Kommunalwahl

Sabine Noll ist neue Bürgermeisterin von Sprockhövel

Sabine Noll, neue Bürgermeisterin von Sprockhövel, steht am Sonntagabend in der Sporthalle in Haßlinghausen und lässt sich feiern.

Sabine Noll, neue Bürgermeisterin von Sprockhövel, steht am Sonntagabend in der Sporthalle in Haßlinghausen und lässt sich feiern.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Sabine Noll kommt als Außenseiterin. Die CDU-Kämmerin in Monheim hat sich als Bürgermeisterkandidatin in Sprockhövel durchgesetzt.

Sabine Noll, CDU-Politikerin mit Wohnsitz in Hattingen und gut dotiertem Job als Kämmerin in Monheim, ist von einer knapp 58-prozentigen Mehrheit der Wählerinnen und Wähler Sprockhövels am Sonntag zur Bürgermeisterin bestimmt worden. Die von Grünen und MiS unterstützte Kandidatin bezwang ihren Mitbewerber, den Beigeordneten und Kämmerer Volker Hoven, gemeinsamer Kandidat von SPD, FDP und WfS-Wählergemeinschaft, der 42 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Noll freut sich auf die Verwaltung

„Ich freue mich auf die Verwaltung, ich danke denen, die mich unterstützt haben und auch denen, die jetzt hier sind und mich nicht unterstützt haben“, sagte die 52-jährige Noll, nachdem gegen 22.30 Uhr endlich auch die Wahlergebnisse von der Bürgermeister- und der Stadtratswahl in Sprockhövel in die Sporthalle Haßlinghausen übertragen worden waren.

Technische Probleme am Wahlabend

Vorangegangen war ein technisches Desaster, das die Stimmauswertung im gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis verzögert hatte. Massive technische Probleme bei der zentralen digitalen Erfassung der abgegebenen Stimmen durch die Stadt Hagen hatten bald nach Schließung der Wahllokale dazu beigetragen, dass keine neuen Wahlergebnisse mehr übermittelt werden konnten. Noch schlimmer: Gegen 21.20 Uhr hatte das Rechenzentrum dann entschieden, bis auf Weiteres die Online-Abrufbarkeit der Resultate einzustellen. Sabine Noll wiederholte in ihrer ersten Ansprache getreu einer ihrer Wahlslogans, nach ihrem Amtsverständnis lege sie das Gewicht mehr auf Bürger als auf Meisterin. Sie bedankte sich bei CDU und den Grünen „und auch bei meinem Mann, der mich schon seit meiner Studienzeit unterstützt.“ Der unterlegene Hoven gratulierte ihr kurz, sagte aber nichts.

Keine Diskrepanz bei Wahlergebnissen

Das Wahlergebnis der Stadtratswahl spiegelt die Entscheidung der Wähler für Noll und gegen Hoven wider, da gibt es keine Diskrepanz: Während die Christdemokraten gut drei Prozent hinzugewinnen konnten (32,1 Prozent), verlor die SPD gut 12 Prozent (26,4), genauso viel wie die Grünen sich verbessern konnten (24,7) – eine glatte Verdopplung. Die FDP verliert wenig (8,4), die beiden Wählergemeinschaften WfS und MiS liegen bei 4,8 und 3,3 Prozent.

Aufarbeitung eines schmutzigen Wahlkampfs

Der Landtagsabgeordnete Bodo Middeldorf (FDP): „Wir sind zufrieden, dass wir gegen den Landestrend unser Ergebnis halten konnten.“ Gleichwohl müsse die „Hypothek des schmutzigen Wahlkampfs im Rat erst einmal abgearbeitet werden.“ CDU-Fraktionschef Torsten Schulte: „Wir haben ein grandioses Wahlergebnis und sind glücklich, mit Sabine Noll zusammenarbeiten zu können.“ Im Rat fange man jetzt bei Null an.

KOMMENTAR

Mit Sabine Noll kommt nun nach Ulli Winkelmann erneut ein Außenseiter ins Amt des Bürgermeisters von Sprockhövel. Es wird, so wie Torsten Schulte, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagte, in der Tat alles auf Null zu stellen sein.

CDU und Grüne haben eine respektable Mehrheit errungen, und es wird abzuwarten sein, ob die demonstrativ zur Schau gestellte Einigkeit auch weiter trägt im politischen Alltagsgeschäft. In der letzten Ratssitzung etwa waren sich beide in der Frage der Schaffung einer neuen Stelle für einen dringend benötigten Stadtplaner nicht einig. Und es gibt noch mehr Beispiele, wo die CDU erwartungsgemäß nicht einem durchaus beizeiten fundamentalistisch auftretenden grünen Politikverständnis folgen wird.

Volker Hoven hat die Stadt seit dem Absacken des alten Bürgermeisters überzeugend gemanagt. Der WAZ-Stadtteil-Check hat auch ermittelt, dass sich die Bürger in dieser Stadt wohl fühlen. Das kann sich auch die SPD auf ihre Fahne schreiben. Aber es gibt eben einen bis nach Berlin reichenden negativen Trend für die SPD: Wahrscheinlich wäre in diesen Zeiten nicht einmal Willy Brandt in Sprockhövel Bürgermeister geworden.

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