Sicherheitstraining

So können Kinder sich gegen bedrohliche Fremde schützen

Sheriff aus der 4b zeigt, wie man einen unangenehmen Fremden auf Abstand hält. Die Geste ist auch für Passanten

Sheriff aus der 4b zeigt, wie man einen unangenehmen Fremden auf Abstand hält. Die Geste ist auch für Passanten

Foto: Fischer

  Hattinger Schüler absolvieren ein Sicherheitstraining. Ex-Polizist Holger Schumacher hat für die Kleinen, aber auch für Eltern wichtige Hinweise.

Wie Kinder reagieren können, wenn sie von Fremden angesprochen werden, lernen die Grundschüler im Oberwinzerfeld. Und auch die Eltern werden einbezogen. Dabei kommen zum Teil irrationale Ängste zum Vorschein und vor allem praktische Tipps. Wichtigste Botschaft von Trainer Holger Schumacher: „Das Leben ist schön und nicht an jeder Ecke lauern schlechte Menschen.“

Panik nicht übertragen

„Ich möchte alle wieder auf Normalnull herunterholen“, betont der ehemalige Polizist und Ex-Mitglieder einer Anti-Terror-Spezialeinheit, der in ganz Deutschland Schulungen durchführt. Die Bedrohung von Kindern durch Fremde sei sehr gering, die Angst aber groß. „Das macht nicht nur die Eltern, sondern auch die Kinder irre.“ Auch den Grundschülern vermittelt er deshalb: „Kinder werden nicht gepackt und mitgenommen, denn schlechte Menschen wollen nicht auffallen. Sie wollen euch überreden, mitzukommen.“

Auf das Baugefühl hören

Mit den Schülern spielt er Szenen durch, zeigt ihnen eindringlich, aber auch humorvoll, wie sie reagieren können. Er vermittelt: Kinder müssen auf ihr Bauchgefühl hören. Denn nicht jeder, der ein Kind anspricht, möchte ihm etwas Böses. „Seid höflich, aber: Bekommt ihr ein Bauchkribbeln und Angst wenn sich euch jemand nähert, dann seid vorsichtig“, betont der Trainer. Sein Rat: „Sucht dann Licht, Lärm und Leute.“

Hilfe finden Kinder in Geschäften, der Schule, in Restaurants oder bei anderen Passanten. Die Schüler lernen, dort um Hilfe zu bitte, sogar darauf zu bestehen.

Worte als stärkste Waffe

Der ehemalige Kampfsportler Schumacher vermittelt den Kindern eindrucksvoll, dass Worte oftmals stärker sind, als ein körperlicher Einsatz. Er lässt Jana und Abdullah aus der vierten Klasse mit voller Kraft gegen seinen Bauch schlagen – und lässt sich als Wirkung nur ein mildes Lächeln entlocken. Stattdessen bringt er den Kindern bei, bestimmt aufzutreten. Ein „Nein“ sei ihre „mächtigste Waffe“. Das spielt er in einer Szene mit Chris durch: „Wie heißt du?“ „Nein.“ Wo wohnst du?“ „Nein!“

Fremde siezen

Wichtig: Kinder, die sich unwohl fühlen, sollen Fremde siezen. Also: „Lassen Sie mich los“ statt „Lass mich los“. So machen sie Außenstehenden deutlich, dass sie die andere Person nicht kennen. Ein ausgestreckter Arm wirkt zusätzlich alarmierend auf Zeugen und hält den anderen auf Abstand. Kommt er näher, hält das Kind Abstand.

Liste der Vertrauenspersonen

„Und jetzt kommt die wichtigste Hausaufgabe, die ihr je bekommen werdet“, kündigt der Ex-Polizist an. Die Lektion: Nicht mit Fremden mitgehen. Oft haben Kinder eine andere Vorstellung von Fremde als Erwachsene. Jemand, der einige Worte mit ihnen gewechselt hat, ist in Kinderaugen kein Fremder. Deshalb genügt der Hinweis „Geh nicht mit Fremden mit“ nicht.

Schumachers wichtigster Tipp: „Fertigen Sie mit ihrem Kind eine Liste an, auf der die konkreten Personen stehen, mit denen es immer mitgehen darf.“ Lang soll diese Liste nicht sein, aber den Kindern in Gedanken helfen: Wer nicht draufsteht, mit dem gehe ich erst einmal nicht mit. Überarbeitet werden soll die Liste etwa alle zwei Wochen.

>>> Über die Sicherheitsschulungen

Leiter der WO-DE-Sicherheitsschulungen ist Holger Schumacher. Er ist laut eigener Website ehemaliger Angehöriger der Polizei-Spezialeinheit MEK/SEK beim Landeskriminalamt Hamburg, ausgebildeter Erstsprecher bei Geiselnahmen und achtfacher deutscher Meister im Karate/Ju-Jutsu.

Mehr über sein Programm gibt es auf www.wo-de.info .

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