Kabarett

Rolf Zuckowski, Rap und Erklär-Tourette mit Gerburg Jahnke

Gerburg Jahnke und ihre „Gästinnen“ machten Station in der Gebläsehalle in Hattingen.

Gerburg Jahnke und ihre „Gästinnen“ machten Station in der Gebläsehalle in Hattingen.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Kabarettistin Gerburg Jahnke hat mit ihren „Gästinnen“ in die Gebläsehalle in Hattingen geladen. Die überzeugen mit weiblich unanständigem Humor.

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„Frau Jahnke hat eingeladen“ – in die Gebläsehalle der Henrichshütte. Die befand sich vor allem in Frauenhand: Kabarettistin Gerburg Jahnke begrüßte nicht nur viele Zuschauerinnen, sondern auch Kolleginnen aus Kabarett, Comedy und Entertainment. Für Hattingen bedeutete dies Gastauftritte von Lioba Albus aus Dortmund, Sarah Bosetti aus Aachen und Dagmar Schönleber aus Köln. Die „Gästinnen“ tobten sich auf der Bühne nach Herzenslust aus, kümmerten sich nicht um Geschlechtergrenzen und bewiesen: Weiblicher Humor ist schnell, heftig und unanständig.

Städteversammlung der Metropole Ruhrgebiet

Bereits vor zehn Jahren hatte Gerburg zusammen mit ihrer Schwester Jutta mit dem Programm “Lappen weg – Frauen ohne Regeln“ einen Auftritt auf der Henrichshütte. Inzwischen ist das Publikum natürlich älter geworden – Frau Jahnke aber auch. Und sie hat „ein paar prächtige junge Damen dabei“.

Zu Beginn des Programms fragt Jahnke die Gäste nach ihren Wohnorten – und es stellt sich heraus, dass längst nicht alle aus Hattingen kommen, sondern einige aus Bochum, Dortmund und Oberhausen angereist sind. Jahnke bezeichnet das Publikum als „Städteversammlung der Metropole Ruhrgebiet“ und zeigt Verständnis dafür, dass viele Frauen ihre Ehemänner mitgebracht haben. Schließlich dürfe man den Ehemann nicht allein zuhause lassen, da er sonst ,,den Kühlschrank leer fressen und Frauchens Bett vollhaaren‘‘ würde.

Männertagesstätte hilft bei der Betreuung

Damit die Frauen in Zukunft einen Abend auch ohne ihre Ehemänner sorgenfrei verbringen können, plane Jahnke gemeinsam mit ihren ,,Gästinnen‘‘ die Einrichtung einer ,,Mäta‘‘ (Männertagesstätte). Dort werde der Ehemann zur Betreuung aufgenommen; Korrekturen können vorgenommen werden. Allerdings müsse man, um ihn klüger als zuvor zurückzubekommen, einen Aufenthalt von mindestens einem halben Jahr erwägen.

Jahnkes erste ,,Gästin‘‘ Lioba Albus spricht ihr Mitleid für alle ,,benachteiligten Männer‘‘ aus und gleichzeitig ihre Freude darüber, eine Frau zu sein. Diese habe schließlich die Möglichkeit, sich ,,nett‘‘ zu machen. Zudem freut Albus sich über die ,,gemütliche Distanz‘‘, die sie im Alter zum ,,Balzverhalten‘‘ der Jugend habe, da sie inzwischen niemand mehr in ,,hormonelle Bedrängnis‘‘ bringen könne.

Feiertage nur mit Alkohol

Zwischen den Gastauftritten ergreift Jahnke immer wieder das Wort. Sie nimmt unter anderem Bezug auf das männliche ,,Erklär-Tourette‘‘ und die Tücken figurformender Unterwäsche und der kommenden Feiertage: Den Heiligen Abend könne sie ,,nur mit Alkohol ertragen.‘‘ Sie rät zum ,,Mon Chéri‘‘-Frühstück, ,,Rotwein im Hauptgang, Weinbrand im Dessert und zwischendurch einen Zersetzer.‘‘

Jahnke überprüft, ob noch alle Männer anwesend sind und bemerkt zwei freie Plätze, auf denen zuvor noch Ehemänner saßen.

Liebeslyrik aus Hasskommentaren

Die zweite „Gästin“ Sarah Bosetti liest Geschichten über Dummheit, Weihnachten und kreiert „Liebeslyrik aus Hasskommentaren“, die ihr selbst in Internetforen zuteil wurden. In der Pause wird ihr souveräner Umgang mit Hass von vielen Besuchern gelobt; genauso wie die Musikeinlagen der dritten ,,Gästin‘‘ Dagmar Schönleber. Die leitet ihren eigenen Rap-Song ein mit den Worten „Are you in the house, Hattingen?“ Dabei tanzt sie wild zu den Bässen aus der Musikanlage. Schönlebers Botschaft: ,,Wir brauchen mehr ,echte‘ Vorbilder in der Gesellschaft, und noch mehr Respekt.‘‘

Kurz vor der Pause singt sie gemeinsam mit den Gästen „Ich schaff‘ das schon“ und verkündet: „Vor einer Stunde hättet ihr noch nicht gedacht, dass ihr hier Rolf Zuckowski-Lieder singen werdet.“

Signierte Bücher

Der Höhepunkt des Abends: Bosetti und Jahnke lesen gemeinsam einen Text über Weihnachtsgeschenke vor. Den hat laut der Gastgeberin Bosetti allein geschrieben, während Jahnke Rotwein trank.

Viele Gäste nutzen zum Abschluss die Möglichkeit, die Bücher von Schönleber („Vierzig Fieber: Eine Gradwanderung“) und Bosetti („Ich hab‘ nichts gegen Frauen, du Schlampe! – Mit Liebe gegen Hasskommentare“) zu kaufen und diese mit einer persönlichen Widmung signieren zu lassen.

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