Gesichter und Geschichte(n)

Seine Seile sorgen in Blankenstein für Zusammenhalt

Die Seil- und Drahtfabrik Puth, die Heinrich Puth Mitte des 19. Jahrhundert auf der Wiese in Blankenstein als Seildrehereie gegründet hatte, in vollem Betrieb.

Die Seil- und Drahtfabrik Puth, die Heinrich Puth Mitte des 19. Jahrhundert auf der Wiese in Blankenstein als Seildrehereie gegründet hatte, in vollem Betrieb.

Foto: WAZ / Archiv

Hattingen.  Heinrich Puth gründet 1848 in Blankenstein eine Seildreherei. Er schafft Arbeitsplätze – und sorgt für die erste elektrische Straßenbeleuchtung.

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Wertarbeit made in Hattingen. Nein, in Blankenstein natürlich, denn der Ort ist damals ja noch eigenständig. Egal, ob Blankenstein oder Hattingen, in jedem Fall Heinrich Puth. Denn seine Seilwerke erzeugen um das Jahr 1900 den Strom für alle Haushalte und auch die erste elektrische Straßenbeleuchtung, die es im weiteren Umkreis gibt.

Bergisch-Märkische Eisenbahn gibt 900 Meter langes Drahtseil in Auftrag

Schon in den Jahrzehnten zuvor hat sich die Puthsche Firma einen hervorragenden Ruf weit über die Ortsgrenzen hinaus erarbeitet. Besonders­ beeindruckend ist dabei der Auftrag, den die Bergisch-Märkische Eisenbahn im Jahr 1859 erteilt: ein 900 Meter langes Drahtseil. Es ist aber zu lang, um es in der Seilerei herzustellen. Kurzum entscheidet Heinrich Puth, das Seil in den Ruhrwiesen herzustellen. Hier wird es mit Hilfe der Bürgerschaft gedreht – und zwar mit den Händen!

Geboren wird dieser Heinrich Puth am 28. Juli 1821 in Fechenheim am Main, mit 22 Jahren geht er auf die Walz. Warum genau er im Jahr 1843 in Elberfeld landet, ist nicht überliefert, wohl aber, dass er dem Ruf des Königlich-Preußischen Seilermeister Dünbier nach Blankenstein folgt. Puth arbeitet sorgfältig, fleißig und filigran. Anders der Chef. Deshalb kommt es zum Streit zwischen den beiden.

Freunde überreden Puth, in Blankenstein zu bleiben

Heinrich Puth ist dermaßen sauer, dass er seinem Bruder nach Amerika folgen will. Freunde überredeten ihn aber, in Blankenstein zu bleiben. Puth macht sich selbstständig. Landwirt Haarmann-Drenhaus stellt ihm ein Grundstück zur Verfügung – und der 15. Februar 1848 geht als Gründungstag der Seildreherei Heinrich Puth in die Geschichte ein.

Es läuft sofort. Hanfseile, die vor allem der Bergbau braucht, sind sein erstes Produkt, 1852 kommen Drahtseile hinzu. Beliefert wurden viele Branchen, mit Tauen vorwiegend die Schifffahrt. Puth stellt beispielsweise das Förderseil für die Zeche Nachgedacht im Hammertal her, seine Firma wächst schnell.

In den 1870er-Jahren lässt er ein Fabrikationsgebäude für aus England importierte dampfbetriebene Verseilmaschinen bauen. In der Spinnerei werden Hanfgarne und das begehrte Sisal-Bindegarn für die Landwirtschaft hergestellt, auch Seile aus Kunststoff wurden gefertigt. Zeitweilig waren mehr als 500 Arbeiter in der Seilerei Puth beschäftigt.

Heinrich Puth stirbt 1912 im Alter von 91 Jahren

1879 stellt Puth von Handarbeit auf Maschinen um, im Jahr 1890 übergibt er die Geschäfte an seine Söhne Heinrich junior und Gustav. Puth selbst bleibt aber aktiv, ist noch bis ins hohe Alter in der Firma tätig. 1912 stirbt der Gründer im Alter von 91 Jahren.

Im selben Jahr scheidet Gustav aus und Heinrich junior holt Fritz Wengeler an seine Seite. Ab 1927 führt dieser, der in die Familie Puth eingeheiratet hat, die Seilerei allein. In bester Erinnerung bleiben die 1960er-Jahre: „Die Industrie arbeitete fieberhaft daran, Sisal durch synthetisches Material als Werkstoff für die Spinnerei zu ersetzen“, sagt der langjährige Betriebsleiter Rolf Schneider zur WAZ im Jahr 2010. „Uns gelang es als erste Firma in Europa überhaupt, knotenfeste Seile aus Synthetik herzustellen.”

Im Jahr 1981 geht der Blankensteiner Zulieferer in Konkurs

Das Unternehmen wird in der Erbfolge der Familie Wengeler weitergeführt, doch durch die Krise in der Schwerindustrie und das Hüttensterben wird es auch für den Blankensteiner Zulieferer immer härter, sich am Markt zu behaupten. Bis zum Jahr 1981 häuft sich eine Deckungslücke von 7,5 Millionen Mark an, die die Firma in den Konkurs zwingt. Die letzten 150 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit.

Eins noch am Rande: Um die Villa Puth an der Sprockhöveler Straße rankt sich eine alte Spuk-Geschichten – denn der alte Puth soll hier immer noch als Geist mit seinen Hunden umgehen und wenn man ihn anleuchtet, dann verschwindet er. Auch Geräusche aus der Villa sollen zu hören sein. Sagenhaft!

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