Gericht

Sexuelle Belästigung beim Stadtteilfest gibt Rätsel auf

Eine 19-Jährige will in Hattingen beim Stadtteilfest Opfer sexueller Belästigung geworden sein.

Eine 19-Jährige will in Hattingen beim Stadtteilfest Opfer sexueller Belästigung geworden sein.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Hattingen.  Ein 46-Jähriger soll eine 19-Jährige beim Fest in Hattingen-Blankenstein begrapscht haben. Obwohl es viele Zeugen gibt, fehlen die Beweise.

Ein Fall sexueller Belästigung auf dem Stadtteilfest in Blankenstein beschäftigte das Gericht. Das Ungewöhnliche: Bis zuletzt blieb unklar, ob es den Vorfall zwischen einem 46-Jährigen und einer 19-Jährigen tatsächlich gegeben hatte. Dabei gab es an diesem Abend im Juni reichlich Zeugen.

Auf der Anklagebank findet sich der 46-jährige Hattinger ganz unversehens wieder. „Wir können uns das absolut nicht erklären“, teilt Verteidiger Tim Salewski mit. Erst mit dem Schreiben von der Polizei habe sein Mandant von den Anschuldigungen erfahren.

Anklage: Junger Frau unter das Shirt gegrapscht

Das wird dem Hattinger vorgeworfen: Auf dem Stadtteilfest in Blankenstein soll er am 9. Juni dieses Jahres eine Freundin seiner Stieftochter belästigt haben. Er habe der 19-Jährigen bei der Verabschiedung unter das Shirt gegriffen. Habe sekundenlang mit den Händen an ihren Brüsten verharrt.

So schildert es die junge Frau auch in der Verhandlung. Von hinten habe der Mann sie umarmt, mit beiden Händen an die Hüfte gegriffen und sei dann unter dem T-Shirt nach oben gerutscht. „Auch mit seinem Schritt kam er sehr nahe“, sagt sie.

Mehrere Anwesende bekommen nicht mit

Obwohl ein Freund der 19-Jährigen unmittelbar neben ihr stand, ebenso wie mindestens sechs andere Personen, habe niemand etwas mitbekommen. „Sie waren im Gespräch“, erklärt die junge Frau.

Alle Zeugen berichten, man habe an einem Tisch zusammengestanden, sich unterhalten, getrunken. Die 19-Jährige kannten die meisten aus der Runde vorher nicht. Von dem Übergriff, den sie schildert, will niemand der Anwesenden etwas mitbekommen haben. Und nicht nur das sorgt bei Gericht für Zweifel.

Anzeige erst nach vier Tagen erstattet

Dass sie in der Situation nicht reagiert habe, gibt die junge Frau zu: „Ich war geschockt“. Allerdings will sie ihrer Freundin, der Stieftochter des Angeklagten, noch am selben Abend davon berichtet haben. „Sie hat mich getröstet.“ Zur Polizei geht die 19-Jährige aber erst vier Tage später. „Ich hatte Angst und wollte das mit meinen Eltern abklären“, sagt sie unter Tränen vor Gericht.

Obwohl Staatsanwaltschaft und auch Richter Kimmeskamp nachvollziehen können, dass das Mädchen bei dem Übergriff nicht reagiert und auch, dass es erst spät zur Polizei geht, liegen Zweifel in der Luft. Die mehren sich, als das Mädchen berichtet, vor zwei Jahren eine ähnliche Anzeige erstattet zu haben. Geworden sei daraus nichts. Es kam nicht zu einer Verhandlung. Vorsichtig fragt Verteidiger Salewski nach, ob die 19-Jährige einmal an einer psychischen Erkrankung gelitten habe. Sie verneint.

Freundin macht entscheidende Aussage

Entscheidend wird jetzt die Aussage der Stieftochter, der Freundin, die sich eigentlich im Verfahren gar nicht äußern wollte. Sie widerspricht erst der Aussage der 19-Jährigen, dass man „beste Freundinnen“ sei und wichtiger noch gibt sie an, erst Wochen später aus einem Brief der Polizei von dem Vorfall erfahren zu haben. Am Abend habe die 19-Jährige zwar von Streitigkeiten mit ihrem Freund berichtet, die sexuelle Belästigung aber mit keinem Wort erwähnt.

Für das Gericht blieben so am Ende zu viele Zweifel. Für den Angeklagten bedeutete das: Freispruch.

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