Streit

Schiwy wehrt sich gegen Mobbing-Vorwurf eines Fahrers

Busfahrer Wahid Massaadi beschuldigt die Firma Schiwy, ihn diskriminiert zu haben. Dagegen verwehrt sich die Geschäftsführerin energisch.

Busfahrer Wahid Massaadi beschuldigt die Firma Schiwy, ihn diskriminiert zu haben. Dagegen verwehrt sich die Geschäftsführerin energisch.

Hattingen.   Busfahrer spricht von Diskriminierung. Geschäftsführerin in Hattingen dementiert. Angestellter ist gekündigt. Gewerkschaft ist eingeschaltet.

Die Vorwürfe, die Wahid Massaadi gegen die Schiwy Linienverkehrs GmbH erhebt, sind schwer. „Ich bin von der Geschäftsführung schlecht behandelt, diskriminiert und gemobbt worden“, sagt der Busfahrer (50). Schiwy dementiert.

Angefangen hat alles mit Massaadis Beschwerde über mangelnde Aufenthaltsräume und Toiletten für die Busfahrer. Schiwy-Geschäftsführerin Gabriele Engelhard kontert: „In Hattingen an unserem Betriebshof sind WC und Aufenthaltsräume vorhanden. An unserem Standort Velbert, Hixholzer Weg, befindet sich ein Bürocontainer mit WC-Anlage und Aufenthaltsraum.“

„Wir haen uns an rechtliche Bedingungen gehalten.“

Immer wieder habe er auch defekte Busse gefahren, sagt Massaadi, habe Fotos von Warnlampen und defekten Sitzen an die Geschäftsleitung geschickt. „Ich habe Busse gefahren, die darf man so gar nicht fahren. Da habe ich mich geweigert“, berichtet er. Und er bemängelte, dass er, als er krank wurde, nur fünf statt der sechs wöchentlichen Arbeitstage bezahlt bekam. „Dann war man bei Schiwy sauer auf mich.“

Gabriele Engelhard kann aus datenschutzrechtlichen Gründen nur so viel sagen: „Sie können versichert sein, dass wir uns in dieser Frage stets an die rechtlichen Rahmenbedingungen gehalten haben.“

Gewerkschaft hat das Unternehmen angeschrieben

Massaadi behauptet, dass er nach der Auseinandersetzung plötzlich keinen Zugriff mehr gehabt habe auf den elektronischen Einsatzplan. „Ich bekam immer nur am Abend vorher Bescheid, ob und wann ich am nächsten Tag fahren muss – per WhatsApp. Und ich sollte das bis zu einer bestimmten Uhrzeit bestätigen. Alle anderen bekamen Einsatzpläne für die ganze Woche“, klagt er.

Die Gewerkschaft Verdi, von der Massaadi vertreten wird, hat Schiwy geschrieben, dass Arbeitszeiten vier Tage im Voraus mitgeteilt werden müssten. Die Gewerkschaft sieht eine Diskriminierung im Sinne des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Gabriele Engelhard sagt gegenüber der WAZ dazu: „Im Sinne der neuen Datenschutzverordnung haben wir unser System der Dienstplanübermittlung umgestellt. Jeder Fahrer bekommt jetzt elektronisch seine persönliche Einsatzplanung übermittelt.“ Dass Massaadi nicht für eine ganze Woche eingeplant gewesen sei, habe Gründe, die sie wegen des schwebenden Verfahrens nicht nennen könne.

Urlaubsgeld soll nicht gezahlt worden sein

Verdi bemängelt im Schreiben, dass Massaadi eine Weiterbildungsmaßnahme nicht ermöglicht worden sei. Massaadi bezichtigt Schiwy zudem, den Manteltarifvertrag nicht einzuhalten. Verdi schrieb Schiwy: „In Ihrem Unternehmen findet der Tarifvertrag der privaten Omnibusgewerbe NRW (NWO) Anwendung.“ „Mir ist kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezahlt worden“, sagt Massaadi.

Gabriele Engelhard: „Es ist historisch gewachsen, dass wir verschiedene Entlohnungssysteme haben. Es gibt Mitarbeiter, die ältere Verträge haben, jedoch mit vergleichbaren Leistungen. Alle Mitarbeiter werden mindestens auf NWO, d.h. auf tariflichem Niveau, bezahlt. Wir möchten das gerne vereinheitlichen, aber wir können nicht einseitig die Verträge kündigen und viele Fahrer möchten das auch nicht.“

Massaadi bekam Kündigung zum 31. März

Seit 2011 war Massaadi unbefristet beschäftigt – bis zur fristgerechten Kündigung zum 31. März 2019. Das Warum erklärt die Geschäftsführung in einem Brief an die Mitarbeiter: Ein Beschäftigter habe „sehr viel Unruhe in unser Unternehmen getragen“ – durch „zahlreiche falsche Darstellungen und unwahre Behauptungen in seinen ,Rundbriefen’“ sei „die Geschäftsleitung permanent kritisiert und angegriffen“ worden. Das sei nicht mehr hinnehmbar gewesen.

Massaadi ärgert sich und wirft der Schiwy-Leitung Lügen vor. „Ich habe mich auch an das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales gewandt.“ Die Bezirksregierung Düsseldorf kann zu dem Fall wegen der der Behörde auferlegten Geheimhaltungsrichtlinien keine Auskunft geben.

Schiwy will für Schweigen kein Geld geboten haben

„Schiwy bot mir Geld, wenn ich die Vorwürfe fallen lasse“, sagt Massaadi. Gabriele Engelhard: „Diese Behauptung schlägt dem Fass den Boden aus, entbehrt jeglicher Grundlage. Glauben Sie ernsthaft, dass wir in der Zeit des allgemeinen akuten Busfahrermangels noch so viele zufrieden Beschäftigte hätten, wenn die Vorwürfe nur annähernd zutreffend wären?“

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