Kooperation

Wie Kinder in Hattingen singend Deutsch lernen

Zwanglos mit viel Spaß geht der Spracherwerb über die Bühne. Kinder und Eltern singen mit Musiklehrerin Johanna Pohl morgens Lieder. Foto:Volker Speckenwirth

Zwanglos mit viel Spaß geht der Spracherwerb über die Bühne. Kinder und Eltern singen mit Musiklehrerin Johanna Pohl morgens Lieder. Foto:Volker Speckenwirth

hattingen.   Kinder mit Migrationshintergrund und ihre Eltern treffen sich in der Kita Schreys Gasse. Musizieren mit Musikschullehrerin Johanna Pohl.

Kinder klatschen in die Hände und singen ein Lied nach dem anderen. Wen es nicht mehr auf dem Stuhl oder auch dem Schoß von Mutter oder Vater hält, tanzt im Kreis. Musiklehrerin Johanna Pohl versteht den Wink mit dem Zaunpfahl – und legt eine Tanzrunde ein. An der kommt später auch Beigeordnete Beate Schiffer nicht vorbei. Und hat Spaß daran. Wie die Jungen und Mädchen und deren Eltern, die Musikmachen mit Deutschlernen verbinden.

Wie notwendig es für die Kinder ist, die deutsche Sprache zu lernen, hat Andrea Nitsch-Westen festgestellt. Selbst wenn die Eltern gut Deutsch sprechen, unterhalten sie sich mit dem Nachwuchs zu Hause offensichtlich in ihrer Muttersprache. Die Folge, so die Leiterin der Kita Schreys Gasse: „Viele Jungen und Mädchen verstehen und sprechen kein Deutsch, die Erzieherinnen fangen sprachlich bei null an.“ Die Kinder zwischen drei und sechs Jahren in Schreys Gasse, die am Projekt von Kita und Musikschule teilnehmen, verstehen schon ganz schön viel. Nicht nur, dass sie in vielen Sprachen „Guten Tag“ sagen. Sie zerlegen ihren Namen in Silben und schlagen dazu die Trommel – meist zwei- oder dreimal. Spielerisch und voller Spaß lernen sie, ohne es zu merken. Sie zählen anhand der Finger bis zehn, benennen Körperteile, waschen Hände und Haare, tanzen mit bunten Schals, deren Farben sie ebenfalls aufzählen.

Geschwister kommen mit

Seit einigen Jahren kooperieren vier Kitas mit der Musikschule. Anfang 2016 ist es nicht gelungen, Kinder und Eltern, die an der Nierenhofer Straße untergebracht waren, regelmäßig zur Teilnahme an einem Musikprojekt am Nachmittag in der Kita Südring zu bewegen.

In der Kindertagesstätte Schreys Gasse löst die frühe Uhrzeit das Problem. Väter und Mütter bringen ihre Kinder sowieso. Dann bleiben sie um 9 Uhr gleich da zum gemeinsamen Deutsch- und Musikunterricht, den Musikschulleiter Peter Brand ebenfalls in aller Frühe erläutert. 15 bis 16 Erwachsene einer Gruppe von 25 sind immer da, um am Projekt für Flüchtlinge teilzunehmen. Die Kinder besuchen die Kita sowieso – und bringen oft noch Geschwister mit. So dass die ganze Familie zu Hause gemeinsam weiter singen und kreativ sein kann.

Berufsschule im Blick

Insgesamt 75 Kinder besuchen die Kita. Wie viele Migrationshintergrund haben, hat Andrea Nitsch-Westen für dieses Kita-Jahr noch nicht durchgezählt. Im Vorjahr waren es 85 Prozent. Die Förderung von Flüchtlingskindern soll „kein Inselprojekt“ sein, so Peter Brand. Ihm schwebt auch eine Zusammenarbeit mit der Berufsschule vor.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik