Workshops

Spaß beim Drachensteigen mit Küchenrolle in Hattingen

Workshopleiter Uwe Gryzbeck hilft dem fünf Jahre alten Anes. Sein Drachen wird gleich nachgeklebt, die Schnur entwirrt.

Workshopleiter Uwe Gryzbeck hilft dem fünf Jahre alten Anes. Sein Drachen wird gleich nachgeklebt, die Schnur entwirrt.

Foto: Fischer

hattingen.   Experte Uwe Gryzbeck baute mit Kindern und Erwachsenen aus einfachen Materialien Flugobjekte. Deutsche fehlten bei „Drachen verbinden“.

Rollten Kinder früher meterweise Klopapier ab, war meist ein Schul-Streich im Gang. Hier werden Küchenrollen abgewickelt – aber mit Klorollen geht’s auch, versichert Uwe Gryzbeck im Industriemuseum. Das Papier mit Rahmen und Gesicht fliegt wenig später bestens. Der Beweis wird im Anschluss an die Drachenbauworkshops oder zwischendurch angetreten.

Obwohl sich bei einigen Kindern die Schnüre verheddern, Jungen und Mädchen „kaputt“ rufen: Sie lachen, sind alle begeistert. Außerdem kann in der Werkstatt gleich nebenan der Riss geklebt oder die verdrehte Schnur entwirrt werden.

Verwirrt war der Experte, dass Flüchtlingskinder motorisch besser drauf sind, sich länger konzentrieren können als einheimische Schulkinder. Von denen hatten einige Mühe, rückwärts zu laufen oder bekamen keinen Knoten hin. „Das ist ja das gleiche Niveau wie im Kindergarten“, sagt der Mann mit 35-jähriger Erfahrung.

Uwe Gryzbeck fuhr an mehreren Tagen innerhalb von zwei Wochen zweigleisig in Workshops. Sechs- bis zehnjährige Kinder aus Welper kamen mit ihm am Vormittag zusammen, um im Wechsel Flugdrachen zu bauen und steigen zu lassen. Am Nachmittag ging es in „Drachen verbinden“ um interkulturellen Austausch. Der wurde fleißig genutzt. Was fehlte, waren deutsche Erwachsene und Kinder.

Die, die da waren, hatten Spaß mit dem Spiel- und Sportgerät, das sich in fast jeder Kultur der Erde findet. Die sechs Jahre alte Lana aus dem Irak, die nichts hört und nicht spricht, sich aber verständlich macht, genauso wie ihre vier Jahre ältere Schwester Lava. Auch der sechsjährige Amin und der fünf Jahre alte Anas aus Somalia zogen dünne Stäbe aus einem Bambusrollo, die ihrem späteren Drachen Halt gaben. Mit durchsichtiger extrabreiter Klebefolie befestigten sie die dünnen Stäbchen auf dem Papier.

Goldfolie und Teamarbeit begeistern

Danach half Gryzbeck, der die Löcher für die Schnur piekste, mit einem Trick. Einige zwirbelten den Faden, um ihn durchs Loch zu kriegen wie in ein Nadelöhr. Der Workshopleiter legte ihn über ein schmales Bambusstäbchen – und schob beides durchs Loch. Nachdem die ersten Drachen den Himmel erobert hatten, glänzten in der Werkstatt vor allem die Augen der Mädchen. Endlich durften sie sich über Goldfolie hermachen.

Zum Bauen setzt Gryzbeck aber bevorzugt Recyclematerialien ein, um zu zeigen, was mit einfachen Mitteln hergestellt werden kann. Wichtig ist es dem Hattinger vor allem zu vermitteln, dass das Bauen in Teamarbeit mehr Spaß macht als im Laden ein Billigteil zu kaufen.

<<<Verpackungsmaterial und Zeitbegriff

Noppenfolie zum Verpacken empfindlicher Güter peppt Uwe Gryzbeck gern farblich auf. Vor allem sollen Erwachsene und Kinder – etwa 50 nahmen teil – aber Spaß am Drachenbau haben.

Obwohl er selbst eher zu früh zu einem Termin kommt, respektiert er, dass Uhren< in anderen Kulturen anders gehen und man sich trifft, „wenn die Tiere zur Tränke gehen“.

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