Mein Advent

So versorgte sie die Hattinger mit gebundenen Adventskränzen

Waltraud von der Heydts Tochter schmückt ihr Zimmer zur Adventszeit. Für die 87-Jährige gehören traditionell rote Kerzen auf den Adventskranz.

Foto: Fischer

Waltraud von der Heydts Tochter schmückt ihr Zimmer zur Adventszeit. Für die 87-Jährige gehören traditionell rote Kerzen auf den Adventskranz. Foto: Fischer

Hattingen.   Waltraud von der Heydt half im Blumenladen. Im Advent war das Familiengeschäft gerappelt voll. Bunte Deko-Ausreißer sind nicht traditionell.

Auf dem Tisch in Waltraud von der Heydts Zimmer steht ein kleiner Weihnachtsbaum. Gerade mal so groß wie eine Wasserflasche. Auf der Fensterbank wurde ein verschneites Dorf im Miniaturformat aufgebaut. Kurzum: Die 87-Jährige Hattingerin ist bereits von Kopf bis Fuß auf die Weihnachtszeit eingestellt. Ruhig ging es im Dezember bei ihr so gut wie nie zu. Im Familiengeschäft an der Heggerstraße band sie Adventskränze in allen Variationen.

Heute kann Waltraud von der Heydt sich gemütlich in ihrem Sessel zurücklegen. Die Dekoration des Zimmers im Seniorenheim der Diakonie übernimmt ihre Tochter. Mit viel Liebe zum Detail und dem ein oder anderen grünen Tannenzweig. Hunderte dieser Zweige hielt von der Heydt während der Adventszeit in ihren Händen. „Wir hatten einen Blumenladen direkt an der Heggerstraße. Außerdem eine Gärtnerei an der Bismarckstraße“, erinnert sie sich.

Bis tief in die Nacht wurden die Kränze gebunden

Kurz vor Weihnachten stürmten die Kunden den kleinen Laden, um duftende Dekorationen zu kaufen. „Manchmal standen wir bis tief in die Nacht im Geschäft und haben Kränze gebunden. So groß war die Nachfrage.“

Damals dominierte noch eine Mischung aus Grün und Rot die heimischen Wohnzimmer. Und auch heute schwört die Seniorin auf diese Kombination. „Allerdings habe ich schon buntere Kränze zusammengestellt – mit blauen oder gelben Kerzen.“

In ihrer Kindheit musste sie auf vieles verzichten

In ihrer Kindheit musste die Hattingerin auf vieles verzichten. „In der Nachkriegszeit hatten wir nicht viel. Trotzdem hat meine Mutter versucht alles stimmungsvoll herzurichten“, betont sie. Dazu gehörte eine gewisses Maß an Spannung vor dem Heiligen Abend, beziehungsweise dem Morgen danach. „Geschenke gab es am ersten Weihnachstag. Wir mussten extra ganz früh schlafen gehen. In der Nacht hat meine Mutter dann alles vorbereitet.“ Zur Bescherung gab es meist ein neues Produkt für den Kaufmannsladen. Marzipan Brote, und Gurken aus dem gleichen Material, standen direkt neben den zuckersüßen Liebes­perlen.

Mit der eigenen Hochzeit 1952 ließ von der Heydt Weihnachts-Traditionen weiter leben. „Mein Mann wollte immer, das ich schon so früh wie möglich alles dekoriere. Außerdem musste ich immer die Plätzchen verstecken, sonst wären sie zu Weihnachten alle weggewesen.“ Stundenlang stand sie damals am Fleischwolf und drehte den Teig fürs Spritzgebäck hindurch.

Wettstreit um den Weihnachtsbaum

Eines lässt sich die rüstige Rentnerin auch im Seniorenheim nicht nehmen: den Weihnachtsbaum auf der eigenen Etage zu schmücken. „Natürlich versuchen wir den Baum zu haben, der am besten geschmückt hat“, versichert sie. Unter den Bewohnern bricht nämlich jedes Jahr im Advent ein regelrechter Wettstreit in Sachen Dekoration aus – natürlich alles mit dem gewissen Maß an Augenzwinkern und Besinnlichkeit.

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