Gericht

Richter gibt Angeklagtem die „allerallerletzte Chance“

Wegen Sachbeschädigung stand ein 18-Jähriger jetzt in Hattingen vor Gericht – er war bereits mehrfach straffällig geworden.

Wegen Sachbeschädigung stand ein 18-Jähriger jetzt in Hattingen vor Gericht – er war bereits mehrfach straffällig geworden.

Foto: Franz Luthe

Hattingen.   18-jähriger Hattinger war mehrfach wegen verschiedener Delikte auffällig und verurteilt worden. Jetzt beschädigte er volltrunken zwei Autos.

Es ist die „allerallerletzte Chance“, die Richter Dr. Karl-Martin Lucks dem Angeklagten H. einräumt. Sechs Einträge hat er bereits im Zentralregister, sitzt am gestrigen Donnerstag wegen Sachbeschädigung auf der Anklagebank.

Der 18-Jährige hatte am 1. November 2018 nachts eine Party verlassen müssen, weil er alkoholisiert auffällig war. Draußen trat er gegen zwei Fahrzeuge, beschädigte sie.

Angeklagter erinnert sich nicht, räumt die Tat aber ein

Daran kann sich H. nicht erinnern, räumt die Taten aber ein, weil ihm „Kollegen erzählt haben, dass ich das gemacht habe. Ich weiß nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin. Ich war sehr alkoholisiert. Ich habe wohl meine eigenen Kollegen geschlagen, das würde ich sonst nie machen.“ 0,81 Promille soll er gehabt haben. Und meint, den Grund für die Wut nicht nur in den Rauswurf von der Party auszumachen. „Ich hatte 400, 500 Euro dabei, die hat man mir da weggenommen. Ist doof, dass ich so viel Geld mithatte.“

Diebstahl, Erschleichung von Leistungen, Betrug, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz hat es in der Vergangenheit seit 2014 gegeben. In Jugendarrest war der 18-Jährige schon, der ab Februar eine Anstellung als ungelernte Kraft gefunden hat – und auch schon eine erste Rate bezahlt hat, um den angerichteten Schaden nach und nach zu begleichen. Zuletzt hatte er am 22. November 2018 – also nach der Sachbeschädigungstat – vor Gericht gestanden, weil er gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hatte. Da war ihm auferlegt worden, zur Suchthilfe der Caritas zu gehen.

Sechs Jahre rauchte der Beschuldigte Cannabis

Dort arbeitet er nach Aussagen des Jugendgerichtshelfers Thomas Behr sehr gut mit. „Sechs Jahre habe ich Cannabis geraucht. Ich bin sehr froh, dass ich jetzt über den Berg bin und bald arbeiten kann“, sagt H.

Zwar fordert die Vertreterin der Staatsanwaltschaft einen Jugendarrest – Reifeverzögerung sieht hier jeder Prozessbeteiligte vorliegen –, doch der Richter folgt der positiven Prognose des Jugendgerichtshelfers. Der Angeklagte muss den entstandenen Schaden begleichen. Zudem muss er bis zum 30. März 2020 den Weisungen der Caritas folgen und, wenn die Suchtberater es für nötig halten, auch darüber hinaus bis zum 30. März 2021. „Klappt das nicht, nehme ich sie vier Wochen in Ungehorsamsarrest“, warnt Lucks.

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