Amtsgericht

Richter lässt schuldigem Sprockhöveler seinen Führerschein

Vor dem Amtsgericht hatte sich ein 24-jähriger Sprockhöveler zu verantworten.

Vor dem Amtsgericht hatte sich ein 24-jähriger Sprockhöveler zu verantworten.

Foto: Fischer / Fischer / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  24-jähriger Sprockhöveler war trotz Fahrverbot Auto gefahren. Der Richter ersparte dem Versicherungsvertreter den weiteren Entzug der Lizenz.

Die Verhandlung gegen einen 24-jährigen selbstständigen Versicherungsvertreter vor dem Hattinger Amtsgericht am Dienstagmorgen kann auch als eine typische Geschichte vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie verstanden werden.

Auf der Autobahn aufgefallen

Der Sprockhöveler war am 21. Oktober des vergangenen Jahres auf der A46 in Richtung Schwelm in einer Verkehrskontrolle geraten und dabei ohne Fahrerlaubnis aufgefallen. Das heißt: Einen Führerschein hatte der Sprockhöveler schon, aber der war ihm von der Behörde in Köln nach einem Entzug erst mit Gültigkeit eine Woche später ausgehändigt worden.

Angeklagter ist geständig

Warum er diese Frist nicht noch abgewartet habe, wollte Richter Johannes Kimmeskamp von dem 24-Jährigen wissen. Der Rechtsbeistand des jungen Mannes schaltete sich ein: „Mein Mandant ist auf den Führerschein dringend angewiesen, um seinen Beruf ausüben zu können.“ Er habe im Oktober 2019 unter großem beruflichem Druck gestanden. Der Angeklagte räumte ein, sich falsch verhalten zu haben.

Sechs Eintragungen im Register

Eine Vorstellung, wie stark die Anforderung an den Angeklagten sein müssen, ergab sich aus seinem Verkehrssünderregister, das die Staatsanwältin verlas: Sechs Eintragungen hat der Sprockhöveler, meistens deutlich zu schnell gefahren und dabei mit Handy am Ohr. Dafür gab es immer wieder Geldstrafen, und als die Corona-Pandemie und der daraus folgende Lockdown auch die Berufsausübung für einen Versicherungsvertreter nahezu unmöglich machte, konnte er die Strafen nicht mehr bezahlen.

Richter urteilt eher milde

Rund 200 Kilometer täglich ist der Angeklagte nach eigener Aussage im Großraum Köln, Düsseldorf, Bochum unterwegs, „ein erneutes Fahrverbot würde mir die Grundlage für meine Existenz nehmen“, sagte er vor Gericht. Die Staatsanwältin honorierte zwar das Geständnis, plädierte jedoch angesichts der vielen Verkehrsordnungswidrigkeiten für eine Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro sowie ein einmonatiges Fahrverbot. Der Richter verurteilte ihn wegen des vorsätzlichen Fahrens ohne Fahrerlaubnis jedoch nur zu eine Geldstrafe von 750 Euro, ein Fahrverbot sprach er nicht aus.

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