Familiendrama

Sohn bedroht seine Mutter in Hattingen mit Küchenmesser

Der Angeklagte erschien am Dienstag in Begleitung seines Verteidigers Jann Wienke vor dem Landgericht.

Der Angeklagte erschien am Dienstag in Begleitung seines Verteidigers Jann Wienke vor dem Landgericht.

Foto: jörn hartwich / Artikel 5 Medienbüro

Hattingen.  Familiendrama in Hattingen: Ein 55-Jähriger hat seine Mutter (77) schwer verletzt. Jetzt wird sein Fall vor dem Landgericht Essen verhandelt.

Dieser Fall ist traurig: Vor rund einem Jahr soll ein 55-jähriger ­­­Hattinger seine eigene Mutter ange­griffen und schwer verletzt haben. Die 77-Jährige wird wahrscheinlich nie wieder richtig laufen können. Seit Dienstag beschäftigt das Familiendrama jetzt das Essener Land­gericht. Es sind die Drogen, die das Leben des Angeklagten seit seiner Jugend bestimmt haben. Inzwischen haben Heroin und Valium schon ­damit begonnen, seine Leber zu zer­stören.

Küchenmesser an den Hals gehalten

Es war der 25. April 2018, als der 55-Jährige bei seiner Mutter in Hat­tingen aufgetaucht ist. Der Vater, der ihn offenbar immer unterstützt hat, war ein Jahr zuvor gestorben. Nach Erkenntnissen der Staats­anwaltschaft nahm der Angeklagte ein Küchenmesser, setzte es seiner Mutter an den Hals, forderte sie auf, ihm Zigaretten und Lebensmittel zu kaufen.

Dass nicht mehr passiert ist, ist offenbar den aufmerksamen Nachbarn zu verdanken. Sie hatten die Hilfeschreie der heute 77-Jährigen gehört und die Polizei gerufen.

Mit beiden Händen brutal ins Badezimmer geschubst

Das nächste Drama sollte jedoch nicht lange auf sich warten lassen. Denn einen Monat später war der 55-Jährige erneut bei seiner Mutter. Laut Anklage packte er sie mit beiden Händen, schubste sie brutal ins Badezimmer. Die Folge: ein doppelter Beckenbruch.

Die 77-Jährige war offenbar noch über den Boden zum Telefon ge­krochen, bevor sie ein Faustschlag brutal ins Gesicht traf. Dabei brach die Zahnprothese. Immer wieder soll die Rentnerin danach versucht haben, aufzustehen. Was ihr aber nicht gelang. Dann hat ihr Sohn sie angeblich hochgezogen und erneut zu Boden geworfen. Dabei brach die Seniorin sich dann auch noch die Schulter.

Drei Monate in Krankenhaus und Reha

Was folgte, war ein dreimonatiger Krankenhaus- und Reha-Aufenthalt. Tragisch: Wegen der Bettlägerigkeit war der doppelte Beckenbruch erst nach fünf Wochen erkannt worden. Da war es für eine Operation bereits zu spät. „Sie kann auch heute noch nicht mehr als 50 Schritte laufen – selbst mit einem Rollator nicht“, sagte ihr Anwalt Gregor Hanisch am Rande des Prozesses. „Und außerhalb der Wohnung geht es nur mit Begleitung.“

Ob die 77-Jährige überhaupt in der Lage sein wird, als Zeugin vor dem Gericht zu erscheinen, ist fraglich. Die Hattingerin leidet nicht nur unter den schweren Verletzungs­folgen, sondern auch unter einer Angststörung. Der Angeklagte, der in der Vergangenheit mehrfach in der Psychiatrie war, hat sich noch nicht zu den Vorwürfen ge­äußert.

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