittlerweile sei die Gruppe eng zusammen gerückt, das sei schön und meist auch sehr lustig, erzählt sie. „Wir duzen uns alle und reden über Gott und die Welt – auch über unsere alltäglichen Probleme.“ Das bestätigt auch die Seniorin Brigitte Bosselmann, die bereits seit vier Jahren regelmäßig mitläuft: Viele Frauen in der Gruppe seien bereits Witwen, „und ich pflege meinen Mann Hans-Peter“, erzählt die 73-Jährige. Der wöchentliche Spaziergang sei für sie auch eine Ablenkung von dieser Aufgabe. „Wir reden in der Gruppe viel miteinander, dort sind auch schon Freundschaften entstanden – wir stützen uns gegenseitig.“ Aufgrund ihres kranken Mannes könne Brigitte Bosselmann nicht jeden Montag mitlaufen. „Dann vermisse ich die Gruppe richtig.“ Auf das Angebot sei sie durch Zufall aufmerksam geworden: „Bei meinem Arzt lagen Flyer aus, ich habe einen mitgenommen und der lag dann erst mal länger in meiner Schublade – irgendwann dachte ich mir: Jetzt geh’ es mal an!“

Immer wieder montags

Die Gruppe startet jeden Montag um 11 Uhr an der Zwiebelturmkirche, Hauptstraße 11 in Niedersprockhövel zum etwa einstündigen Spaziergang – außer an Feiertagen und bei Glatteis.

Voraussetzung ist, dass man sich selbst bewegen kann – laufend, am Rollator oder im Rollstuhl. Sind Teilnehmer dabei, die schlecht zu Fuß sind, laufen alle langsamer und eine kürzere Strecke.

Das Spazier-Angebot ist kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar, man kann einfach zum Treffpunkt kommen und mitlaufen.

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